wilhelmshaven
„Wenn das Schiff ausläuft und ich auf der Brücke stehe, weiß ich, warum ich zur Marine gegangen bin“, strahlt der II NO (zweiter Navigationsoffizier). Leutnant zur See Claudia Tippe ist offensichtlich zufrieden mir ihrer Berufswahl.Seit Juli ist die gebürtige Uelzenerin an Bord der Fregatte „Schleswig-Holstein“ und auch gleich nach Wilhelmshaven gezogen. Bei der Verlegungsfahrt vom Stützpunkt ins Marinearsenal ist der Ton zwischen ihr und den Soldaten auf der Brücke professionell und freundlich.
Der Umgang mit weiblichen Soldaten ist Normalität geworden. Obwohl erster weiblicher Leutnant zur See in der Zerstörerflottille, sieht sich Tippe in keiner besonderen Rolle – sie gehört einfach zum Team an Bord.
Die 27-Jährige hat erfolgreich Betriebswirtschaftslehre an einer Fachhochschule studiert, anschließend als Wirtschaftsprüferin bei einem Hamburger Unternehmen gearbeitet. „Das war mir auf Dauer zu trocken. Nur Zahlen. Ich wollte mehr Abwechslung und etwas mit Menschen zu tun haben“, erzählt sie.
Da sie leidenschaftlich gern Posaune spielt und Kontakte zu Militärmusikern in Lüneburg bestanden, schien ihr dieser Weg in die Bundeswehr logisch. Aber glücklicherweise habe sie die Aufnahmeprüfung für den Militärmusikdienst nicht bestanden. Ihr Entschluss, Marineoffizier zu werden, verdanke sie letzlich dem Wehrdienstberater: „Die vorgestellten Perspektiven und Aufgaben haben mich fasziniert.“
Familie und Freunde haben sehr unterschiedlich auf den neuen Beruf Tippes reagiert. „Meine Mutter war zunächst richtig geschockt, hat sich jetzt aber damit abgefunden. Mein Vater und meine Geschwister haben meine Entscheidung akzeptiert und mich unterstützt.“ Sie ist übrigens das erste Familienmitglied in der Marine. Den meisten Freunden und Ex-Kollegen gefalle ihr neuer Weg gut.
Seit Juli 2003 ist Tippe nun Marinesoldat, hat sich mittlerweile für fünf Jahre verpflichtet und ihre Entscheidung noch nicht einen Tag bereut. Obwohl kaum Zeit bleibt für Freunde und ihr Hobby Posaune.
Die beiden Orchester und eine Bigband, in der sie eigentlich mitspielt, müssen immer häufiger auf sie verzichten.Für den II NO aber kein Problem: „Ich bin hier an Bord sehr gut aufgenommen worden und fühle mich richtig wohl. Und es ist eine Freude, wenn man wieder ’rausfährt mit der Fregatte.“
Richtig „ernst“ wird es auch für sie Anfang nächsten Jahres: Das Schiff unter dem Kommando von Fregattenkapitän Eike Wetters durchläuft dann die fordernde Ausbildung (GOST) im britischen Plymouth.
Der Erste Offizier, Fregattenkapitän Kai-Achim Schönbach, wird mit dem Kommandanten die Besatzung entsprechend vorbereiten. Und Leutnant zur See Claudia Tippe als II NO in ihrem Navigationsabschnitt hoffentlich vor den strengen Prüfern der britischen Navy bestehen.
