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Zugegeben: Als Einfurchenpollen-Zweikeimblättrige zählen die eben erblühten Seerosen oder Charophyta im Rosarium eigentlich nicht. Schließlich gehören die echten Rosen zu den Dreifurchenpollen-Zweikeimblättrigen oder Rosopsida. Die haben zwar schon geknospt, sich jedoch noch nicht geöffnet. Aber wer wird am Muttertag schon so beckmesserisch sein.Viele zufriedene Gesichter waren in Wilhelmshavens buntestem Garten am Rande des Rüstringer Stadtparks zu besichtigen. Zur Saisoneröffnung strömten allein in den ersten beiden Vormittagsstunden 250 Besucher ins Rosarium. Dutzende Fahrräder parkten vor dem Eingang. Viele Kinder luden ihre Mütter zu frischem Erdbeerkuchen ein, anstatt sie mit Schnittblumen abzuspeisen.
Im großen Aquarium schwammen zudem nicht Goldfische, sondern frische Erdbeeren in einer fruchtigen Rosenbowle aus Weißwein, Sekt und Rosenschnaps. Arno Hirsch und Klaus Lorenz boten die passende Begleitmusik für die Kaffee- und Bowlepause.
Die 30 aktiven Ehrenamtlichen haben den Schaugarten auch in diesem Jahr wieder prachtvoll hergerichtet, „auch wenn wir dringend ein paar neue Leute brauchen, die richtig mit anfassen“, wie Vereins-Urgestein Ilse Tschuschke sagt. Rund 100 Rosenstöcke haben sie neu gepflanzt. Bei einem Bestand von 5000 Rosen scheint das wenig, doch allein mit Freiwilligen ist die Pflege eine enorme Herausforderung. Schon jetzt blühen die Azaleen in dichten Büschen in rot, gelb und weiß. Auch exotische Gehölze wie der Judasbaum oder der Blauglockenbaum bieten prächtige Anblicke. „Die kommen eigentlich aus wärmeren Gefilden, halten sich hier aber ganz wacker“, berichtet Gartenbauingenieurin Theda Harms-Thiemann, die neben ihrem Beruf bei der Gestaltung des Rosariums hilft.
Gerne möchte der Verein dem Garten künftig noch mehr Treffpunktqualität verschaffen. Dazu soll ein neuer Rosenpavillon entstehen, in dem Kurse, Lesungen und kleine Konzerte stattfinden könnten. „Wir würden am Liebsten gleich anfangen“, sagt Ilse Tschuschke, die vor sieben Jahren den Verein mit gründete. Die Pläne wurden von einem Architekten inzwischen entworfen, der Standort ist bestimmt. Es fehle allerdings noch an Sponsoren für das Projekt.
Dass der Bedarf an einem wettersicheren Aufenthaltsraum besteht, zeigen allein 18 Trauungen, die in diesem Jahr schon im Rosarium stattfanden. „Kann man sich hier auch scheiden lassen – in romantischem Ambiente?", fragt der einzige schlecht gelaunte Familienvater weit und breit, der mit der senfverschmierten Bratwurst seiner kleinen Tochter kämpft.
