Unter einem Kurpark versteht man eine gestaltete und gepflegte Parkanlage. Davon ist der Wilhelmshavener Kurpark weit entfernt.
von norbert czyzwilhelmshaven
Das Urteil, das Werner Schürmann aus Großenkneten über den Zustand des Wilhelmshavener Kurparks fällt, ist kurz und bündig: „Der Kurpark ist nicht gut in Schuss.“ Und Arthur Janßen aus Wiefels, wie Schürmann Patient in der Rehaklinik am Kurpark, ergänzt: „Irgendwie drückt das ein bisschen auf die Stimmung.“Janßen blickt auf die Steine vor seiner Bank, zwischen denen das Unkraut hervorkommt: „Wenn nichts passiert, schiebt sich die Arbeit vor sich hin.“ Dabei wissen Janßen und Schürmann den Kurpark mit seinen vielen Wegen durchaus zu schätzen. Aber sein ungepflegter Zustand stört sie. „Hier sind viele wertvolle Sträucher“, sagt Janßen, „aber die kommen ja gar nicht zur Geltung“.
Eine 33 Jahre alte städtische Verwaltungsangestellte, die sich während ihrer Mittagspause auf einer der zahlreichen Parkbänke niedergelassen hat und in einem Buch liest, meint: „Von anderen Städten kennt man unter Kurpark was Angenehmeres für’s Auge.“ Und Cornelia Wesky, die ebenfalls die Ruhe im Kurpark für die Lektüre eines Buches zu schätzen weiß, blickt um sich. „Unkraut – könnte besser gepflegt sein.“ Nur eine junge Frau, die von dieser Zeitung beim Spaziergang durch den Park angesprochen wurde, hat am Kurpark nichts auszusetzen und findet auch die wildgewachsene Wiese nahe der Mozartstraße schön.
„Ich will das nicht beschönigen, ich finde den Zustand auch traurig“, sagt der zuständige Abteilungsleiter beim Amt „Straße und Grün“, Klaus Timmermann. Er weiß, dass auf vielen Wegen des Kurparks das Gras über den Rand wächst, dass die Wiesen selten gemäht und Unrat selten beseitigt wird.
„Ich sitze hier mit zwei Männern, was soll ich machen“, klagt er. Ähnlich seien die Probleme im Plauen Tief. Und jedes Jahr komme neues städtisches Grün hinzu.
Vor einigen Jahren noch hätte er 120 ABM-Kräfte einsetzen können, „heute Null“. Und wenn er sie hätte, er hätte niemanden, der sie anleiten könnte. Was ihn weiter bedrückt. Er habe nur einen Tischler für 80 Spielplätze.
Was den Zustand des Kurparks betrifft, gebe es übrigens unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen „mähen“, die andern sagen „wachsen lassen“. Dazu gehöre auch der Bund für Naturschutz (Nabu).
Doch dessen 1. Vorsitzender Wilhelm Kaufmann sieht das ein bisschen anders. Der Stadtpark, der eigentlich ein Stadtwald sei, werde vorbildlich von der Stadt gepflegt. Das gelte aber nicht für den Kurpark. Auch aus Sicht des Nabu könnten die Wege gepflegter sein und an den Wegen beidseits ein Wiesenstreifen gemäht werden. „Das würden wir befürworten.“ Und er kennt auch ein Vorbild: Die neue Anlage rechts und links des Parkmittelweges.
