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Corona Offene Impfaktion lockte Hunderte nach Wilhelmshaven

Voslapp - „Der Impfstoff muss in die Arme“, sagt der Mediziner Klaus-Peter Schaps. Aber was, wenn besagten Impfstoff plötzlich niemand mehr haben möchte? Genau das passierte mit den beiden Vakzinen von Astrazeneca und Johnson & Johnson. Nur hatten Schaps und sein Kollege Dr. Kristian Otte für ihre gemeinsame Praxis genau von diesen beiden Corona-Impfstoffen bei ihrer allerersten Bestellung Dosen „im höheren, dreistelligen Bereich“ geordert – und bekommen. Die Diskussionen um mögliche Nebenwirkungen ließen sie allerdings zu Ladenhütern werden. Die Aufhebung der Priorisierung für beide Vakzine hat das schlagartig geändert.

Die ersten warteten schon um 7 Uhr mit Campingstühlen

„Impfen für alle“ hieß es am Freitagnachmittag in der Praxis der beiden Ärzte. In sozialen Medien hatte Schaps am Mittwochabend die Aktion angekündigt. Hunderte Dosen von Astrazeneca und Johnson & Johnson lägen bereit, um verimpft zu werden – für jeden Interessenten, ohne Terminabsprache, dafür mit entsprechender Wartezeit. Start: 14.30 Uhr.

„Ich muss gestehen, dass ich keinerlei Vorstellung hatte, auf was für eine Resonanz diese Aktion stoßen würde“, sagt Schaps. Doch nicht nur in den sozialen Medien hatte sich die Aktion in Windeseile herumgesprochen, auch eine überregionale Tageszeitung hatte die ursprünglichen Post des Arztes aufgegriffen und publik gemacht. „Das war mir gar nicht so recht, weil ich mit der Impfaktion natürlich unsere Wilhelmshavener bedienen wollte und nicht die Auswärtigen.“ Schnell sei ihm klar geworden, dass er diesen Plan nicht würde umsetzen können. „Als ich um 7 Uhr in die Praxis kam, saßen schon die ersten mit Gartenstühlen davor und warteten.“ Aus Bremen, Münster, Cloppenburg und Oldenburg seien Impflinge angereist, um sich den begehrten Piks mit einem der zuletzt nicht so begehrten Impfstoffe abzuholen. Die Warteschlange vor der Praxis wurde immer länger, zog sich einige Hundert Meter durch die Flutstraße.

Panik vor dem Ansturm

„Als wir um 14.30 Uhr anfingen, habe ich echt ein bisschen Panik bekommen, ob wir diesen Andrang überhaupt bewältigen können“, räumt der Medizinier ein. Gemeinsam mit seinem Kollegen und den versierten Helferinnen aber habe man es am Ende tatsächlich geschafft, alle Wartenden gegen Sars-CoV-2 zu impfen. Zwar nicht, wie geplant bis 18 Uhr, aber bis 20 Uhr. „Wenn die Leute schon so lange hier stehen, dann kann man sie ja nicht wieder wegschicken, nur weil die Sprechstunde eigentlich beendet ist.“

Gut drei Stunden habe die durchschnittliche Wartezeit der Impflinge gedauert. „Wir haben immer mal wieder nachgefragt“, so Schaps. Alle seien guter Stimmung und diszipliniert gewesen, hätten auch immer die Mindestabstände eingehalten. „Es gab keinerlei Beschwerden, im Gegenteil. Nach der Impfung waren alle sehr denkbar!“


Tolle Geste in Warteschlange

Dass ein vorbeifahrender Autofahrer die Wartenden als „Corona-Hysteriker“ und „Versuchskaninchen“ beschimpfte – geschenkt. Anrührend dagegen eine andere Episode. In der Schlange entdeckte Schaps’ Ehefrau Jette am späteren Nachmittag eine alte Dame von 92 Jahren. Wieso sie denn noch gar nicht geimpft worden sei, wollte Jette Schaps von ihr wissen. Die Erklärung: Wegen ihrer Schwerhörigkeit habe sie die telefonische Impfhotline nicht verstanden und dann irgendwann aufgegeben. Ihre Tochter, die in München wohnt, habe dann von der Aktion der Praxis erzählt. Nun sei sie eben da. „Gibts’s denn überhaupt noch genug Impfstoff?“, wollte die Senioren schließlich wissen. Daraufhin habe sich eine vielleicht 20-jährige junge Frau zu ihr umgedreht und gesagt, sie würde auf ihre Dosis gerne für die Dame verzichten, wenn es nötig sein sollte. „Eine tolle Geste, die mich wirklich berührt“, berichtet Klaus-Peter Schaps. Natürlich habe er die alte Dame vorgezogen, aber auch die 20-Jährige konnte versorgt werden. Genau wie alle anderen, die am Freitag den Weg in die Praxis gefunden hatten.

Lutz Rector
Lutz Rector Stellv. Redaktionsleitung, Wilhelmshavener Zeitung
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