wilhelmshaven
Wenn in der Vergangenheit von „gemeinnütziger Arbeit“ die Rede war, dann stand dahinter für die Sozial- oder Arbeitsverwaltung häufig die Absicht der „Erprobung der Arbeitsbereitschaft“, sagt Peter Siefken, Geschäftsführer von Beratung, Kommunikation und Arbeit (BeKA).Damit sei praktisch die Unterstellung einhergegangen, dass Arbeitslose vielfach nicht arbeiten wollen und dass eigentlich derjenige, der arbeiten will, auch Arbeit findet. BekA erprobt seit einem Jahr zusammen mit dem Pro-Aktiv-Center des Jobcenters bzw. der Gesellschaft für Arbeitsvermittlung und Qualifzierung (GAQ) und der Regionalen Arbeitsstelle zur beruflichen Eingliederung junger Menschen in Niedersachsen (RAN) ein Modell, das von einem entgegengesetzten Gedanken getragen wird.
Das Modell legt zugrunde, „dass die meisten jungen arbeitslosen Menschen gerne arbeiten, wenn ihnen eine Chance geboten wird, die ihren Möglichkeiten entspricht“, so Torsten Graber, der Projektleiter bei BeKA. Siefken: „Erfahrungsgemäß lehnt kaum ein junger Arbeitslosengeld II–Empfänger ein Arbeitsangebot der BeKA ab, das sich durch die Gemeinwohlarbeit bietet.“ Es liege weniger am „Wollen“ als am „Können“, wenn junge Menschen keinen Arbeitsplatz finden.
Entscheidend sei zu Beginn, die Eignung und die Fähigkeiten der jungen Menschen zu ermitteln. Dafür bietet BeKA pro Jahr zehn Durchgänge mit bis zu 16 Teilnehmern an, die bis zu vier Wochen dauern können. Siefken und Graber sind der Ansicht, dass sich Erfolg nur einstellt, wenn sich die jungen Leute den Anforderungen gewachsen fühlen.
Je nach Eignung werden die Jugendlichen danach entweder in eine berufliche oder schulische (Aus-)bildung vermittelt oder in eine externe Arbeitsgelegenheit. Das kann als Fahrer bei Hilfsdiensten (Essen auf Rädern) oder als Betreuer im Bereich der Altenpflege sein; aber auch als Klassenbegleiter, um Grundschüler mit Aufmerksamkeitsdefiziten zu unterstützen. Die Leiterin der Grundschule Peterstraße, Kirsten Trenne, habe damit erklärterweise gute Erfahrungen gemacht, weiß BeKA.
Während etwa 10 bis 15 Prozent der zugwiesenen Jugendlichen den Sprung in Arbeit oder Ausbildung schafften, werden gut die Hälfte im Anschluss in externe Arbeitsgelegenheiten vermittelt. Die Laufzeit ist auf sechs Monate, einschießlich Integrationsphase, angelegt. Eine Verlängerung um weitere sechs Monate ist nach Rücksprache mit dem Jobcenter möglich.
Alternativ bietet BeKA Arbeitsgelegenheiten in den eigenen Werkstätten. Erklärtes Ziel ist die Vermittlung – während oder nach der internen Arbeitsgelegenheit – in eine externe Arbeitsgelegenheit und von dort, wenn möglich, in die Ausbildung oder einen Minijob. Graber: „Die jungen Leute bekommen bei uns einen Motivationsschub“. Das Selbstwertgefühl, „in Arbeit zu sein“, sei sehr wichtig. Denn damit stiegen die Chancen auf einen Arbeitsplatz im ersten Arbeitsmarkt.
Wichtig für den Erfolg des Projekts sei die Vernetzung mit den Trägern und die Kooperation mit den Einsatzstellen. Natürlich seien auch Erfolgsmeldungen wichtig wie die aus der Grundschule Peterstraße. Auch vom Einsatz in Erich Welscheholds „außerschulischem Lernort“ dürften beide Seiten profitieren.
