Wilhelmshaven - Online-Shops und große Ladenketten lösen immer mehr den von Inhabern geführten Einzelhandel ab. Wilhelmshaven bildet da keine Ausnahme. Tee Bakker gehörte mit zu einem der Letzten seiner Art: Ein Ladengeschäft mit Stil und Kundenbindung. Auch hier schließen sich nun in Kürze für immer die Einzelhandelstüren. Ganz nach den Worten des Liedermachers Wolf Biermann „Nur wer sich verändert bleibt sich treu“ stellt sich das traditionsreiche Unternehmen neu auf.
Nach insgesamt 140 Jahren Einzelhandel in Wilhelmshaven und fast 260 Jahren Tradition als Handelskontor in Familienhand in der Region Ostfriesland startet die Wilhelmshavener Firma in eine neue Ära. Inhaberin Theda Bakker-Lange, die das Geschäft mittlerweile in der achten Generation führt, wird den Schwerpunkt ab dem 1. April auf den Onlinehandel legen und mit ihrem Teegeschäft in die Rheinstraße 49, Wilhelmshaven, umziehen, ganz passend zu Tee Bakker in das traditionsreiche Gebäude der ehemaligen kaiserlichen Marine.
Ende einer Tradition
„Natürlich werde ich meinen Laden in der Bismarckstraße im März mit einem lachenden und einem weinenden Auge zum letzten Mal abschließen“, so Theda Bakker-Langer. „Immerhin endet damit eine Familientradition am Bismarckplatz“.
Seit 1882 war das Geschäft hier heimisch, wurde zweimal in der Kriegszeit ausgebombt, schaffte immer wieder den Neuanfang und wird sich auch jetzt den neuen Herausforderungen stellen.
Die Corona-Zeit hat einen Prozess beschleunigt, der unaufhaltsam ist. „Der Online-Handel macht mittlerweile 80 Prozent des Umsatzes aus“, erklärt Theda Bakker-Lange. „Er ist zu einer tragenden Säule des Unternehmens geworden“. Wer sich nicht mit dem Einkauf im Netz anfreunden mag, kann seinen Tee darüber hinaus zukünftig aber auch telefonisch oder per Mail bestellen.
Und für alle die es wünschen, wird auch das persönliche Gespräche weiterhin möglich sein, denn in der Rheinstraße 49 wird Tee Bakker dienstags von 15 bis 18 Uhr und donnerstags von 10 bis 13.30 Uhr geöffnet haben. Theda Bakker-Langer: „Ich bin sehr froh, dass so die persönlichen Gespräche mit meinen mir ans Herz gewachsenen Kunden erhalten bleiben, die teilweise schon seit mehreren Generationen bei uns kaufen. Es sind auch intensive Freundschaften daraus entstanden.“
Zukunfts-Szenarien
Dass die kleinen Fachhändler in den Zentren aussterben, dieses Problem haben mittlerweile viele Städte. Für Zürich beispielsweise werden immer wieder Zukunfts-Szenarien erstellt, die auch für Wilhelmshaven richtungsweisend sein könnten: Das Szenario „Back to the Roots“ z. B. geht davon aus, dass die digitale Revolution ins Stocken gerät und Kunden lokal und nachhaltig hergestellte Produkte wünschen, die ihren Preis haben dürfen.
Eingekauft wird in schicken Geschäften, im „Tante-Emma-Laden 2.0“, im Zero-Waste-Store oder beim regionalen Direktvertrieb. Grenzen zwischen digitaler und analoger Welt verschwimmen. Auch vermehrte Kooperationen von großen Online-Händlern mit kleinen Fachgeschäften könnte man sich vorstellen, soweit davon beide Seiten profitierten.
Noch ist es allerdings nicht so weit. Und bis dahin werden wohl noch viele weitere liebgewonnene Läden das Zeitliche segnen – oder sich der Herausforderung stellen. Theda Bakker-Langer jedenfalls ist überzeugt davon, dass durch ihre zukunftsgerechte Ausrichtung des Unternehmens eine eventuelle Übergabe an die neunte Generation ermöglicht werden kann.
