Die Studenten befanden sich am Mittwoch im Klausuren-Stress. Die Jade-Hochschule selbst muss bis 30. Juli dem Ministerium einen Entwicklungsplan vorlegen.
Von Ulrich Müller-HeinckWilhelmshaven
Mit ihrem ersten Neujahrsempfang hat die Jade-Hochschule am Mittwoch Neuland betreten die große Resonanz aus Kreisen der Lehre, Politik, Wirtschaft und Institutionen nährt die Hoffnung des Präsidenten Dr. habil. Elmar Schreiber, dass es eine Tradition wird.Anstrengende und aufregende Zeiten liegen hinter uns und vor uns, sagte Schreiber eingangs zu den im Lichthof versammelten Gästen, während in den Räumen darüber Studierende in nicht minder anstrengenden Klausuren zu bestehen suchten. Der Prozess der Defusion war und ist nicht immer leicht. Nach all den Veränderungen sei aber Ruhe und Zuversicht eingekehrt. Es gehe darum, die Chancen zu nutzen, und: Die Jade Hochschule hat Lust auf Zukunft.
Bis 30. Juli müsse der Hochschulentwicklungsplan der Hochschule mit ihren Standorten Wilhelmshaven, Oldenburg und Elsfleth fertig sein, der mit seinen Vorgaben insbesondere die Qualität von Studium und Lehre sichern soll. Schreiber nannte als wichtigen Punkt, das zahlenmäßige Betreuungsverhältnis von Professoren zu Studiereenden zu verbessern. Das liege weit unter dem Durchschnitt im Lande. Minister Stratmann kennt die Situation. Wir hoffen auf baldige positive Reaktionen, betonte der Präsident mit Verweis auf zu besetzende Professoren- und Mitarbeiterstellen.
Schreiber äußerte Verständnis für studentische Proteste, die auf eine Reform der Bachelor-Ausbildung zielten. Man habe in der Folge ein Jade-Modell entwickelt, das noch mit den Fachbereichen diskutiert werde. Nach den Worten von Prof. Dr. Ralf Wandelt, Vizepräsident für Studium und Lehre, seien mit dem Bachelor einige Studiengänge auf sechs Semester geschrumpft, mit schmerzhaftem Wegfall des Praxissemesters. Das Jade-Modell sehe als Kompromiss vor, ein achtsemestriges Bachelor-Studium mit dem Angebot eines viersemestrigen Master-Studiums zu verknüpfen.
Welche Bedeutung dabei die Forschung an der Fachhochschule haben werde, unterstrich Vizepräsident Prof. Dr.-Ing. Manfred Weisensee: Ohne eigene Forschung keine Master-Studiengänge! Ein Ziel sei, sich mit einer durchgehenden Förderung um den eigenen wissenschaftlichen Nachwuchs zu kümmern. Die Professorenschaft müsse unterstützt und von Verwaltungsaufgaben entlastet zu werden, um forschen zu können.
Die Hochschule brauche eine international ausgerichtete Strategie zur Weiterentwicklung, betonte Prof. Dr. Uwe Weithöner, Vizepräsident für den Bereich Internationale Beziehungen und Zentrale Einrichtungen. Schon jetzt befinde man sich in einem internationalen Netzwerkverbund mit 90 Partnerhochschulen und einem Ansatz von einer halben Million Euro für entsprechende Aktivitäten, die wichtig seien, um Antworten auf Globalisierung und demographischen Wandel geben zu können.
Was die Defusion betreffe, wolle man diese nicht als unbedingte Trennung von gut funktionierenden Kooperationen verstehen, sondern dort weiterhin mögliche Synergien schöpfen. Im Entflechtungsprozess bestehe große Einigkeit darüber, was die profilbildende Wirkung der zentralen Einrichtungen angehe. Die gerade beginnende Kooperation mit der Universität Oldenburg sehe man als Herausforderung und gehe mit Selbstvertrauen hinein.
So viel eigene autonome Strukturen wie nötig, so viele Kooperationen wie möglich, lautete diesbezüglich die Definition des hauptamtlichen Vizepräsidenten Dr. Walter Kühme, zuständig für Personal und Finanzen. Die Kooperation mit der Uni auf Augenhöhe gestalten (Kühme) und dabei ein eigenes Profil behalten (Schreiber) soll der Weg sein.
Für Kooperationen sprach sich auch Oberbürgermeister Eberhard Menzel aus. Allerdings hätten die Schnittmengen dort Grenzen, wo die originäre Freiheit der Ausgestaltung durch die Jade Hochschule betroffen wäre. Das Land sei im übrigen gefordert, die freien FH-Stellen in Lehre und Verwaltung zügig zu besetzen.
