Die Voslapper haben Stil. Wer der persönlichen Einladung zum Siedlerfest-Empfang folgt, wird auch namentlich begrüßt.
Von Norbert CzyzVoslapp
Die Sonne war am Sonnabendvormittag in Voslapp der Hauptdarsteller. Weil sie so kräftig schien, standen die geladenen Gäste zunächst in Grüppchen vor dem Zelt und genossen die warmen Strahlen. Auch Howard Jacques, der 1. Vorsitzende der Kreisgruppe Wilhelmshaven des Verbandes Wohneigentum Niedersachsen, wie der Siedlerbund neuerdings heißt, war anfangs überwiegend vor dem Festzelt anzutreffen – geschniegelt in Frack und Zylinder. Und wenn es denn noch eines besonderen Beweises bedurfte, dass am Sonnabend in Voslapp tolles Wetter war, dann lieferte ihn das Ehepaar Dr. Uwe und Ursula Biester. Der CDU-Landtagsabgeordnete und seine Frau, Mitglied im Wilhelmshavener Stadtrat, rauschten im offenen Sportcabriolet heran.Die Sonne schien auch im Festzelt – verbal. Howard Jacques baute sie geschickt in sein Gedicht ein indem er dem Oberbürgermeister unterstellte, dass er die Sonne aus Heppens mitgebracht habe. Oberbürgermeister Eberhard Menzel nahm diese Vorlage elegant auf wie Werder-Star Diego eine Flanke von Frings und behauptete, die Sonne gehe in Heppens auf. Seine ersten Worte: „Das Siedlerfest ist das Siedlerfest – und das ist auch gut so“.
Auch lobte der Oberbürgermeister das „konstruktive Miteinander“ zwischen Stadt und Voslapp, erwähnte, dass in Voslapp Dampf gemacht und nicht nur „Heißluft über den Zaun geschaufelt wird“. Er bedauerte, dass er zur Einweihung des Kunstrasens auf dem STV-Sportplatz wegen eigener Formschwäche nicht habe mitspielen können und vermutete schließlich, dass der Voslapper von all dem, was an Baumaßnahmen im Voslapper Groden passiert, „mehr hört, mehr sieht“ als die anderen Stadtbewohner. Aber er gehe davon aus, dass die Voslapper „nicht unverhältnismäßig belastet“ würden. Abschließend wurde noch einmal die Sonne bemüht, die habe er „im Herzen mitgebracht“.
Begonnen hatte Howard Jacques seine Begrüßung mit dem Hinweis auf den 70. Geburtstag der Siedlung („70 werden viele, aber nicht alle“) und dem Versprechen, „Voslapp wird 1000 Jahre alt – da bin ich sicher.“
Viele geladenen Gäste waren gekommen und wurden begrüßt, nur die beiden hiesigen Bundestagsabgeordneten Karin-Evers Meyer (SPD) und Hans-Werner Kammer (CDU) fehlten. Aber da ist Jacques guter Hoffnung, „das wird zu den nächsten Wahlen wieder funktionieren“.
Blumensträuße bekamen Edo Südhoff, das erste in Voslapp geborene Kind Jahrgang 1938, und Angelika Unger, die das Festheft zu veranworten hat. Auch bedankte sich Jacques bei seinem Schwiegersohn Christian Jacques, dem 5. Festleiter in seiner Ära. Zwischendurch zitierte er „Die Welt“, die Wilhelmshaven als „Perle in rauer Nordseeküstenschale“ bezeichnete, leider aber auch dem Rathausplatz „die Eleganz einer Wurstfabrik“ attestiert habe. Nachdem der stellvertretende Landesvorsitzende des Verbandes Wohneigentum Niedersachsen e.V., Johann Voß, Personelles aus seinem Verband mitgeteilt, Jacques die silberne Nadel für 10-jährige ehrenamtliche Tätigkeit und der Kreisgruppe eine Urkunde überreicht hatte, die er genüsslich vorlas, durften die Musiker um „Arno“ wieder spielen. Die hatten sogar „Besame mucho“ drauf, aber das haben nur wenige gehört: Der Mitteilungsdrang und damit der Lärmpegel im Festzelt war einfach zu groß. Von all dem bekamen die Besucher, die an den Flohmarktständen
schnüsterten, nichts mit.
