Wilhelmshaven - Uniper plant auf seiner stillgelegten Flugaschendeponie im Voslapper Groden-Süd außerhalb des Natur- und Vogelschutzgebiets an der Grenze zu Voslapp einen Solarpark. Der Nabu (Naturschutzbund) wurde als anerkannter Natur- und Umweltschutzverband zum Entwurf der Bauleitplanung von der Stadt Wilhelmshaven beteiligt und hat eine Stellungnahme abgegeben.
„Wir brauchen dringend die Energiewende und Solarparks bringen uns in die richtige Richtung. Mit diesem Projekt zeigt Uniper erfreulicherweise, dass es auch anders geht, als in fossile Energie zu investieren, wie das mit dem überflüssigen LNG und der skandalösen geplanten Biozid-Verklappung ihres schwimmenden Anlande-Terminals im Weltnaturerbe Wattenmeer der Fall ist“, so Stefanie Eilers, Vorsitzende der Nabu-Kreisgruppe Wilhelmshaven.
„An Uniper als kürzlich verstaatlichten Betreiber und Flächeneigentümer sollten daher höchste Ansprüche gestellt werden, was öffentliche Interessen hinsichtlich Nachhaltigkeitsstandards und Biodiversitätsaspekten im Flächenmanagement angeht. Wir erwarten daher die Berücksichtigung der zahlreichen Leitfäden zu guter fachlicher Praxis und die Selbstverpflichtung zum Branchen-Standard ‚Gute Planung von PV-Freilandanlagen‘“, erklärt sie weiter. (www.gute-solarparks.de).
Mehr als 100 Vogelarten nachgewiesen
Bedeutsam für die Vogelwelt 2021 wurden von Nabu-Vogelkundlern im Jahresverlauf mehr als 100 Vogelarten im Planungsgebiet (Deponiegelände) nachgewiesen, die Hälfte davon brütend, so die Nabu-Bestandsaufnahme. Der Weiher wird als Habitat auch von zahlreichen als bestandsgefährdet oder streng geschützt eingestuften Vogelarten genutzt: Brutvögel sind unter anderem Bartmeise, Blaukehlchen, Kiebitz, Krickente, Löffelente, Rohrschwirl, Rohrweihe, Schilfrohrsänger, Tafelente, Wasserralle und Zwergtaucher. Als seltene Gastvögel konnten am Gewässer Bekassine, Eisvogel, Flussregenpfeifer, Flussuferläufer, Löffler, Mantelmöwe, Pfeifente, Rohrdommel, Sandregenpfeifer, Schellente, Spießente und Waldwasserläufer dokumentiert werden.
Falls dem Weiher in der Mitte des Geländes bedingt durch die Erderwärmung ein Austrocknen droht, sollten laut Nabu Maßnahmen zum Wasserstau erfolgen. Die Photovoltaik-Anlagen würden auf Flächen mesophilen Grünlands (heißt: ein Gelände von mittlerer Feuchtigkeit und mit gemäßigten Temperaturen) gesetzt, ebenfalls ein geschütztes Biotop. Das Gelände sei weiterhin offen zu halten, um die Verbuschung der Modultische zu vermeiden und die Abdichtung des Deponats nicht zu beeinträchtigen.
Zusammenarbeit mit Deichschäferei
Der Nabu begrüße die Fortführung der Zusammenarbeit mit der benachbarten Deichschäferei und rät zu einer Extensivierung der Beweidung, um Blühpflanzen zu fördern und dem Insektensterben entgegenzuwirken. Um dem Verlust von Arten und Lebensräumen in Wilhelmshaven zu begegnen fordert der Nabu, für die weitere gesetzlich erforderliche Kompensation der geplanten Eingriffe Flächen innerhalb des Stadtgebiets zu finden. Die Genehmigung des Betriebskonzepts für den Solarpark sollte eine Verpflichtung zum Rückbau durch den Betreiber bei Nutzungsaufgabe einschließen, woran es bei vielen stillgelegten Industrieanlagen mangele.
