In vielen spanischen Heimen warten die Hunde auf den sicheren Tod. Annemarie Taleb will nicht tatenlos zusehen.
Von Stephan GiesersWilhelmshaven
Mischling „Lulu“ geht es gut. Ruhig liegt die spanische Hündin auf der Couch und lässt sich von Annemarie Taleb den Nacken kraulen. Könnte der Vierbeiner sprechen, hätte er einiges zu erzählen über das Leben als herrenloser Hund auf den Straßen Cordobas – und vom Überlebenskampf in Spaniens Auffangstationen.Die große Transportbox steht noch im Flur, in der „Lulu“ per Flugzeug nach Wilhelmshaven gekommen ist. „Spanien hätte sie vermutlich nicht überlebt“, sagt Annemarie Taleb und erzählt von den Auffangheimen und Tötungsstationen für Hunde – „Perreras“ genannt. Hunde seien in vielen südeuropäischen Ländern Gebrauchsgegenstände, würden oft misshandelt und ausgesetzt.
Die 51-jährige Wilhelmshavenerin engagiert sich im Tierschutzverein „Hundeleben retten“, der mit Tierschützern in Spanien zusammenarbeitet. Die Mitglieder bringen Hunde nach Deutschland, päppeln sie auf und vermitteln sie. Einen Hund hat Taleb selbst behalten. Ebenso wie Mischling „Kira“, den die Wilhelmshavenerin aus einem deutschen Tierheim zu sich genommen hat.
Warum nicht Hunden in Deutschland helfen? Das werden die Mitglieder des Vereins oft gefragt. Annemarie Taleb reiste Ende November nach Spanien, um sich ein eigenes Bild zu machen. Sehenswürdigkeiten hat sie sich nicht angeschaut. Die 51-Jährige besuchte unter anderem eine Notunterkunft – eine Wohnung, in der Tierschützer Hunde aus einer Tötungsstation unterbringen. Mitgebracht hat sie „Lulu“, aber auch Fotos und Videos, die das Elend in den Auffangstationen für Hunde zeigen.
Auch Sabine Bijnen kennt diese Bilder. Die 42-Jährige wohnt in Middelsfähr und ist stellvertretende Vorsitzende des Vereins. „In Spanien gibt es kein Tierschutzgesetz und keine Heime wie in Deutschland“, erzählt sie. Stattdessen verbringen viele Hunde ihr Leben auf der Straße und vermehren sich unkontrolliert. Straßenfänger lesen sie auf und bringen sie in die „Perreras“. „Die Touristen sollen die abgemagerten und oft verletzten Hunde nicht zu sehen bekommen“, so Bijnen. Findet sich innerhalb von zwei Wochen kein neuer Besitzer, werden sie in der Regel getötet.
Bijnen hat sich nach einer Spanienreise zunächst einer privaten Tierschutzinitiative angeschlossen und adoptierte erste Straßenunde. 2007 gründete sich der Verein. „Viele der Hunde haben so etwas wie Liebe, Geborgenheit, regelmäßiges Futter oder ein weiches Körbchen niemals kennen gelernt“, sagt sie.
Nach Deutschland kommen die Hunde mit so genannten Flugpaten. Wer in Spanien Urlaub macht, nimmt die Hunde einfach bei der Abreise mit. Der Verein nimmt sie an und kümmert sich um die Formalitäten. „Viele Straßenhunde sind gut sozialisiert, obwohl sie viel durchmachen mussten“, sagt Bijnen. Aber sie müssten erst die üblichen Kommandos lernen und stubenrein werden. Deshalb arbeitet der Verein mit einer Hundeschule in Schortens zusammen. Die künftigen Halter werden vom Verein überprüft und beraten, um Rückläufer zu vermeiden.
„Wir wissen, dass unsere Arbeit ein Tropfen auf den heißen Stein ist“, sagt Bijnen. Aber jeder vermittelte Hund aus Spanien sei den Aufwand wert. Um das Elend der Straßenhunde zu bekämpfen, müsste aber die spanische Politik Kastrationsprogramme initiieren und das Töten beenden, so der Verein. Denn nicht jeder Hund hat so viel Glück wie Mischling „Lulu“.
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