Niedersachsen - Als Frau in den Wehen von einer Klinik abgewiesen werden und zu einer entfernteren fahren? Das sei zum Teil bereits Realität, erklärt der Hebammenverband Niedersachsen.

Der Verband beklagt die dauerhafte oder zeitweise Schließung von Kreißsälen im Land Niedersachsen, wie er in einer Pressemitteilung erklärt. So seien die Kreißsäle in Peine, Nordenham und Wittmund im vergangenen Jahr geschlossen worden. In Hannover, Emden, Friesoythe sowie Delmenhorst sind die Kreißsäle zeitweise geschlossen. Dies mache den Personalnotstand offensichtlich.

Nicht alle werdenden Eltern würden ein Krankenhaus in Wohnortnähe finden. Da spielen auch die temporär geschlossenen Kreißsäle mit hinein und verschärften diesen Umstand. Die Fahrtwege würden zum Teil immer länger, immer öfter seien es mehr als 40 Minuten, heißt es weiter.

Erste Vorsitzende Veronika Bujny sagt: „Es ist ein untragbarer Zustand, dass schwangere Frauen nicht sicher sein können, im Krankenhaus ihrer Wahl aufgenommen zu werden oder sich das vorhandene Personal mit zu vielen anderen teilen zu müssen! Die flächendeckende Versorgung ist in Niedersachsen nicht mehr gewährleistet.“ Sie fordert: „Wir brauchen rasche und effektive Lösungen zur Verbesserung der finanziellen Ausstattung der geburtshilflichen Abteilungen. Weitere Kreißsaalschließungen in Niedersachsen müssen verhindert werden.“

Der Verband sieht mehrere Gründe für die Entwicklung: Ein entscheidender Faktor sei, dass die Kliniken jahrelang an Personalkosten gespart hätten, um wirtschaftlich zu arbeiten. Dadurch hätten sich auch die Arbeitsbedingungen für das Pflegepersonal und die Hebammen verschlechtert.


Die Vorsitzende fordert: „Die Geburtshilfe in den Kliniken ist deutlich unterfinanziert und braucht dringend eine bessere finanzielle Ausstattung.“ Notfalls sei das Land Niedersachsen gefordert, die Geburtshilfe zu unterstützen. Die Kliniken müssten für eine gute Geburtshilfe mehr Personal bereithalten können sowie eine bessere Bezahlung und klare Freizeitregelungen für ihr Personal anbieten.