Die Gewerkschaftsfamilie feierte bei gutem Wetter am Pumpwerk ein friedliches Familienfest. Kämpferische Worte fanden Wolfgang Jägers (IG Bau) und Nikolai Dumke (RNK).
Von Norbert Czyzwilhelmshaven
Knallharte Forderungen in witzige Formulierungen zu fassen, das konnten die Gewerkschafter schon immer. „Meine Mäuse müssen stimmen, sonst nehme ich demnächst fünf Euro für ein Lächeln“ stand auf T-Shirts junger Damen am Verdi-Stand, die sich durch den Button „TVöD für alle“ als gewerkschaftlich organisierte Mitarbeiterinnen des Reinhard-Nieter-Krankenhauses zu erkennen gaben.Deren Vertrauenskörper, Nikolai Dumke, ganze 30 Jahre jung, war gestern auf dem Platz vor dem Pumpwerk als zweitem Redner neben dem IG Bau-Bezirksleiter Weser-Ems, Wolfgang Jägers, nicht nach Scherzen zmute. Dafür ist aus seiner Sicht die Situation für die Beschäftigten am Reinhard-Nieter-Krankenhaus (RNK)zu ernst. „Das RNK ist krank. An das Land gerichtet, geißelte der das gedeckelte Budget, das verhindere, dass bei steigenden Preisen für Energie und Lebensmittel die notwendigen Investitionen getätigt werden könnten.
Dumke: „Der Leistungsdruck für die Beschäftigten nimmt zu.“ Betreuten früher vier Examinierte und ein Auszubildender 34 Patienten, so müssten das jetzt zwei Examinierte, ein Praktikant und eine Auszubildende erledigen. „Wir wollen Qualität bieten, aber irgendwann sind wir ausgebrannt“.
Dann prangerter er an, dass im RNK ein Teil der Angestellten aus der Zeit, als das RNK noch nicht outgesourct war, zum Tariflohn arbeiten würden, neue Mitarbeiter 30 Prozent weniger verdienten. Dumke forderte „gleichen Lohn für alle“. Ärzte bekämen auch, was ihnen zustehe, „das wollen wir auch“.
Nach musikalischem Auftakt durch die Gruppe „The International Vagabond Orchestra“ hatte die DGB-Kreisverbandsvorsitzende Dorothee Jürgensen, die dem erkrankten Ex-DGB-Kreisvorsitzenden Bruno Weber Genesung wünschte, die gut 1000 Besucher begrüßt und erläuterte das Motto des 1. Mai „Gute Arbeit muss drin sein“. Gute Arbeit „muss sozial sein und zum Leben reichen“.
In diesem Sinne fuhr IG Bau-Regionalleiter Wolfgang Jägers fort. Steigende Kosten bei Energie und Lebensmitteln sowie die Anhebung der Mehrwertsteuer „schmälern unser Einkommen“. Deshalb „brauchen wir in diesem Jahr „deutliche Einkommensentwicklungen zum Positiven“.
Vehement forderte Jägers eine Gesetz zur Regelung des Mindestlohnes, und den sieht er bei 7,50 Euro pro Stunde. „Menschen, die 40 Stunden arbeiten, müssen auch von diesem Lohn leben können“.
Dem Handwerk, das keine Mindestlöhne wolle, legte er nahe, statt mit „christlichen Gewerkschaften ohne Macht“ besser Tarife mit dem DGB abzuschließen. „Liebe Arbeitgeber, machen sie vernünftige Tarifverträge“. Schließlich fließe das Mehr an Kaufkraft wieder in des Handwerk zurück.
Jägers kritisierte die Strategie der EU des „grenzenlosen Lohndumpings“, die auch Grundlage eines EU-Richtspuches gegen die Vergabordnung des Landes gewesen sei. Jägers: „Das ist nicht mein Europa“. Wer für Billiglohn arbeite, könne nichts für seine Rente tun. Außerdem fordert Jägers die Bekämpfung der Schwarzarbeit mit einem jährlichen Umfang von 350 Milliarden Euro und den Umsatzseuterbetrug mit einem Volumen von 21 Milliarden. Handlungsbedarf sieht er in Sachen Vermögens- und Erbschaftssteuer. Er vergaß auch nicht an die Solidarität zu appelieren. Wer für Niedriglohn arbeite müsse sich darum kümmern, indem er sich in er Gewerkschaft organisieren.
Am Nach mittag stellten sich auch die Montagsdemonstranten und der Tauschring vor.
