Navigation überspringen
nordwest-zeitung
Abo-Angebote ePaper Newsletter App Prospekte Jobs Immo Trauer Shop

Migrationsberatung in Wilhelmshaven Mehr als nur Fragen beantworten

Alexander Witton, Indra Rüdebusch-Klanke, Jennifer Brodhagen

Alexander Witton, Indra Rüdebusch-Klanke, Jennifer Brodhagen

Kea Ulfers

Wilhelmshaven - Wo finde ich eine Wohnung? Wo kann ich einen Sprachkurs besuchen? Wie kann ich mein Kind für den Kindergarten anmelden? Für Jennifer Brodhagen und Indra Rüdebusch-Klanke sind diese Fragen Alltag. Sie sind Migrationsberaterinnen für erwachsene Zuwanderer (MBE) in der Beratungsstelle der Caritas in Wilhelmshaven und beantworten in der Regel alle Art von Fragen. Ihre Arbeit bezeichnen beide als eine Art „Feuerlöscher“.

Dass ihre Arbeit aufgrund der Kürzungen des Bundes vor einer ungewissen Zukunft steht, ist für beide unverständlich. „Menschen kontaktieren uns lange, bevor sie sich an Ämter oder Behörden wenden“, sagt Jennifer Brodhagen. „Wir sind dann der allererste Kontakt, den sie in dieser Stadt haben.“

Betreuung über Monate

Die Beratung

Die Migrationsberatung für erwachsene Zuwanderer berät zu einer Vielzahl alltäglicher Fragen – unter anderem zu Sprachkursen, Wohnen, Arbeit, Gesundheit, Kinderbetreuung und Schule. Sie ist ein wesentlicher Baustein im Integrationsangebot des Bundes. Das speziell auf Zugewanderte zugeschnittene Angebot steht vor allem innerhalb der ersten drei Jahre nach Ankunft zur Verfügung. Die Beratungstätigkeit wird durch sechs Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege wahrgenommen.

Dabei gehe es um weit mehr, als nur Fragen zu beantworten. „Wir bereiten Anträge vor, helfen bei drohender Obdachlosigkeit, begleiten gerichtliche Verfahren oder helfen bei medizinischen Auskünften. Die Liste der Fragen ist lang.“ Oft betreuen die beiden Frauen erwachsene Zuwanderer und ihre Familien über Monate hinweg. Denn Menschen in ein bestehendes System und die Gesellschaft zu integrieren benötige Zeit. „Führen wir Familien zusammen, also holen Teile der Familie nach Deutschland, arbeiten wir sehr eng mit Behörden und Ämtern zusammen, auch im Ausland. Das ist ein wahnsinnig hoher bürokratischer Aufwand“, sagt Indra Rüdebusch-Klanke. Ein Familiennachzug aus dem Libanon dauere aktuell elf Monate. Eine Zeit, in der die Beraterinnen im ständigen Kontakt mit den Klienten stehen.

Die Arbeit mit der Ausländerbehörde, Trägern und Institutionen sorge für ein wichtiges Netzwerk. „Das ist unser Werkzeug in der Beratung.“

Steigende Zahlen

In einer Stadt wie Wilhelmshaven, die wie Delmenhorst aufgrund von günstigem und vorhandenem Wohnraum für Zuwanderer attraktiv ist, spüren die beiden Beraterinnen die steigenden Zahlen täglich. Schon jetzt stehen viele Menschen auf der Warteliste und die Einrichtung hat ihre Öffnungszeiten bereits verkürzt. Auch, um dem eigenen Anspruch an die Beratungen gerecht werden zu können. „Wir sind nur für erwachsene Zuwanderer zuständig, die perspektivisch eine Aufenthaltsgenehmigung bekommen können. Aber auch sonst lehnen wir niemanden ab“, betont Brodhagen.


Sollte der Bund die Mittel für Migrationsberatungen um 30 Prozent kürzen, befürchten Brodhagen und Rüdebusch-Klanke folgenschwere Konsequenzen für die gesamte Integration. „Der Ton wird schon jetzt rauer, die Menschen verstehen nicht, warum die Dinge so lange dauern. Warum Ämter so lange brauchen. Das wird noch schwieriger, wenn wir unsere Beratungszeiten weiter verkürzen müssen.“

Um auf die schwierige Problematik aufmerksam zu machen, hat der Caritasverband Wilhelmshaven die beiden Bundestagsabgeordneten Siemtje Möller (SPD) und Anne Janssen (CDU) zu einem Gespräch eingeladen. Beide haben ihr Kommen im Dezember zugesichert. Kurz danach soll über den Haushaltsentwurf im Bundestag abgestimmt werden.

Kea Ulfers
Kea Ulfers Redakteurin, Wilhelmshavener Zeitung
Themen
Artikelempfehlungen der Redaktion
Hatten im Hinspiel keinen leichten Stand: die Oldenburg DeWayne Russell (links) und Ebuka Izundu gegen den Tübinger Kriss Helmanis. Die Baskets unterlagen mit 84:93.

OLDENBURG EMPFÄNGT TIGERS TÜBINGEN Gegner der Baskets darf auf keinen Fall verlieren – Weitere Ausfälle möglich

Niklas Benter Mathias Freese
Oldenburg
Wills Woche
Is’ was?

ISLAM IN DEUTSCHLAND Keine Religion steht über der Kritik

Alexander Will
Jüdische Studierende an der Uni Oldenburg blicken mit Sorge auf die Vorfälle der vergangenen Wochen. Unsere Redaktion hat mit zwei Studentinnen darüber gesprochen, wie sie ihren Alltag erleben. (Symbolbild)

ANTISEMITISCHE VORFÄLLE IN OLDENBURG Zwischen Paranoia und Mut – So erleben jüdische Studierende die Stimmung auf dem Campus

Josepha Zastrow
Oldenburg
Berliner Notizen
Keine Parade für Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD)

KURIOSES UND UNGEWÖHNLICHES IM POLITIKBETRIEB Eine Trompete, ein Jogger und (k)eine Militärparade

Hagen Strauß Büro Berlin
Hat sich auf Vermehrung von Rhododendren und Azaleen spezialisiert: Timo Schröder aus Wiefelstede.

VERMEHRUNGSBETRIEB IN WIEFELSTEDE Kinderstube für Rhododendren und Azaleen

Kerstin Schumann
Wiefelstede