Wilhelmshaven - Ein Wolkenbruch, wie er sich statistisch nur alle 50 bis 100 Jahre ereignet, hat das Wilhelmshavener Abwassersystem und vor allem das Pumpwerk Süd an der Deichbrücke am Mittwoch, 19. Juni, vor große Aufgaben gestellt. Es musste, wie der Leiter der Zentralkläranlage und der Pumpwerke, Thomas Fritsch, erläuterte, fast von der ersten Minute an das leisten, was es maximal leisten kann: Mit Hilfe von drei großen und zwei kleineren Pumpen stündlich maximal 47 000 Kubikmeter Mischwasser abpumpen, wovon allein 45 000 Kubikmeter über das Banter Siel in die Jade bzw. in den Ems-Jade-Kanal abgeschlagen wurden.

Als dann bei diesem „Jahrhundertereignis“ weiter mehr Wasser im Zulauf war als das Pumpwerk Süd bewältigen kann, wurde aus drucktechnischen Gründen nur noch in den Ems-Jade-Kanal abgeschlagen – insgesamt 55 000 Kubikmeter. Fritsch, sein Chef Tim Menke, Leiter der Technischen Betriebe, und der zuständige Dezernent Dr. Jens Graul hatten gestern ins Pumpwerk Süd geladen, um dessen Funktionsweise und die Vorgänge an jenem 19. Juni zu rekonstruieren.

Am frühen Abend dieses Tages regnete es innerhalb einer halben Stunde 28 Millimeter pro Quadratmater – und das über einer versiegelten und abflusswirksamen Fläche von 440 Hektar. Das entspricht einem Gesamtvolumen von 120 000 Kubikmeter Mischwasser, und das innerhalb einer halben Stunde.

Davon entfallen etwa 80 000 Kubikmeter auf das Pumpwerk Süd. Das ist auf eine Pumpenkapazität von insgesamt 47 000 Kubikmeter pro Stunde ausgelegt. Selbst wenn man berücksichtigt, dass das Kanalystem sowie die Speicherbecken im Parkmittelweg und im Brommygrün zusammen weitere 60 000 Kubikmeter aufnehmen können, dann heißt das, dass in der halben Stunde viel mehr Wasser vom Himmel kam, als die „sicher funktionierenden“ (Menke) Pumpwerke inklusive der übrigen Speicherkapazität verkraften können, so dass es im Kanalnetz zum Rückstau kommen musste, was, so Menke, für Starkregenereignisse normal ist.

Die Folge ist bekannt: Keller liefen über, die Feuerwehr wurde zu 42 Einsätzen gerufen. Es standen Straßen und Plätze unter Wasser, weil das Wasser aus den Gullys kam.


Was indes erstaunlich und bislang auch einmalig gewesen sein soll: Innerhalb von zwei Minuten war die Kapazität des Pumpwerks zu 100 Prozent ausgelastet.

Extreme Ereignisse wie am 19. Juni werden auch nach der Inbetriebnahme der im Bau befindlichen Druckrohrleitung das Abschlagen von Mischwasser in die Jade bzw. in den Ems-Jade-Kanal notwendig machen. Daran ließ Menke keinen Zweifel. Die Anzahl der Abschläge werde sich aber deutlich verringern.

Dr. Graul rät den Bürgern, regelmäßig die Rückstausicherungen in ihren Kellern zu warten und dort keine Elektronik zu lagern. Die Stadt selbst will dort, wo Rohrquerschnitte zu klein sind, langfristig in größere Querschnitte investieren.