beliebt. Dass die Ehe
dadurch glücklicher wird, lässt sich indes nicht belegen.
Von Johanne Dirkswilhelmshaven
„Drum prüfe, wer sich ewig bindet, ob sich das Herz zum Herzen findet.“ Das wusste schon der „alte Schiller“. Doch heutzutage geht es nicht nur darum, wen man heiratet, sondern vor allem wann. Die Inszenierung einer Liebesheirat ist zu einer der letzten großen Herausforderungen unserer Gesellschaft geworden. Doch zum Glück gibt es seit der Jahrtausendwende viele Möglichkeiten, das passende und vor allem ein einprägsames Datum zu finden.Genau genommen sind es sogar zwei. Denn jedes Jahr sind Termine wie beispielsweise der 5. Mai 2005 oder der 20. Mai 2005 (20.05.2005) bei den Heiratswilligen heiß begehrt. Diesmal sind es nun der 6. und der 20. Juni, die auf der Wunschliste ganz oben stehen. Aber das große Glück in Gestalt einer Schnapszahl zu suchen, scheint vielmehr eine Schnapsidee zu sein. „Denn beispielsweise zwei Drittel aller am 9.9.99 in Berlin geschlossenen Ehen sind inzwischen wieder geschieden“, berichtete kürzlich die Frankfurter Allgemeine Zeitung.
Wirklich Verliebte dürfte diese Statistik wohl kaum vom Ja-Wort abhalten. „Übermäßig viele Trauungen haben wir zurzeit noch nicht, aber der große Andrang kommt erfahrungsgemäß erst später“, heißt es seitens des Wilhelmshavener Standesamtes. Ähnlich sieht es auch im Umland aus. Das könne auch an dem eher ungünstigen Wochentag liegen, auf den beide Daten fallen, denn die wenigsten heiraten gerne an einem Dienstag, heißt es weiter.
„Bislang ist der Ansturm auf das diesjährige Schnapszahldatum ausgeblieben“, erläutert Kreispfarrer Holger Harrack und weist darauf hin, dass es ohnehin in der Vergangenheit mehr kirchliche Trauungen gegeben habe. Mit dieser Entwicklung steht Wilhelmshaven nicht alleine da. Denn insgesamt geht der Trend in der Bundesrepublik mehr zur Beziehung ohne Trauschein. Allein im vergangenen Jahr wurde ein Viertel aller Kinder außerhalb der Ehe geboren.
Doch wenn schon, denn schon. Das denken sich viele, die den Schritt vor den Altar wagen wollen. Ganz in Weiß mit einem Blumenstrauß, so stellen sich viele Bräute „den schönsten Tag des Lebens“ vor. Barbara Bleischwitz, Inhaberin der Boutique Babette, erzählt: „Hier im Geschäft merkt man schon, dass der 6. Juni ein beliebtes Datum ist.“ Denn wer sich im Sommer trauen lassen will, sollte jetzt schon mit der Planung beginnen, betont die Expertin. Vor allem dann, wenn die Hochzeit zudem noch an einem beliebten Ort stattfinden soll. „Wir statten eine Braut aus, die am 6. Juni in der Dresdner Frauenkirche heiraten wird“, verrät Barbara Bleischwitz.
Allerdings hat die Wilhelmshavenerin festgestellt, dass der „Traum in Weiß“ nicht zwangsläufig auch strahlend Weiß sein muss: „Junge Frauen mögen das überhaupt nicht.“ So ist denn auch in diesem Jahr der Favorit die Farbe Champagner. Und das nicht nur für Zweibeiner: Sogar für Hunde hat Barbara Bleischwitz eine eigene Kollektion entworfen, die auf einer Hochzeitsmesse vorgestellt und im Internet angeboten wird. Dazu gehören ein Schleier, Brauthandschuhe sowie eine Weste für den „tierischen“ Bräutigam.
Auf die Idee brachte die Wolfsspitzhündin „Babette“ ihr Frauchen. Schließlich begleitet der Vierbeiner Barbara Bleischwitz traditionell zu vielen Hochzeiten. Bislang fehlte halt nur das passende Outfit für das Maskottchen der Boutique. Doch nun kann auch „Babette“ im wahrsten Sinne des Wortes ganz in Weiß vor den Altar treten, um gemeinsam mit ihrer Besitzerin dem Brautpaar zu gratulieren. Allerdings weigert sich die Hundedame bisher noch, den Blumenstrauß zu tragen.
