Wilhelmshaven - Es gibt Starkregenereignisse, die deutlich heftiger ausfallen als ein normaler Starkregen und nur alle 30 bis 100 Jahre vorkommen. Was passiert dann in Wilhelmshaven? Wohin drängen die Wassermassen? Welche Gebäude oder Straßen könnten überflutet werden? All das können die Technischen Betriebe Wilhelmshaven (TBW) nun digital simulieren. Der städtische Eigenbetrieb hat ganze fünf Jahre lang Daten zusammengetragen, um mögliche Überflutungen im gesamten Stadtgebiet darzustellen. In das Modell floss das komplette Kanalnetz der Stadt ein, die Lage von Entwässerungsgräben, Gewässern und Regenrückhaltebecken und vor allem, wo Flächen in der Stadt versiegelt sind. Dort, wo es keine Pläne gab, wurden teilweise sogar Grundstücke mit Drohnen überflogen, um Versiegelungen festzustellen, erläutert Thomas Jordan von TBW den gewaltigen Aufwand.

Mit dem riesigen Datensatz hat eine Spezialfirma die Überflutungssimulation erstellt. Herausgekommen ist eine extrem detaillierte Stadtkarte, auf der bis zu einem halben Meter genau zu sehen ist, wohin das Wasser fließt und wie hoch es im Ernstfall an Gebäuden steht. Die Experten von TBW können damit im Prinzip für jedes Haus in der Stadt sagen, ob es bei den extrem seltenen Starkregenereignissen zu Problemen kommen würde oder nicht. Und genau diese Informationen möchte der Eigenbetrieb auch Grundstückeigentümern und Immobilienbesitzern zur Verfügung stellen. Die soll im Laufe des kommenden Jahres möglich sein, kündigt TBW-Betriebsleiterin Maike Schun an. Bis dahin müssen die Simulationen noch einmal abschließend überprüft werden. Außerdem müsse noch geklärt werden - auch rechtlich - wie die Daten zugänglich gemacht werden können. Im Idealfall soll es ein Auskunftssystem im Internet geben. Dies bieten auch bereits andere Kommunen an, die auf gleiche Weise Überflutungsvorsorge betreiben.

So sieht das Wilhelmshavener Rathaus in der Simulation aus. Die blauen Bereiche zeigen, wo sich Wasser bei extremen Starkregen stauen würde. Je dunkler, desto höher steht das Wasser.

So sieht das Wilhelmshavener Rathaus in der Simulation aus. Die blauen Bereiche zeigen, wo sich Wasser bei extremen Starkregen stauen würde. Je dunkler, desto höher steht das Wasser.

Immobilienbesitzer können die Informationen dann nutzen, um Vorkehrungen zu treffen. Jordan machte dabei deutlich, dass sich solche extremen Überflutungen, wie sie nur alle paar Jahrzehnte vorkommen, nicht verhindern lassen. Die Regenwasser-Kanäle darauf auszulegen, wäre wirtschaftlich nicht darstellbar. Deshalb ist es sinnvoller Schutzmaßnahmen an Gebäuden zu treffen, etwa Kellerschächte zu erhöhen oder Schotte einzubauen. Die möglichen Maßnahmen sind vielfältig, wie Jordan bereits kürzlich im Umweltausschuss des Rates erläutert hat. Aber auch für die Stadtplanung und künftige Bauprojekte sind die Daten wichtig. Wenn etwa bei einem großen Wohnungsbauprojekt eine Keller oder eine Tiefgarage geplant sind, können mögliche Gefahren durch Überflutung künftig viel genauer vorhergesagt werden als bisher.

Suntke Pendzich
Suntke Pendzich Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung