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MENSCHEN Mit dem Fahrrad bis nach Istanbul

Mit dem Fahrrad die friesischen Deiche hoch und runter: Ein Höhentraining, das allerdings nicht vollständig auf die Anforderungen der 5600 Kilometer nach Istanbul vorbereiten konnte.

von ulrich Müller-Heinck

tonndeich

Es ist ja nicht so, dass Maria Metternich-Wein keine Erfahrung im Fahrradsattel hätte. Auf zwei Rädern hat sie beachtliche Strecken zurückgelegt, Fahrten durch Dänemark, im vergangenen Jahr dann eine Ostsee-Tour durch die baltischen Staaten bis nach St. Petersburg. Dort feierte die Wilhelmshavenerin in der Eremitage ihren 63. Geburtstag.

Ein Jahr zuvor war die Flachlandbewohnerin voll auf der Höhe: Auf den Spuren der Tour de France vollzog sie deren Etappen nach und schaffte im zweiten Versuch auch die berühmt-berüchtigte nach Alpe d‘Huez mit der Zielankunft in 1850 Metern Höhe, nach 16 Kilometern mit durchschnittlich acht Prozent Steigung.

Als „Tour der Leiden“ hat sie den französischen Radsport-Klassiker dennoch nicht empfunden. Das traf schon eher auf das Fahrradabenteuer zu, von dem sie inzwischen wieder zurück ist – 5600 Kilometer von Brüssel nach Istanbul! Erst wochenlang ab Mitte Juni Dauerregen, später mitten hinein in die Hitzewelle in Bulgarien und Rumänien mit Temperaturen bis zu 40 Grad.

Das besondere Handicap der Gruppentour, die wie die Ostseeumrundung von einem Fahrradenthusiasten, einem Hochschullehrer aus Riga, organisiert wurde, war jedoch das teuer erstandene Spezialrad, das mit 20 Kilogramm erheblich schwerer als angepriesen ausfiel.

Vom heimischen Tonndeich hatte sich die Jadestädterin zunächst einmal per Rad nach Bremen aufgemacht, von da mit dem Zug zum eigentlichen Startpunkt Brüssel. Weil beim Radfahren ohnehin der Weg das Ziel ist, kann man ja auch manche Umwege verkraften: Istanbul wurde daher über Aachen und einige deftige Eifelanstiege, Mainz, das Fichtelgebirge, Bayreuth, die tschechische Republik mit Prag, Polen (in Krakau stieß der Wilhelmshavener Ratsherr Horst Radmer hinzu), Draculas Karpatenheimat, sowie mit einem Abstecher durch die Ukraine und entlang der Schwarzmeerküste von Rumänien, Bulgarien und der Türkei erreicht.


Zwar sorgte ein Begleitfahrzeug für den Etappentransport des schweren Gepäcks, insbesondere der Zelte, doch unterwegs war Maria Metternich-Wein, älteste der Teilnehmerinnen, in der Regel auf sich gestellt. Nicht zuletzt wegen des schweren Stahlrosses („das musste man selbst bergab treten“) fuhr sie langsamer als die anderen, startete oft schon kurz nach sieben Uhr morgens, um die mindestens 90, oft über 100 Kilometer langen Teilstücke zu bewältigen.

„Aber auch die anderen waren abends häufig fix und foxi und konnten nicht mehr.“ Wie nach jenen 130 Kilometern bis zum Erreichen der bulgarisch-türkischen Grenze am 25. August. Da schlug man die Zelte direkt im militärischen Sperrgebiet auf, was prompt eine Militärpatrouille auf den Plan rief. Die hatte schließlich ein Einsehen, dass die Gruppe partout nicht mehr weiter konnte.

Am Ende hatten neben dem Tourleiter nur drei Polen, ein Schotte, eine junge Lettländerin, ein neuseeländisches Paar sowie die Wilhelmshavenerin die Gesamtstrecke zwischen Brüssel und Istanbul bewältigt, einige setzten noch nach Zypern über.

Trotz mancher Widrigkeiten, Schweißperlen in sengender Sonne oder Attacken aggressiver riesiger wilder Hunde: „Man darf nicht den Mut verlieren und am Ende klappt doch alles irgendwie auf wunderbare Weise.“

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