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Vollbeschäftigung im Vorzeigehaus

Viele Besucher nutzten am Sonnabend die Chance, einen Blick in die Haftanstalt zu werfen. Gefängnisleitung und Vollzugsbeamte waren „mehr als zufrieden“ mit der Resonanz.

Von Kristin Kleyhauer

Wilhelmshaven

„100 Jahre und kein bisschen alt“, sagte Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann am Sonnabend und meinte damit die Justizvollzuganstalt Oldenburg, Abteilung Wilhelmshaven. Die alten Gemäuer feiern 100. Geburtstag. Dieses Jubiläum nutzten Leiter und Angestellte des Gefängnisses, um der Öffentlichkeit einen Einblick in das Leben und die Arbeit hinter Gittern zu gewähren. Dabei kann davon in Wilhelmshaven eigentlich gar keine Rede sein. Gitter vor den Fenstern sieht man hier nur noch äußerst selten. Es ist eine Haftanstalt für den offenen Vollzug. „Die paar Gitter, die es hier noch gibt, haben nur einen psychologischen Zweck“, sagte Gerd Koop, Leiter der Justizvollzugsanstalt Oldenburg.

Nachdem 2001 neun Häftlinge aus dem ehemaligen Gefängnis in der Gerichtsstraße ausgebrochen waren, wurde das Haus geschlossen und die Haftanstalt am Ölhafendamm der Justizvollzugsanstalt Oldenburg zugeteilt. 2002 löste ein Häftling eine Gasexplosion im Verwaltungstrakt des Gefängnisses aus. Das Gefängnis konnte wieder komplett hergerichtet werden und gehört heute mit 104 Haftplätzen nicht nur zu den größten, sondern zu den modernsten Gefängnissen für offenen Vollzug in Niedersachsen.

Hier ist man fit für die Zukunft, da ist sich Minister Busemann sicher. Und so lautet auch der Arbeitstitel für das neueste Projekt im Wilhelmshavener Gefängnis. Das Dachgeschoss des Hauses bauen Bedienstete und Gefangene gerade aus. Dort soll ein Ausbildungszentrum für die Häftlinge mit Computerraum und Bibliothek entstehen.

Gerd Koop führte seine Gäste durch das Haus. Er zeigte die Werkstatt. Klaus-Dieter Jansen und Holger Gellert arbeiten dort mit den Gefangenen. Wer jetzt an Tütenkleben denkt, liegt falsch. „Die Zeiten sind vorbei“, bestätigte Gellert. Die Häftlinge stellen Tankdeckel her oder bauen Grills. Im Wilhelmshavener Gefängnis gibt es Vollbeschäftigung, alle Häftlinge arbeiten. „Danach muss man bundesweit in anderen Gefängnissen mit der Lupe suchen“, lobte der Justizminister.

Gerd Koop zeigte auch die Freigängerstation. Hier leben mehrere Gefangene in einer Art betreuter Wohngemeinschaft. Sie gehen einer „normalen“ Arbeit nach, müssen sich selbst verpflegen und für „ihren Haushalt“ sorgen. So werden die Männer an einen geregelten Ablauf gewöhnt und auf die Zeit nach der Entlassung vorbereitet. In diesem Jahr sei es erst zweimal vorgekommen, dass Gefangene nicht vom Ausgang zurückgekehrt sind. In solchen Fällen ist der offene Vollzug vorbei, die Männer werden von der „grünen Minna“ abgeholt und in den geschlossenen Vollzug verlegt.


Den Bus zum Gefangenentransport konnten die Besucher am Sonnabend ebenfalls besichtigen. Die meisten wollten nach dem Anblick der engen Zellen mit kleinem Sichtschlitz nicht mehr unbedingt zu den Fahrgästen gehören. „In diesem Bus werden alle transportiert, vom kleinen Eierdieb bis zum Mörder“, erklärte Inge Rzepucha-Sobotta, die stellvertretende Anstaltsleiterin. Die Besucher konnten auch mit Häftlingen sprechen.

Besuchermagnet war auch der Bunker vor dem Gefängnis. Hier hatte der Vollzugsbeamte Mike Cramme eine Ausstellung vorbereitet, die die 100-jährige Geschichte des Gefängnisses, das ursprünglich als Marinearrestanstalt gebaut worden war, widerspiegelt.

Draußen hatten Organisationen ihre Stände aufgebaut, die mit der Justizvollzugsanstalt zusammenarbeiten. Da war beispielsweise das Diakonische Werk vertreten, ebenso wie die Polizei, der Zoll, die Opferhilfe „Weißer Ring“ oder der Arbeiter Samariter Bund. Auch die Militärpolizei und die Feuerwehr stellten sich und ihre Arbeit vor.

Um 16 Uhr war Schluss. Dann kehrten die Häftlinge zurück, die Urlaub genommen hatten – der normale Gefängnisalltag kehrte wieder ein.

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