Wilhelmshaven
Mit weniger mehr leisten – das war auch im vergangenen Jahr Gebot der Stunde für das Team der Wilhelmshavener Beratungsstelle von Pro Familia, die 2004 weiterhin den Wegfall der Landesmittel für die Ehe-, Familien- und Lebensberatung hinnehmen musste.Die Folge: Sieben wöchentliche Beratungsstunden wurden gestrichen. Zudem halbierte die Stadt Wilhelmshaven ihren Zuschuss. 2005 soll dieser jedoch wieder in voller Höhe ausgezahlt werden, was die finanziell schwierige Lage der Beratungsstelle in der Bismarckstraße etwas entspannt.
Das Geld benötigt Pro Familia dringend, um der stetig steigenden Nachfrage nach Beratungsangeboten gerecht zu werden. „Die Anzahl der Beratungen ist so hoch wie schon lange nicht mehr“, berichtet Familientherapeut Hermann Niehuis-Schwiertz, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit von Pro Familia in Wilhelmshaven. 2004 ist die Zahl der Beratungen von 1016 auf 1024 weiter gestiegen. Das geht jetzt aus dem Jahresbericht der Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung hervor.
954 Frauen und 323 Männer suchten Rat bei der Pro Familia – davon nahmen 255 als Paar das Beratungsangebot in Anspruch. Einen leichten Anstieg verzeichnete die Anlaufstelle bei der Schwangerschaftskonfliktberatung bei ungewollter Schwangerschaft. Das Gros der Ratsuchenden kam dabei aus Wilhelmshaven (54 Prozent); aus Friesland kamen 37 Prozent und aus dem Landkreis Wittmund sieben. Zwei Prozent der Ratsuchenden kam aus anderen Städten und Landkreisen.
Besonders die steigende Anzahl bei den minderjährigen Schwangeren in Wilhelmshaven sei beunruhigend, betont Niehuis-Schwiertz.
Gut 80 Minderjährige suchten bei Pro Familia im vergangenen Jahr Hilfe. Und die Zahl steigt weiter, wie der Familientherapeut erklärt: „In diesem Jahr sind bereits 40 minderjährige Schwangere zu uns gekommen“ – unter ihnen auch 13- und 14-jährige Mädchen.“ Und aller Voraussicht nach würden sich mindestens 30 von ihnen für die Geburt des Kindes entscheiden. Arbeitslosigkeit, soziale Probleme, Sehnsucht nach Harmonie und ungenügende Aufklärung seien nur einige der Gründe für diesen Entschluss. „Viele Minderjährige sehen ein Baby als Perspektive und haben oft falsche Vorstellungen“, betont der Familientherapeut.
Gerade deshalb will Pro Familia verstärkt auf Prävention und Aufklärung Jugendlicher setzen: Hier hat die Beratungsstelle das Angebot sexualpädagogischer Veranstaltungen für Schulklassen von 122 Gruppen im Vorjahr auf 126 im Jahr 2004 erweitert – insgesamt nahmen 1466 Mädchen und Jungen an den Kursen teil.
Ein weiteres Präventionsprojekt wird im September erstmals an der BBS anlaufen: Die Babybedenkzeit. Pro Familia will mit Jugendlichen den Alltag mit einem Baby simulieren.
Zwei Mitarbeiter von Pro Familia werden das vier Tage dauernde Projekt in zwei Klassen der Berufsbildenden Schulen. Mit Hilfe eines Puppen-
Computers sollen die Jugendlichen erfahren, was es bedeutet, rund um die Uhr für ein Kind da zu sein.
Vor allem die Arbeit mit Jugendlichen steht im Vordergrund. So nehmen auch die Anfragen junger Menschen bei der E-Mail-Beratung „Sexundso“ zu. Über die Homepage www.sexundso.de können Jugendliche Fragen zu Sexualität und Partnerschaft stellen. Daneben werden sozialrechtliche Beratungen und Mediationen bei Trennungskonflikten angeboten.
„Wir stoßen personell und finanziell bereits an unsere Grenzen“, beklagt Niehuis-
Schwiertz. „Für weitere Angebote sind wir auf Sponsoren angewiesen.“
