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Am Südstrand nahm sie kürzlich ein dort abgestelltes schnittiges Motorrad genau unter die Lupe. Meinte der hinzukommende Besitzer: „Sie wollen mir die doch nicht klauen?“ Antwort von Inge Böhme: „Am liebsten schon...“Vergangenen Mittwoch wurde die Wilhelmshavenerin 86. Und weil Motorräder sie schon immer mehr als Autos interessiert haben, wollten Enkelin Tomke und Urenkelin Melissa Tabbert ihrer Oma einen besonderen Ausflug als Überraschung schenken: Auf einer dreisitzigen „Böhmerland“ von 1928. Die seltene Maschine, so lang wie ein Kleinwagen, von Tabberts Bekanntem Ralf Oelrichs aufwendig restauriert, lenkt seit knapp eineinhalb Jahren bewundernde Blicke auf sich. 660 Kilometer hat der Voslapper seitdem damit gefahren.
Am Sonnabend musste Inge Böhme allerdings zu ihrem Leidwesen passen, was die geplante Küstentour anging. Dafür fühlte sie sich an diesem Tag zu geschwächt. Auf die Sitzbank klettern und mal das Gefühl am Lenker des Liebhaberstücks auskosten konnte sie aber schon. Die Leidenschaft für Motorräder liegt ihr wohl im Blut. Schon Vater Robert Fischer, der das Odeon- Hotel an der Ankerstraße hatte, war einer der ersten Wilhelmshavener mit Motorrad. Und mit ihrem früh verstorbenen ersten Mann Erich war sie oft per Motorrad unterwegs. „Ohne Sturzhelm – damals kam einem ja höchstens mal ein kleiner Lastwagen entgegen.“ Weil ihr Mann Straßenverkehrsamtsleiter in Jever war, war Inge Böhme 1947 eine der ersten Frauen in der Gegend, die ihren Autoführerschein machen konnte. Den hat sie nun vor vier Wochen staunenden Beamten auf der Behörde freiwillig zurückgegeben. ,Böhme auf Böhmerland‘ – vielleicht klappt‘s ja zum 90.. Im Beiwagen hat Ralf Oelrichs sie ja schon zum 80. mitgenommen.
