Maadebogen - Walmdachhäuser, reichlich Grün und viel Ruhe: Der Maadebogen ist ein typisches Wohngebiet, bis auf das Nahversorgungszentrum an der Sven-Hedin-Straße finden sich hier fast nur Einfamilienhäuser. Gerade einmal ein Prozent der Gesamtfläche macht das Gewerbe aus. Anfang der 1980er Jahre ist der erste Bauabschnitt an der Grenze zu Fort Schaar entstanden. Hier, im Heisenbergweg, treffen wir Rolf Wiegand. Vor 40 Jahren hat er gemeinsam mit seiner Frau ein schmuckes Haus aus weißem Klinker gebaut. „Wir sind noch immer sehr zufrieden hier“, sagt er.
Wir gehen den Kolumbusring entlang, schauen uns die Häuser an der Straße an. „Wir hatten damals noch nicht so viele Auflagen“, sagt Wiegand. Der Bauteppich war vorgegeben, die Ausrichtung des Giebels, die Art des Dachs oder die Gestaltung der Häuser war den Eigentümern überlassen. Im Gegensatz zu neueren Baugebieten findet sich hier noch eine große Vielfalt, stehen „normale“ Einfamilienhäuser neben Nurdachhäusern oder Villen.
Kostenloses Obst am Wegesrand – der Bürgerverein macht’s möglich
Wir biegen in den Zeppelinweg ein, kommen zum Wanderweg an der Maade. Der Bürgerverein hat hier vor 15 Jahren Obstbäume gepflanzt. Wer mag, kann sich bedienen, ein Angebot, das gut genutzt wird. Wiegand war bei dem Beschluss, die Bäume zu pflanzen, dabei. Seit 2006 engagiert er sich im Bürgerverein, kümmert sich unter anderem um die Internetseite (www.maadebogen.de). Neuigkeiten, die Geschichte des Stadtteils, Ansprechpartner – alles, was Einwohner oder Neubürger wissen müssen, finden sie hier. Zu normalen Zeiten gibt es auch eine Übersicht über Feste und Veranstaltungen. Wegen der Pandemie ist das etwas eingeschlafen, „wir wollen im September aber mit einer Radtour wieder loslegen.“
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Hier an der Maade schweift der Blick auf der einen Seite über schmucke Gärten, auf der anderen über weite Wiesen. „Natur pur“, sagt Wiegand, zeigt aber auch eine Problemstelle auf: Der Weg wächst von den Seiten immer mehr zu, ist an manchen Stellen nicht mal mehr einen halben Meter breit. Für Eltern mit Kinderwagen oder Menschen im Rollstuhl wird es schwierig. „Und wenn sich hier zwei Radfahrer begegnen, wird es richtig knapp.“ Der Bürgerverein hat die Engstellen bereits bei der Stadt gemeldet, hofft, dass sich bald etwas tut.
Der 74-Jährige und seine Frau gehören mittlerweile zu den 51,2 Prozent der Haushalte, in denen zwei Personen leben. Die beiden erwachsenen Kinder sind ausgezogen, der Sohn wohnt in Köln, die Tochter im Maadetal. Genauso ist auch der Bevölkerungsrückgang im Viertel zu erklären: 2000 lebten noch 2045 Menschen im Maadebogen, jetzt sind es noch 1538. In gerade einmal 11,9 Prozent der Haushalte leben Kinder. Das Durchschnittsalter der Einwohner liegt mit 52,9 über dem der Stadt Wilhelmshaven mit 46,1 Jahren.
Durchschnittsalter liegt mehr als sechs Jahre über dem Durchschnitt der Stadt Wilhelmshaven
Gegen diesen Trend steuern Sabrina und Björn Geisler an. Wir sind im zweiten Bauabschnitt, im Bereich, der an Altengroden-West anschließt. Hier treffen wir ein Paar, das sein Glück gleich zweimal im Maadebogen gefunden hat: als Jugendliche haben sie sich in der Nachbarschaft ineinander verliebt. 15 Jahre später haben sie sich mit dem gemeinsamen Haus einen Traum erfüllt. Seit drei Jahren gehört Tochter Marie zur Familie, seit ein paar Wochen die kleine Hanna. „Es ist ein schönes Gefühl, dass die Mädchen dort aufwachsen, wo auch wir unsere Kindheit verbracht haben“, sagt Björn Geisler. Marie wird nach dem Sommer in Altengroden in den Kindergarten gehen, danach dort zur Grundschule – genau, wie ihr Vater.
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Seine Eltern haben 1987 in diesem Abschnitt gebaut, er war zwei, als er in den Maadebogen zog. Ihre Eltern haben im dritten Abschnitt gebaut, sie war in der vierten Klasse, als die Familie eingezogen ist. „Es war schön, hier aufzuwachsen“, sagt Sabrina Geisler. In fast allen Häusern lebten Kinder, es gab immer jemanden zum Spielen. Anfangs gab es viele Baustellen und somit viel zum Toben, auf der Maade wurde im Winter Schlittschuh gelaufen. Auch in der Jugend lebte fast der gesamte Freundeskreis der beiden im Maadebogen, konnte gemeinsam mit dem Rad zur Schule, in die Stadt oder zu Feiern fahren. „Das werden unsere Kinder wohl so nicht mehr erleben“, sagt sie. Trotzdem sind sich beide einig, dass die Mädchen hier eine tolle Gegend zum Aufwachsen haben.
Im Maadebogen zuhause: die Familie Geisler.
Die beiden 36-Jährigen waren nie diejenigen, die es nach dem Abitur in die weite Welt zog. Gemeinsam mieteten sie eine Wohnung in Heppens, zumindest Sabrina Geisler träumte aber schon während Ausbildung und Studium von einem eigenen Haus und einer kleinen Familie. Fast drei Jahre suchte das Paar, bis sich der Wunsch 2015 schließlich erfüllte: zurück zu den Wurzeln, in eine eigene Immobilie im Maadebogen. „Das Viertel ist eingewachsen, die Grundstücksgrößen sind hier noch gut“, sagt Björn Geisler. Die Bevölkerungsdichte liegt hier bei 16,8 Personen pro Hektar. Zum Vergleich: In Schaar, zu dem das Maadetal und Potenburg gehören, sind es 19 Personen, in Neuengroden 18,3, in Rüstersiel 10,8. Und es gibt einen weiteren Vorteil. Die Familie ist in der Nähe: Auch seinen Bruder hat es zurück gezogen. Er lebt mit Frau und Kind in einem Haus in Sichtweite.
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Was fehlt, da stimmen Geislers und auch Wiegand überein: Der Aldi-Markt in der Sven-Hedin-Straße. Anfang der 1990er wurde er gemeinsam mit dem Combi-Markt direkt daneben eröffnet. Eine gute Kombination. Doch mit dem Neubau in Potenburg wurde der kleine Aldi im Maadebogen aufgegeben. „Das Geschäft steht jetzt schon eine Weile leer“, sagt Wiegand. „Wir vom Bürgerverein fragen uns, was passieren soll. Eine Antwort gab es bisher nicht.“
Der Aldi-Markt fehlt
Der fehlende Aldi-Markt ist auch Thema auf der nächsten Station unseres Spaziergangs, einem von zwei Seniorenheimen im Maadebogen. Katja Jeratsch leitet beide Einrichtungen – als echte Familienbetriebe. Ihre Oma hat das Heim im Robert-Scott-Weg aufgebaut, sie selbst ist 1984 mit ihren Eltern in den Maadebogen gezogen, hat die Einrichtung mit ihnen später weiter aufgebaut. 2008 hat sie das Heim übernommen, 2017 kam das Haus in der Sven-Hedin-Straße dazu. Hier sitzen wir im Garten, einige Bewohner sind dazu gekommen, um etwas über den Maadebogen zu erzählen. Sie alle fühlen sich wohl hier, schätzen die Spaziergänge mit der Betreuungskraft und natürlich auch die Nähe zum Nahversorgungszentrum. Der Combi sei zwar gut, sind sie sich einig, doch der Aldi fehle ihnen schon sehr.
Wilfried Ihmels lebt erst seit ein paar Monaten hier, war vorher in der Schellingstraße. „Es ist schöner, so viel ruhiger“, sagt er. Auch die Busanbindung sei gut – obwohl er vor Kurzem erst Probleme hatte und mit dem Rollstuhl nicht mitfahren konnte. „Jetzt nehme ich mir immer ein Taxi, das ist einfacher“, erzählt er.
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Katja Jeratsch schätzt vor allem die gute und ruhige Nachbarschaft: „Hier fahren nicht viele Autos, wenn unsere Bewohner alleine raus gehen, kann nichts passieren.“ Zudem seien die Menschen in der Umgebung sehr hilfsbereit und für die Senioren da. „Wenn ihnen etwas auffällt, rufen sie bei uns an, das ist wirklich schön.“
Sie selbst ist nicht nur im Maadebogen aufgewachsen, sie hat auch ihre eigenen Kinder hier großgezogen. Ihr Tochter, Kyara Augustin, ist mittlerweile Pflegedienstleiterin im Familienbetrieb, schwärmt genau wie ihre Mutter vom Maadebogen, erzählt, wie schön es war, hier zu leben. Obwohl beide mittlerweile weggezogen sind, bleiben sie durch die Heime mit dem Stadtteil verbunden. „Und das soll auch immer so bleiben“, sind sie sich einig.
