Wilhelmshaven - Die Geburt des eigenen Kindes ist eines der schönsten Gefühle. Sehen wie es groß wird, gemeinsam spielen, lachen und die Welt entdecken. Doch nicht selten werden Familien von Schicksalsschlägen eingeholt, eine schwere Krankheit zerstört das Familienglück. Viele nehmen dann die Hilfe eines Hospizes in Anspruch – wie das Angelika Reichelt Kinder- und Jugendhospiz Joshuas Engelreich in Wilhelmshaven.
Dort fand jetzt das erste Trauerwochenende für Eltern statt, die zu Lebzeiten ihres Kindes über Wochen, Monate oder Jahre hinweg durch das Team des Kinder- und Jugendhospizes begleitet wurden. Hierzu zählt sowohl die Entlastung durch das Versorgen des Kindes als auch in Form der umfassenden Stärkung der gesamten Familie.
Familien bleiben mit Trauer oft alleine
„Mit dem Tod des Kindes haben Eltern den Zugang zu diesen Angeboten verloren“, erzählte die systemische Familientherapeutin Juliane Kallusky, die das Angebot gemeinsam mit ihren Kollegen aus dem Pädagogischen Team entwickelt hat und vornimmt. „Einige Familien haben uns erzählt, dass sie kein adäquates, spezifisches Trauerbegleitungsangebot im häuslichen Umfeld finden. Das bedeutet, dass viele Familien in ihrer Trauer nach dem Verlust ihres Kindes allein bleiben.“
Ziel sei es, diese Lücke zu schließen und Eltern die durch vorherige Aufenthalte gebahnten Wege wieder zu öffnen und zugängig zu machen. Die Trauer soll nicht nur als Abschiedsemotion verstanden werden, sondern als Ausdruck der bestehenden Bindung zum verstorbenen Kind über dessen Tod hinaus. „Dieser Bindung wird mittels bewährter Elemente aus dem bestehenden Trauerritual und gemeinschaftlich erlebten Austausches eine neue Bedeutung gegeben“, sagte Kallusky. Im Zentrum stehen dabei Elemente, die das Bewahren von Erinnerungen fördern und das Über- und Weiterleben der Trauernden stärken.
Eltern tanken durch Angebot neue Kraft
„Wir danken euch von ganzem Herzen für das sehr inspirierende, wunderschöne Wochenende. Es hat meiner Frau und mir so viel Kraft und Mut gegeben, was wir so dringend brauchen“, sagte Dennis, dessen Tochter vor zwei Jahren im Kinderhospiz verstarb, im Anschluss an das erste Trauerwochenende.
Das Angebot erstreckt sich über insgesamt drei Wochenenden und findet in den Räumen des Kinderhospizes statt. Die Finanzierung erfolgt komplett über Spenden.
