Neuende - „Es geht weiter, wie schön, mit Pastor Stefan Stalling, der ins Amt auf die Pfarrstelle Neuende eingeführt wird, und Pastorin Juliane Ost, die herzlich in der Gemeinde begrüßt sein soll“, sagte Pastor Frank Moritz beim Festgottesdienst in der St. Jakobi-Kirche Neuende. Die ev.-luth. Kirchgemeinde hat nach dem Weggang von Pastorin Christine Grätz und Pastor Thomas Anders nun wieder ein Seelsorgergespann, das sichtlich voller Vorfreude ist.
Zusammenarbeit mit Bant
Stalling war zuvor Pastor in Bant, betreute die Gemeinde dort mit Pastor Moritz. „Bant verliert und gewinnt dadurch, denn beide Gemeinden gehen mit Gottes Hilfe auf eine gemeinsame Zukunft in der Kirchgemeinde Wilhelmshaven-West zu. Neuende und Bant in einem Boot, wer hätte das vor nicht allzu langer Zeit gedacht“, so Moritz als dienstältester anwesender Pastor. Die Zusammenarbeit zeigte auch die musikalische Gestaltung durch Kantor Markus Nitt und die Banter Kantorei.
Predigtlektorin Birgit Edel verlas die Urkunde für die 1990 in Parchim geborene Juliane Ost, die des 1967 in Nürnberg geborenen Stefan Stalling Pastor Peter Sicking.
Neuaufbrüche gefallen lassen
Kreispfarrer Christian Scheuer: „Wir überspielen die Enttäuschung, wenn kirchliche Angebote nicht die erhoffte Resonanz finden. Nicht einmal Pandemien und Kriege spülen uns die Massen in die Kirche“. Zu seiner Jugend hatte die „Mutterkirche“ Neuende fünf Pfarrstellen, aber auch doppelt so viele Gemeindemitglieder. Juliane Ost bekleidet eine, Stalling eine Dreiviertelstelle und bleibt Seelsorger der Cäcilienschule. Schon seit 2019 sei er von Bant mit 25 Prozent „ausgeliehen“. Der Fachkräftemangel schlage gnadenlos zu, Bewerbungen gebe es kaum, bedauerte Scheuer. „Ich wünsche euch, dass ihr zusammenwachst“, sagte er und gab Ost eine Flasche Esprit de la Jade, um ihre neue Heimat kennenzulernen. Der Gemeinde wünschte er, sie sollten im Neuanfang des Pfarrteams Neuaufbrüche erkennen und sich den Dienst gefallen lassen, wenn „Stefan Stalling das Klavier zum Klingen bringt und Juliane Ost dazu kunstvoll tanzt“.
Alt, aber nicht veraltet
Stalling hielt die Kirche für alt, aber nicht veraltet. Eben sei er noch der junge Kollege zweier alter „Säulenheiliger“ gewesen – aber Alter sei eine Frage des Blickwinkels. Die Eltern, die morgens ihr Kind taufen ließen, wollten kein Event mit Glitter, sondern Weg und Wegweiser. „Veraltet sind wir, wenn wir uns dogmatisch verkrusten lassen“, sagte der Pastor. Er dankte seiner alten, jungen Kantorei, in der er selbst singt.
Ost berichtete, als Kind in einem 60 Einwohner-Dorf in Mecklenburg den Freizeitenkalender der Kirche sehnsüchtig erwartet zu haben. Ein guter Religionslehrer sprach mit ihr über existenzielle Fragen des Woher und Wohin. Nach dem Abitur folgte ein Freiwilligendienst in der Slowakei. Sie darf an Lebensphasen teilhaben, begründete sie ihre Berufswahl, und mag Rituale sehr. Im Vikariat war sie in Lübeck. Durch Corona habe sie vor dem Laptop digital erstmals die Einsetzungsworte zum Abendmahl gesprochen. In Neuende möchten Stalling und Ost „eine Gemeinde bauen, in der jeder sofort spürt, du bist willkommen“. Sie wollen nicht verkrampft auf Zahlen schauen, sondern beseelt nach Hause gehen.
