Die Kompetenz des Instituts für historische Küstenforschung ist landesweit stark gefragt. Es bietet sein Knowhow künftig als Kooperationspartner auch der Denkmalpflege an.
Von Ulrich Müller-HeinckWilhelmshaven
Eine Besonderheit in der Institutslandschaft, die den Stellenwert der Wilhelmshavener Einrichtung unterstreicht: Am Niedersächsischen Institut für historische Küstenforschung (NIhK) sind in Dr. Felix Bittmann und Dr. Hauke Jöns zwei Leitende Wissenschaftliche Direktoren durch das Wissenschaftsministerium ernannt worden.Damit wurde der Empfehlung der Evaluierungskommission gefolgt, nachdem das Ministerium ein von den Wilhelmshavener Wissenschaftlern vorgelegtes Konzept zur Kooperation mit dem Landesamt für Denkmalpflege (NLD) abgesegnet hatte. Zwischenzeitlich auf Ministerebene diskutierte Überlegungen der Fusion mit dem Amt für Denkmalpflege unter dem Dach eines übergeordneten Instituts sind endgültig begraben.
Vom Knowhow des NIhK soll die Denkmalpflege gleichwohl profitieren, etwa aus archäologischer Sicht durch Unterstützung bei der Antragserarbeitung zur EU-weiten Einwerbung von Drittmitteln für Projekte. Entscheidend für das Institut bleibt der Erhalt der Selbstständigkeit und die damit garantierte forscherische Freiheit. Nicht zuletzt daraus resultierte das seit Jahrzehnten internationale Renommee des NIhK.
Die nun vorgenommene Stellenhebung ist nach den Worten Bittmanns, der bereits kommissarisch das Institut leitete, ebenfalls eine Anerkennung der traditionsreichen, interdisziplinären Einrichtung, sicherlich verbunden mit einer Erwartungshaltung. Mit sechs Wissenschaftlern, zehn Doktoranden und zwei Post-Doktoranden – also annähernd 20 Wissenschaftlern – sowie dem Mitarbeiterstamm sehe er das 30-köpfige NIhK-Team für die Zukunft gut aufgestellt.
Um eventuelle Schwerpunktwechsel zwischen Administration und Forschung möglich zu machen, kann die Leitungsfunktion zwischen Bittmann, der die Abteilung Naturwissenschaften vertritt, und Jöns (Abteilung Kulturwissenschaften) auch rotieren. Anders als in der Struktur eines Amts, das hoheitlichen Aufgaben verpflichtet ist, stehe im NIhK die Forschung im Mittelpunkt, unterstreicht Jöns. Ohne die Bindungen ans Tagesgeschäft könne man so langfristiger planen.
Das Institut hat vor diesem Hintergrund aktuell gleich mehrere „Baustellen“: Unter anderem federführend in der Untersuchung der Moorleiche „Moora“, bei Forschungen zu Großbauten in der Jungsteinzeit oder dem eisenzeitlichen Zentralplatz von Sievern im Landkreis Cuxhaven sowie als Beteiligte beim „Jadebusenprojekt“, gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Um die Vorbereitung eines Antrags an die DFG geht es für das NIhK ebenfalls ab heute auf einer Tagung mit Wissenschaftlern aus sieben Ländern in Bremerhaven, ausgerichtet vom Marschenrat. Dort soll die Funktion von Flüssen als Kommunikationswege im Mittelpunkt stehen. Wird der Forschungsantrag bewilligt, wäre das ab Anfang nächsten Jahres bereits das dritte vom NihK bearbeitete DFG-Projekt.
