Wilhelmshaven - Seit Jahren steckt die Kopperhörner Mühle im Sanierungsstau fest. Bereits im April 2018 musste die Galerie aus Sicherheitsgründen gesperrt werden. Sie ist es bis heute, denn es fehlte sowohl das Geld als auch das nötige Personal. Nun aber sieht der Kopperhörner Mühlenverein, der das im städtischen Eigentum befindliche Kulturdenkmal ehrenamtlich betreibt, endlich Licht am Ende des Tunnels.
Fördergelder setzen Gutachten voraus
Im vergangenen Jahr hatte der Rat der Stadt 200.000 Euro für die Sanierungsmaßnahmen bewilligt. Die Zahlung sollte sich auf zwei Jahre verteilen. 2022 allerdings passierte dann nichts, was dem Allgemeinzustand der Mühle nicht eben förderlich war. Das war auch eine Begründung dafür, dass im Februar 2023 Tim Menke, der technische Leiter von GGS (Eigenbetrieb Grundstücke und Gebäude der Stadt), in dessen Verantwortung die 1839 gebaute Mühle fällt, im Rat noch einmal eine allgemeine Begutachtung der gesamten Bausubstanz ankündigte. Dieses neuerliche Gutachten kam zwar nicht bei allen Ratsmitgliedern gut an, am Ende aber wurde diesem zugestimmt, auch, weil die Expertise Voraussetzung für die Beantragung weiterer Fördergelder gewesen ist.
Ausschreibungen schnellstmöglich
Inzwischen liege das Gutachten eines Bauingenieurs für historischen Mühlenbau vor, wie Ruth Hartmann, Vorsitzende des Mühlenvereins, berichtet. „Es gibt Feuchtigkeitsprobleme im Mauerwerk, weil es innen zum Teil einfach nur Wandfarbe gestrichen ist. Der Fußboden ist kaputt. Auch Dach und Fenster befinden sich nicht mehr in einem guten Zustand.“ Dieses Mal aber soll es nicht bei der Bestandsaufnahme bleiben.
Mit Chris Jacobs hat GGS einen Ingenieur eingestellt, der sich auch federführend um die Sanierung des Wilhelmshavener Wahrzeichens kümmere. Der habe bei einem Besuch der Mühle die weiteren Schritte vorgestellt, sagt die Vereinsvorsitzende. Demnach sei der Denkmalschutz einbezogen und der Antrag auf einen Förderzuschuss auf den Weg gebracht worden. Sobald der GGS-Ausschuss im Rat der Stadt zugestimmt habe, könnten die Bauarbeiten ausgeschrieben werden. Laut Hartmann erfolge die Ausschreibung nicht nur bundesweit, sondern schließe auch die Niederlande mit ein, weil es dort klassische Mühlenbauer gibt. Der Verein hoffe, dass bis Endes dieses Jahres die ersten Auftragsvergaben erfolgen können und zum Mühlentag am Pfingstmontag 2024 vielleicht sogar schon ein paar Arbeiten erledigt sind. „Nur so kann dieses technische Kulturdenkmal für die Bürger der Stadt Wilhelmshaven, für kommende Generationen, für Gäste und Besucher aus Wilhelmshaven, dem Umland und auch von weiter her, erhalten bleiben.“
Blühwiese ersetzt Blumenbeete
Ein weiterer Kritikpunkt am Erscheinungsbild des Mühlenstandortes in Tonndeich, der immer wieder geäußert wird, betrifft die Grünfläche, die den Galerieholländer umsäumt. Wo bislang bunte Blumenbeete angelegt waren, wachse nun Unkraut. Dem sei aber nicht so, weiß die Vereinsvorsitzende. Tatsächlich hätten die Technischen Betriebe Wilhelmshaven (TBW) dort Wildblumenmischungen gesät. Das bestätigt Julia Muth, Pressesprecherin der Stadt Wilhelmshaven. „Durch eine Flächenreduzierung der Anzuchtfläche unserer Stadtgärtnerei stehen nicht mehr die gewohnten Stückzahlen an Frühjahrs- und Sommerblühern zur Verfügung. Entsprechend können auch nicht so viele Schmuckbeete im Stadtgebiet erstellt werden. Deshalb wurde rund um die Mühle eine Blühwiese gepflanzt, die im zweiten Jahr dann mehr zur Geltung kommt.“ Die sei obendrein deutlich robuster als Schmuckbeete, was bei Arbeiten an der Mühle, für die in der Regel Gerüste notwendig, ein klarer Vorteil sein.
Rund um die Mühle gab es bislang bunte Blumenbeete. Inzwischen wurde eine Blühwiese gesät, die aber noch etwas Zeit braucht, um ihrem Namen gerecht zu werden. BILD: Björn Lübbe
Doch es gibt auch einen Nachteil. Durch den höheren Bewuchs wird die Fläche gerne als „Müllhalde“ missbraucht. „Was wir zum diesjährigen Mühlentag da alles rausgeholt haben...“, stellt Hartmann kopfschüttelnd fest.
