Die Natur- und Umweltschutzvereine wehren sich gegen jede Art von Kahlschlag. Sie lehnen zudem einen Eingriff in bestehende Schutzgebiete strikt ab.
Von Maik MichalskiWilhelmshaven
Keine Industrieansiedlungen im Voslapper Groden, den Baumbestand im Stadtgebiet nicht weiter aushöhlen, sondern vergrößern, sowie die gesunde Umwelt in der JadeRegion erhalten: Das fordern acht Vereine und Verbände, die sich mit ihren rund 2000 Mitgliedern für Natur- und Umweltschutz einsetzen, in einer Resolution.Stichwort Voslapper Groden: Vor 35 Jahren wurden die Flächen aufgespült. „Seitdem hat sich eine auf dem Festland Niedersachsens einzigartige Flora und Fauna entwickelt.
Das Gebiet wurde deshalb nach europäischem und nationalem Recht unter Naturschutz gestellt“, sagt Wilhelm Kaufmann, Vorsitzender des Naturschutzbundes, über den Groden.
Dort sind 27 Biotoptypen vorhanden. „Ein Eingriff in diese Schutzgebiete ist nicht zu kompensieren“, heißt es in der Resolution. „Die Stadt erwägt, rund 175 Hektar der Grodenflächen für Industrieansiedlungen im Zuge des JadeWeserPorts bereitzuhalten, für lediglich einen Hektar gibt es eine Option“, sagt Kaufmann.
28 geschützte Pflanzenarten, 13 000 Erdorchideen, 24 geschützte Brutvogelarten gibt es im Groden, hat Wilhelm Faber von der Naturschutzgruppe Deutscher Alpenverein gezählt. Und: „Es wird sehr teuer, diese Flächen für Industrie bebaubar zu machen.
Stichwort Grünbestand: „Jeder zehnte der 100 000 Bäume im Stadtgebiet ist in jüngster Zeit gefällt worden.“ Werner Hoffmann, stellvertretender Nabu-Vorsitzender, ist wütend. Ein Baum ist ein Vermögen wert“ – steht auf einer vergilbten Broschüre der Stadt von 1987.
„Man hat heute kaum noch Ehrfurcht vor den Bäumen, den ältesten Lebewesen auf der Welt.“ Jeder habe ein Eichenblatt in der Tasche – auf einer 1-, 2- oder 5-Cent-Münze. Vermehrte Emissionen durch Industrieansiedlungen gerade im Groden – vermehrte Anpflanzungen von Bäumen: So müsse die Formel lauten.
Zudem, so Hoffmann, müsse man vor Ort wieder aufforsten und nicht in entfernten Landkreisen. „Davon haben die Bürger vor Ort nichts.“ Faber regte eine Art „Gartenstadt“ wie in Siebethsburg auch für den Stadtnorden an.
Stichwort Gesunde Umwelt: „Mehr als zwei Kohlekraftwerke sind den Bürgern nicht zuzumuten“, heißt es in der Resolution. Der BUND geht sogar darüber hinaus und lehnt jedes Kohlekraftwerk ab, so Peter Hopp.
Die Vereine und Verbände sorgen sich angesichts der Ballung von Kohlekraftwerken um die saubere Luft. Zudem plädieren sie für eine Kraft-Wärme-Kopplung.
Mehr Emissionen durch Kraftwerke, Erweiterung Raffinerie, mehr Schifffahrt und mehr Verkehr – weniger an Luft- und Lebensqualität, sagt Jochen Martin (LBU). „Die Industrie rückt bis zu 300 Meter an die Bebauung heran – ein Unding.“
