WILHELMSHAVEN
So viele Kinder in einem Raum und es ist mucksmäuschenstill. Auch die siebenjährige Alina Ris sitzt mit ihrem weißen Kleidchen ganz aufmerksam in den Kulissen des Tanzstudios „Lets's Dance" und lässt sich geduldig frisieren – noch ein Klacks Schaum ins lockige Haar und fertig ist die Täubchen-Frisur.Tauben spielen bei Aschenbrödel eine wichtige Rolle, sie sind die Verbündeten, die stillen Helfer für das unglückliche Aschenbrödel. Die Kinder scheinen dies zu wissen und verfolgen hochkonzentriert das Geschehen. Im Blickfeld die Bühne mit imposanter Kulisse. Der Marktplatz und die Bäckerstube sind schon eingerichtet. Marktfrauen und Mägde streichen ihre Schürzenkleider glatt; Knechte gesellen sich dazu.
Es müssen an die 200 Personen sein, die sich in zwei großzügigen Sälen des ehemaligen Textilhofes eingefunden haben. Tanzstudio-Inhaberin Sabrina Alexiadis kann es sich räumlich leisten, die gesamte Orchesterklasse der Integrierten Gesamtschule Wilhelmshaven mit 35 Musikern einzuladen – Probenverhältnisse unter besten Bedingungen.
Diszipliniert warten Täubchen neben Mäuschen, Schneeflocken, Bäume und Hofnarren auf ihren ersten Auftritt. Ach ja, Steppschuhe für die Bärengruppe dürfen selbstverständlich nicht fehlen. Noch immer kein Startzeichen von der „Chefin". Doch vorher probiert Mara Sawalsky ihr neues Mikrofon aus: „Kann ich auch mal reden oder geht nur singen?" Eine nicht ganz unwichtige Frage, doch im Moment geht es um technische Belange und die Aussteuerung der Musikanlage.
Mara spielt ein selbstbewusstes, modernes Aschenbrödel, das weder Bestrafung durch die böse Stiefmutter noch den Wettstreit mit dem Prinzengefolge fürchtet.
Die Rolle scheint ihr zu gefallen. Bekanntlich hat ja Aschenbrödel nach der Grimmschen Märchenvorlage einiges auszustehen, bevor Schuhanprobe (nur ein kleiner Fuß ist ein feiner Fuß) und Prinzenwahl (schön im Herzen und schön vom Antlitz) des Schicksals Wendung herbeiführen.
Bis dahin werden noch zwei Stunden harte Probenarbeit vergehen. Es ist schließlich der erste Gesamtdurchlauf für alle 180 Beteiligten. Schon die Eröffnungsszene lässt erahnen: Nach Ronja Räubertochter bringt Sabrina Alexiadis nun ihr neuzeitliches Aschenbrödel auf künstlerischen Erfolgskurs.
Kostüme, die zum Schwärmen verführen, prächtig in den Farben und mit kreativen Ideen zu regelrechten Schaustücken verarbeitet. Die erste Gesamtprobe verläuft wie es sich auch gehört „noch nicht ganz zufriedenstellend". Etwas anderes wäre auch kein gutes Zeichen. Und so werden weiterhin Einsätze, Texte und Tanzpassagen geübt, geübt und geübt.
„Es geht nicht darum, professionelles Musicaltheater zu imitieren, sondern wir wollen Kinder und Jugendliche ermutigen ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken", so die Tanzpädagogin. Am 24. März 2007 laden Sabrina Alexiadis und die Schüler des Tanzstudios "Let's Dance" zur Aschenbrödel-Premiere ins Stadttheater Wilhelmshaven ein. Die Premiere beginnt um 19.30 Uhr. Eine zweite Vorstellung folgt bereits am Sonntag, dem 25. März 2007, um 15 Uhr. Karten für beide Vorstellungen sind an der Theaterkasse des Stadttheaters in der Virchowstraße erhältlich.
