Wilhelmshaven - Inzwischen sind die großen Wandzeichnungen fertig. Julia Steiner hat in wochenlanger, intensiver Arbeit die Innenwände des großen Ausstellungsraumes der Wilhelmshavener Kunsthalle mit Gouache-Farbe bemalt. Diese Großarbeit, die für Besucher eine ganz neue Wirkung entfaltet, entstand im Zuge der Ausstellung „Fliegender Wechsel“, die am Freitag eröffnet wurde und bis zum 26. November zu sehen sein wird.
„Wir möchten in jedem Veranstaltungsjahr Künstler für Einzelausstellungen einladen, welche mit dem Raum arbeiten und sich die Kunsthalle sozusagen ,untertan’ machen“, sagt Kunsthallen-Leiterin Petra Stegmann. Der Kontakt zwischen der Kunsthalle und der Schweizerin entstand eher zufällig: Stegmann stieß auf den Katalog einer früheren Ausstellung der 41-Jährigen in der Pfalzgalerie Kaiserslautern. „Ich war beim Durchblättern sofort von den Wandzeichnungen angetan und wie verzaubert“, sagt sie.
Nicht nur, dass eine Künstlerin aus der Schweiz an der Jade ausstellt – auch mehrere Schweizer Kulturstiftungen haben die Organisation unterstützt. Entstanden ist eine Ausstellung, die vom Besucher nicht viel Vorwissen abverlangt. Stattdessen geht es darum, die Werke, ihr Zusammenspiel mit dem Ausstellungsraum und untereinander, Formen, Gegensätze und Kontraste auf sich wirken zu lassen.
In ihren Werken greift Steiner die Flüchtigkeit und Vergänglichkeit von Natur, Tier und Mensch auf – und wie der Mensch seine Umgebung wahrnimmt und mit ihr interagiert. Da wären etwa die zwei riesigen Handschuhe, die unter dem Titel „lost glove“ auf dem Betonboden der Empore liegen beziehungsweise scheinbar achtlos von einem unbekannten Träger über ein Geländer gelegt wurden. „Die Hand ist das wichtigste Werkzeug der Künstler“, sagt Steiner. Seit Beginn ihrer künstlerischen Arbeit entdeckt sie an den zahlreichen Orten verlorene Handschuhe – im Hinterkopf bleiben Fragen, wem sie einst dienten und wie sie verloren gingen. Unter dem Titel „Whispering System“ hat sie viele Gräser aus ihrer näheren Umgebung zusammengetragen. Durch eine Kupferbeschichtung wurden aus den vergänglichen Pflänzchen verewigte, verflochtene Strukturen. „Die Natur erschafft immer neue Formen, funktioniert nach eigenen Regeln. Das fasziniert mich, ebenso wie die Zerbrechlichkeit“, sagt Steiner.
Die Schweizerin kommt am Samstag, 30. September, um 12 Uhr zu einem Künstlergespräch in die Kunsthalle. Weitere Informationen zum Begleitprogramm und Termine unter https://www.kunsthalle-wilhelmshaven.de/de/events.
