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Einsatzgruppenversorger auf Nato-Mission „Frankfurt“ startet von Wilhelmshaven aus in ersten Einsatz seit vielen Jahren

Auf Wiedersehen bis November: Die „Frankfurt am Main“ hat Wilhelmshaven verlassen und wird in der Ägäis an einer Nato-Mission teilnehmen.

Auf Wiedersehen bis November: Die „Frankfurt am Main“ hat Wilhelmshaven verlassen und wird in der Ägäis an einer Nato-Mission teilnehmen.

Björn Lübbe

Wilhelmshaven - Das Abschiednehmen von der „Frankfurt am Main“ hat am Mittwoch länger gedauert als üblich: Erst 40 Minuten nach dem Ablegen hat der Einsatzgruppenversorger (EGV) Fahrt aufgenommen und unter lautem Dröhnen seines Signalhorns die 4. Einfahrt verlassen. Zuvor mussten noch drei Beiboote an Bord genommen werden, die jüngst vor dem Festmachen an der Versorgungspier an Backbordseite (in Fahrtrichtung links) zu Wasser gelassen wurden. Tapfer haben die Angehörigen auf der Pier ausgehalten – und noch einmal hallten einige laute Abschiedsrufe übers Wasser. Das Team des Familienbetreuungszentrums hatte für alle „Tränen-Fälle“ auch Taschentücher bereitgehalten.

Unter dem Kommando von Fregattenkapitän Hanno Weisensee (47) nimmt das Schiff nun Kurs auf das nordöstliche Mittelmeer. Außergewöhnlich hoch kam die „Frankfurt“ noch aus dem Wasser – vor einer so langen Fahrt ist ein EGV sonst voll beladen. Doch in diesem Fall steht nicht die Versorgung anderer Einheiten in See im Mittelpunkt der Mission. In der Ägäis erwartet die Besatzung eine enge Zusammenarbeit mit der türkischen und griechischen Küstenwache sowie der europäischen Agentur für Küstenwache und Grenzschutz (Frontex) im Rahmen des Ständigen Nato-Marineverbands 2 (Standing Nato Maritime Group 2/SNMG2). Dort löst der EGV den Tender „Rhein“ aus Kiel ab.

Beitrag zum Lagebild gegen Schleuseraktivitäten

Nach langer Werftliegezeit und forderndem Einsatzausbildungsprogramm hat die motivierte Besatzung abschließend im britischen Plymouth ihre Einsatzfähigkeit mit einem tollen Ergebnis nachgewiesen. Leider fand der Kommandant vor dem Ablegen keine Zeit mehr für ein Gespräch mit den Medienvertretern. „Die Mission ,Nato-Unterstützung Ägäis’ ist für uns von großer Bedeutung“, zitiert die Marine ihn in einer Pressemitteilung. „Im Rahmen dieser Mission bedeutet dies, dass wir den Auftrag haben, zur Informationsgewinnung sowie zum Lagebildaufbau in Bezug auf Migrationsbewegungen und Schleuseraktivitäten beizutragen.“

Im Jahr 2019 wurden 83.300 Migrantinnen und Migranten in der Ägäis registriert. Hierbei sind laut Pressemitteilung der Marine die Grenzübertritte auf dem Landweg einbezogen. Von Januar bis Ende Mai 2020 wurden rund 7800 Grenzübertritte registriert. Die Zahlen sind wieder deutlich angestiegen, wie die Neue Zürcher Zeitung am 16. Juli 2023 berichtete: „2022 wurden in Griechenland rund 19.000 Ankünfte von Flüchtlingen und Migranten über die Türkei dokumentiert, davon über 6000 auf dem Landweg und mehr als 12.000 auf dem Seeweg.“

Die Einheiten der Nato sind im Seegebiet der Ägäis lediglich unterstützend tätig – die Schiffe haben keine hoheitlichen Befugnisse, betont die Marine. Es sei nicht ihre Aufgabe, Fahrzeuge anzuhalten oder gegen Schleuser vorzugehen – weder in fremden Hoheitsgewässern noch auf hoher See. Entsprechende Befugnisse liegen bei den nationalen Küstenwachen und weiteren zuständigen Behörden. Das gilt auch für den Umgang mit Booten, in denen sich offensichtlich Migranten befinden. Eingreifen oder helfen dürfen die Einheiten der SNMG2 nur im Seenotfall – für die Besatzung der „Frankfurt am Main“ dennoch eine fordernde Zeit. Erst im November wird sie in ihrem Heimathafen zurück erwartet

Michael Halama
Michael Halama Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung
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