Wilhelmshaven/Friesland - Der plötzliche und verheerende Angriff der Terrororganisation Hamas am 7. Oktober auf israelische Gebiete sorgt auch bei jüdischen Mitbürgern in der Region Friesland-Wilhelmshaven für Beunruhigung. Dies berichtet Bruder Franziskus, Beauftragter für interreligiösen Dialog des Landkreises Friesland und Ratsmitglied für Bündnis 90/Grüne in Wilhelmshaven. Er steht in engem Kontakt zu mehreren Juden, die in Wilhelmshaven und Friesland leben und teils zur zuständigen Synagogengemeinde Osnabrück gehören. Er weiß von etwa 15 jüdischen Mitbürgern an der Jade. „Alle meine Gesprächspartner haben Kontakte nach Israel zu Familienangehörigen und Freunden, die dort leben oder in den Tagen dort zu Besuch waren. In den ersten Stunden und Tagen nach dem Angriff glühten die Telefonleitungen, weil die Menschen in sehr großer Sorge waren“, schreibt Franziskus.

Durch die ständigen Luftangriffe der Hamas auf israelische Gebiete und häufige Luftalarme sei die Situation sehr angespannt. Bruder Franziskus berichtet von einer Frau, zu der er Kontakt hat, die erst am Tag der Anschläge von einem Besuch in Israel zur Familie nach Wilhelmshaven zurückkehrte und ihm schilderte, dass sie Orte in Videos von Anschlägen erkannt hatte, die sie noch am Tag zuvor besucht hatte. Am 10. November erhielt sie die Nachricht, dass ein Freund durch die Hamas getötet worden war.

Die Zeichen der Solidarität und Kundgebungen werden von Juden in der Jade-Region positiv wahrgenommen. Dazu zählen das Hissen der Israelfahne vom 9. bis zum 11. Oktober auf dem Rathausdach ebenso wie die Solidaritätsveranstaltung auf dem Synagogenplatz am 10. Oktober.

„Dennoch ist die Sorge bei Juden und Jüdinnen groß darüber, wie sich die weitere Lage entwickelt, auch durch befürchtete Aggressionen. Die Zurückhaltung, sich als jüdische Gläubige zu erkennen zu geben, ist noch sehr viel mehr gestiegen. Auch wird sehr wahrgenommen, wie Teile der Gesellschaft Israel Schuld am Terror der Hamas geben“, sagt Bruder Franziskus. Bereits im Vorfeld der Terrorangriffe der Hamas sei die Sorge über die steigende Zustimmung gegenüber rechtsextremen Parteien und mögliche Auswirkungen davon groß gewesen. „Jüdische Menschen in der Region leben in Anspannung vor der weiteren Entwicklung“, sagt Franziskus. Da jüdisches Leben weltweit angegriffen wird und Israel als sicherer Zufluchtsort in großer Gefahr ist, erleben sie im schlimmsten Sinne des Wortes eine Verunsicherung, fasst Bruder Franziskus zusammen, und sagt: „Das macht Sorge und Angst, auch bei Menschen in Friesland und Wilhelmshaven“.

Hendrik Suntken
Hendrik Suntken Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung