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POLIZEI „Flatrate-Partys den Garaus machen“

Wenn die Polizei betrunkene Minderjährige bei den Eltern abliefern muss, dann wird dieser „Taxi-Service“ künftig teuer: 65 Euro sollen nachhaltig Wirkung erzeugen.

Von Ulrich Müller-Heinck

Wilhelmshaven

Würde jede der 10 327 Wilhelmshavener Straftaten aus dem vergangenen Jahr von einem anderen Täter begangen worden sein, dann hätte jeder achte Jadestädter in dieser Hinsicht etwas auf dem Kerbholz. Tatsächlich wurden allerdings von der Polizei „nur“ 3713 Tatverdächtige ermittelt (2762 männliche und 951 weibliche), die sich die Taten „teilen“. Wenn man dann noch weiß, dass allein einem Heranwachsenden 140 Diebstähle aus Autos nachgewiesen werden konnten, bekommen die statistischen Zahlen ein anderes Gesicht.

Insofern muss die sogenannte Häufigkeitszahl von 12 472 für Wilhelmshaven (Straftaten pro 100 000 Einwohner) nicht über die Maßen erschrecken, stellte der Leitende Kriminaldirektor Hans-Henning von Dincklage als Polizeiinspektionsleiter gestern angesichts der polizeilichen Kriminalstatistik fest: „Das ist eine für eine Stadtregion typische Zahl. 10 000 wäre sehr gut, 14 000 schlecht.“

Mit dem Leben auf dem Lande kann sich das allerdings nicht messen, erläuterte Kriminalhauptkommissar Karsten Lemke, Leiter des Zentralen Kriminaldienstes. Außerhalb der Jadestadt passieren ungefähr nur halb so viele Straftaten: 6944 pro 100 000 Einwohner in Friesland, 6230 in Wittmund. In einer Stadt sorgen eben Massendelikte, insbesondere auch der Fahrraddiebstahl, für entsprechende Quoten.

Die Gefahr, als Opfer einer Straftat ums Leben zu kommen, ist dagegen in der Stadt Wilhelmshaven nicht größer als außerhalb. Die Polizei klärte einen Mordfall auf, bei dem ein Mann offenbar wegen wirtschaftlicher Probleme erst seine Frau, dann sich selbst umgebracht hatte. Drei weitere Fälle, jeweils Beziehungstaten, betreffen den Landkreis. Insgesamt weist die Statistik in der Gesamtinspektion 16 Straftaten gegen das Leben (Mord, Totschlag, fahrlässige Tötung) aus, einschließlich der Versuche, in Wilhelmshaven sechs. Aufgeklärt wurden alle Fälle, ein Mord davon 15 Jahre nach der Tat.

Opfer einer Straftat wurden in der Inspektion 3564 Personen, davon 1709 in Wilhelmshaven (darunter 213 Kinder, 236 Jugendliche und 230 Heranwachsende). Übrigens beläuft sich der Anteil nichtdeutscher Tatverdächtiger innerhalb der PI auf lediglich 9,1 Prozent, im Landesdurchschnitt dagegen auf 15,2 Prozent.


Was die Jugendkriminalität angeht (in Wilhelmshaven 2370 Straftaten; 2006: 2084), ist sie für ein Fünftel aller Taten verantwortlich. Die Zahl der Minderjährigen bei Raubtaten stieg von 21 auf 38. Positiv konnte Kriminalhauptkommissar Werner Rockmann, Leiter des Jugendkommissariats, den Rückgang um 75 auf 354 Taten an Schulen bzw. auf dem Schulweg vermerken. Das liege auch an der Motivation des Präventionsteams: „Beim Thema Schule sind wir sofort da!“

Die Zahl der minderjährigen Täter unter Alkoholeinfluss hat sich gegenüber dem Vorjahr genau verdoppelt. Von Dincklage: „Das geht so nicht weiter! Wir müssen den Flatrate-Partys den Garaus machen.“ Vermehrt wolle man die illegale Abgabe von Alkohol an Jugendliche überprüfen, auch an Tankstellen. „Strafen müssen mindestens bei 500 Euro liegen, alles andere wäre eine Lachnummer“, so von Dincklage.

Teuer werden soll es auch, wenn Minderjährige alkoholisiert aufgelesen und nach Hause transportiert werden: „Wir werden das mit 65 Euro kostenpflichtig machen.“

Für das Jahr 2008 sind zudem bestimmte Schwerpunktmaßnahmen zur Vorbeugung vorgesehen, erläuterte Polizeihauptkommissar Christoph Hartz, Leiter des Präventionsteams. Die Polizei möchte Kooperationspartner des Jugendamtes im sogenannten Coolness-Programm werden. Zudem setzt man weiter auf Verkehrssicherheitsarbeit, Einsätze der Puppenbühne, Drogenprävention und Seniorenarbeit.

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