Wilhelmshaven - Der alte Wasserturm an der Gökerstraße ist als Treffpunkt des Gesprächs mit Micaela Schweers-Sander, Ortskuratorin für Wilhelmshaven und Friesland der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD), hervorragend gewählt. Das Baudenkmal war das erste Förderprojekt, das die gebürtige Bremerin 2009 als Ortskuratorin begleitete. Diese vielfältige Funktion übernahm die Juristin von einem Bekannten, der Wilhelmshaven berufsbedingt Richtung Bonn verließ und sie fragte, ob sie seine Nachfolgerin werden möchte. „Mit Denkmalschutz kann ich mich gut identifizieren und ihn unterstützen, auch wenn ich nicht 30 Jahre lang Vereinsvorsitzende sein müsste“, sagt Schweers-Sander.

Schon in jungen Jahren wurde ihr Interesse für Kultur geweckt. Ihre Eltern seien so weltoffen, dass es auf Reisen klar war, sich nicht nur an den Strand zu legen, sondern sich auch zum Beispiel die Pyramiden von Gizeh anzuschauen. Schon als Vierjährige hat Schweers-Sander „Peterchens Mondfahrt“ gesehen, ihr Großvater sei Feuilletonchef der „Bremer Nachrichten“ gewesen. Als sie 1992 zur Bundesausführungsbehörde für Unfallversicherung ins frühere Marinegefängnis kam, beeindruckte sie der Innenhof, wo einst Gefangene ihre Runden drehten. Heute arbeitet sie bei der Unfallversicherung Bund und Bahn im ehemaligen Marinelazarett, wo die riesigen Krankensäle in je drei Büros geteilt wurden. „Das sind tolle Ideen, Baudenkmale zeitgemäß wiederzubeleben und weiterhin zu nutzen, sie haben tolles Flair.“

Ihr Lieblingsdenkmal in Wilhelmshaven, die Südzentrale, gibt es zu ihrem Leidwesen aber nicht mehr. „Jugendstil ist mein liebster Architekturstil und die Lage am Wasser war einmalig.“ In Dänemark erlebte sie, wie ein historisches Kraftwerk mit Theater, Kino, Galerie und Restaurants belebt wurde. Dort sei Geschichte nicht einfach abgeräumt worden.

In Wilhelmshaven bereiten der Ortskuratorin derzeit das Städtische Lagerhaus am Ems-Jade-Kanal Sorgen, dessen Zukunft unklar sei. Ebenso der Bereich des ehemaligen Schlachthofs. „Es wird viel an Geschichte preisgegeben, trotz aller Zerstörung, die bereits Wunden gerissen hat. Denkmale geben Zeugnis und bauen Brücken.“ Sie ist stolz auf die Summe all dessen, was durch die DSD gefördert wurde. Die Restaurierung der Kaiser-Wilhelm-Brücke sei mitfinanziert worden und zeige, was Lampen und ein neuer Anstrich ausmachten. Die Christus- und Garnisonkirche sieht sie täglich durchs Bürofenster. Diese Kirche verkörpere Stadtgeschichte. Nach der Restaurierung ist sie in ihrer historischen Bedeutung gut erkennbar. Aktuell fördere die DSD die Restaurierung des Textilhofgebäudes, das im Dornröschenschlaf liege und innen ertüchtigt werde. „Die hohen Räume mit ihren historischen Fenstern werden im alten Stil erhalten.“ Sie beeindruckt, mit wie viel Engagement dort gearbeitet wird.

Ihre Tätigkeit als Ortskuratorin kann Schweers-Sander nicht in Wochenstunden angeben. Sie gibt der DSD ein Gesicht vor Ort, hält Kontakt zu Antragsstellern und nennt die Überbringung von Förderverträgen ihre erfreulichste Tätigkeit. Sie informiert die Öffentlichkeit, trifft in Museen oft Interessierte und organisiert Vorträge. Dort soll es dann nicht so sehr um Geschichtszahlen, sondern um Baukunst gehen.


Micaela Schweers-Sander, die sich im Beirat des Vereins zum Erhalt der Südzentrale engagierte, stellt fest, dass auch sehr große Objekte oder deren schrittweise Restaurierung gefördert werden. „Ein Gebäude muss nicht perfekt sein, aber eine Aussage machen, was es war und bedeutete.“