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Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven ADAC-Luftrettung übt für Ernstfall und „rettet“ Redakteur aus Nordsee

WZ-Redakteur Michael Hacker  bei einer Windenübung der ADAC-Luftrettung mitmachen.
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WZ-Redakteur Michael Hacker bei einer Windenübung der ADAC-Luftrettung mitmachen.

Dirk Gabriel-Jürgens

Wilhelmshaven - Die See ist ruhig, Vogelgezwitscher ertönt und ein Hase hoppelt durch das Grün am Schlepperhafen Nord des Jade-Weser-Ports. Vor Ort versammeln sich gerade die ADAC-Luftrettung, Mitglieder des Technischen Hilfswerks (THW) sowie von der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG). Es ist ein Windentraining angedacht unter dem Stichwort „Personenrettung“. Mehrere „Darsteller“ schlüpfen in Überlebensanzüge, um im Verlauf der Übung ins Wasser gelassen und durch die Hubschrauber-Besatzung gerettet zu werden. Ich bin an diesem Tag einer von denen, die im elf Grad kühlen Wasser in Seenot geraten und gerettet werden müssen. Die Aufregung steigt, als mir meine Ausrüstung samt Helm überreicht wird.

DLRG und THW bringen uns auf die Nordsee

Nach einer kleinen Einweisung, wie wir uns in Hubschraubernähe – gerade beim Absetzen nach der Rettung – zu verhalten haben, geht es auch schon los. „Die Übungen finden zweimal im Jahr hier über der Nordsee statt. Wir unterstützen den ADAC dabei schon seit mehr als zwölf Jahren“, berichtet Eckhard Kaufeld von der DLRG-Ortsgruppe Wangerland. Mit Mitgliedern der DLRG Wangerland, Jever/Schortens sowie Bockhorn/Zetel fährt er uns aufs Wasser – mit dem kleinen DLRG-Boot. „Das größere ist leider abgängig, muss immer wieder in die Werft. Wir wollen es austauschen, aber dafür brauchen wir Sponsoren“, sagt er auf dem Weg. Ebenfalls mit dabei ist ein Boot des THW, auf dem weitere „Darsteller“ mitfahren, die jeweils einzeln in die Nordsee springen werden.

Zunächst darf ich mir noch anschauen, wie eine Rettung abläuft, ehe es für mich ernst wird. Als Zweiter bin ich an der Reihe. „Also dann, Michael. Ab ins Wasser mit dir“, gibt mir Kaufeld grünes Licht. Der Anzug, der sich immer wieder mit Luft füllt und dafür sorgt, dass kein Tropfen Wasser eindringt, verleiht Auftrieb. Mit kleinen Handgriffen am Kragen sorge ich dafür, dass sie entweicht und ich mich besser bewegen kann. Der Hubschrauber ist bereits in Sicht, dennoch wird spürbar, wie schnell meine Finger kalt werden. Es dauert höchstens zwei Minuten, bis ein Crew-Mitglied an der Winde neben mir im Wasser landet. Die Rotorblätter peitschen die Nordsee auf, Wasser schlägt ins Gesicht. Man versteht sein eigenes Wort kaum, Kommunikation läuft weitestgehend via Mimik und Gestik. Schließlich bin ich mit einer Rettungsschlaufe und am Haken gesichert, sodass wir mit der Winde nach oben geholt werden. Es geht alles so schnell und routiniert, auch der Flug bis zum Absetzen ist im Nu vorbei.

Windstille ist besondere Herausforderung

Da insgesamt sechs Pilotenteams an der Übung teilnehmen, dürfen einige zu Rettende ein zweites Mal ins Wasser – auch ich entscheide mich für einen weiteren Durchgang. Erneut werde ich binnen kürzester Zeit und direkt im ersten Versuch gesichert und mit einem „Willkommen“ vom Retter begrüßt.

An Land spreche ich mit Pilot Stephan Brade. Er ist seit 26 Jahren beim ADAC, zählt selbst schon mehr als 5000 Flugstunden. „Es ist ein erfüllender Job und war schon immer mein Wunschberuf“, sagt er. „Diese Übungen sind für uns wichtig, da wir häufig über dem Wasser fliegen. Zur Seerettung werden wir jährlich zehn bis 15 Mal gerufen.“

Dass es an diesem Freitag windstill ist und die Nordsee ruht, macht es für die Crew indes deutlich schwieriger. Doch warum? Als Außenstehender vermutet man ja eher das Gegenteil. „Ohne Wind wird der Abwind des Hubschraubers direkt unter den Hubschrauber ‚geblasen‘ und verwirbelt mitunter Retter, Seil sowie Opfer und erschwert die Bergung – Pendeln im Seil, Gischt bei Opfer und Retter. Mit Wind bläst der Abwind nach ,hinten’ und stört nicht“, erklärt Brade.


Respekt und Dankbarkeit für Lebensretter

Für mich geht ein aufregender Selbstversuch zu Ende. Eine Erfahrung, die mich nachdenklich stimmt, wie es jenen Menschen wohl ergehen muss, die wirklich in Seenot geraten, möglicherweise ins eisige Wasser müssen, bei Sturm, hohem Wellengang und eventuell auch noch verletzt. Dank dieser Übung habe ich zumindest (an den Händen) ein Gefühl bekommen, wie schnell der Körper unterkühlt, die Kräfte schwinden. Wenn jetzt noch Panik mit im Spiel ist, sieht es mit Sicherheit noch ganz anders aus. Ich empfinde nach diesem Tag Respekt und Dankbarkeit, dass es Menschen gibt, die sich für unser Leben einsetzen und sich mit Übungen immer bestmöglich auf solch mögliche Situationen vorbereiten.

Michael Hacker
Michael Hacker Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung
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