Wilhelmshaven - Freie Parkplätze an der Weserstraße – und das um 17.30 Uhr. Freuen kann sich Julia Holzerland aber nicht darüber, als sie vom Einkaufen zurückkommt. Dabei könnte sie das Auto ganz in der Nähe ihrer Haustür abstellen. Stattdessen parkt die Wilhelmshavenerin abseits und läuft lieber ein gutes Stück. Rechts und links Sechserträger Wasserflaschen und den Einkaufskorb in den Händen.
„Ich muss gleich noch einmal zum Auto laufen und die restlichen Einkäufe holen“, sagt Holzerland, als sie vor ihrer Haustür an der Saalestraße angekommen ist. Ihr Weg führt vorbei an etlichen freien Parkplätzen, die seit der vergangenen Woche gebührenpflichtig sind. Zwei Euro pro Stunde, montags bis samstags von 9 bis 20 Uhr. „Unverschämt, das kommt für mich nicht in Frage“, sagt Holzerland und ist mit dieser Einstellung in guter Gesellschaft. Auf der Straße, in den Treppenhäusern, im Kiosk – überall sind die neuen Parkgebühren lautstarkes Gesprächsthema.
Kaum ein Autofahrer löst derzeit einen Parkschein
Viele Anwohner meiden die gebührenpflichtigen Parkplätze wie der Teufel das Weihwasser, während die freien Plätze am Rande der Nebenstraßen begehrter denn je sind. Andere parken indessen mutig ohne gültigen Parkschein und hoffen, dass die Schonfrist des Ordnungsamtes noch eine Weile andauert. Hans-Hermann Weber lässt es an diesem Tag darauf ankommen und parkt in Höhe der Lahnstraße. „Die Parkgebühren sind schon eine Unverschämtheit“, sagt er. Dass es aber nicht einmal eine Regelung für Anwohner gibt, sei skandalös. „Ich hoffe sehr, dass es doch noch eine Lösung gibt.“
Waltraud Oldhaber hofft das ebenfalls – vor allem für ihre Nachbarn. Die 72-Jährige ist in der Südstadt geboren, wohnt jetzt seit 1978 an der Weserstraße. „Ich habe damals meine Wohnung samt Stellplatz gekauft, sonst wäre ich genauso aufgeschmissen wie viele meiner Nachbarn“, sagt sie. „Die Nebenstraßen sind jetzt voll. Wer nicht anders kann, ist gezwungen, für drei bis vier Stunden die Parkgebühr zu zahlen.“ Andere in der Nachbarschaft hätten sich bereits zusammengetan, um gemeinsam gegen die Gebühren vorzugehen, weiß Oldhaber.
Hans-Hermann Weber wohnt an der Weserstraße und ärgert sich wie viele andere über die neuen Parkgebühren.
Parkautomaten nicht das erste Mal aufgestellt
Das alles kommt der Rentnerin wie ein Déjà-vu vor. Vor Jahren hatte die Stadt Wilhelmshaven schon einmal Parkgebühren an der Weserstraße eingeführt. Tatsächlich hatte der Rat der Stadt im Zuge der Haushaltskonsolidierung im Oktober 2010 beschlossen, diesen Bereich der Weserstraße in die „Parkraumbewirtschaftung“ einzubeziehen. Fünf Parkscheinautomaten wurden damals zwischen Jadeallee und Allerstraße aufgestellt und ein weiterer am Parkplatz des damaligen „Oceanis“ – heute das Restaurant CaOs und das TheOs der Landesbühne. Wer entlang der Weserstraße parkte, um zum Beispiel das Küstenmuseum oder einen Verwandten im Pauline-Ahlsdorff-Haus zu besuchen, musste dafür 50 Cent pro Stunde zahlen. Betroffene gingen damals wie heute auf die Barrikaden. Rund 42 000 Euro kosteten allein dort die Automaten und die Hinweisschilder. An Einnahmen sollten nach Berechnung der Verwaltung 17 000 Euro pro Jahr zusammenkommen, berichtete die WZ. Am Ende rechneten sich die Automaten an dieser Stelle aber nicht. „Die Parkautomaten und Schilder waren genauso schnell abgebaut, wie sie aufgebaut wurden“, erinnert sich Oldhaber.
Ende der Schonfrist nicht festgelegt
Bewohner, Touristen und Mitarbeiter der in der Südstadt ansässigen Firmen hätten die gebührenpflichtigen Parkplätze schlicht boykottiert. Dabei wurden damals im Gegensatz zu heute Bewohnerparkausweise gegen eine jährliche Gebühr ausgestellt. „Da standen auf dem Abschnitt trotzdem nur zehn Autos, wo ansonsten gefühlt jeder Parkplatz belegt war“, sagt die Seniorin. Verstopft gewesen seien indessen die Seitenstraßen, in denen sich der Kampf um freie und kostenlose Parklücken verschärfte. Eine Situation, die sich wiederholen dürfte, ist Oldhaber überzeugt.
In der Zwischenzeit hat Julia Holzerland ihre restlichen Einkäufe in die Wohnung geschafft. Und selbst ihr Lebensgefährte Jens Rosensprung hat später noch einen kostenlosen Parkplatz gefunden. Ebenfalls in der Lahnstraße. Zahlen kommt nicht in Frage, Parken ohne Parkschein aber auch nicht. „Ich weiß ja nicht, wie lange das Ordnungsamt ein Auge zudrückt“, sagt er. Auf eine Dauer der Schonfrist will sich die Stadt Wilhelmshaven im Übrigen nicht festlegen lassen.
