Wilhelmshaven/Rhodos - Der Himmel leuchtet gelb und rot und die Farben spiegeln sich im Wasser des Hotelpools. In der Ferne steigt Rauch auf, der wie ein harmloser Nebel anmutet.
Auf den ersten Blick scheint es Idylle pur zu sein, die der Wilhelmshavener Tobias Hoiten gemeinsam mit seiner Frau Rebecca auf der griechischen Insel Rhodos in einem Video festgehalten hat. Von Urlaubsidylle sind die Aufnahmen aber weit entfernt: Sie zeigen das herannahende Feuer, das seit Tagen auf Rhodos wütet. 30.000 Einheimische und Touristen mussten bereits evakuiert werden.
Betroffen ist auch die Hotelanlage zwischen Lardos und Lindos, das Tobias Hoiten und seine Frau Rebecca gebucht haben. Das Paar ist seit Mittwoch vergangener Woche auf der Insel. „Bei der Ankunft gab es bereits kleine Feuer, aber wir haben uns noch keine Gedanken gemacht“, erzählt Hoiten.
Von der Evakuierung nichts mitbekommen
Zudem habe die Reiseleitung anfangs noch beruhigt. Selbst am Freitag, als es über dem Hotel zeitweise Asche regnete, sei zunächst keine Evakuierung veranlasst worden. „Draußen hat es gestunken wie an einem offenen Kamin, aber die Hotelgäste haben noch gemütlich am Pool gesessen“, erinnert sich der Wilhelmshavener an surreale Szenen. Am Samstag dann die Evakuierung, allerdings ohne das Paar. „Wir waren mit dem Mietwagen unterwegs zu einem Tagesausflug und haben davon gar nichts mitbekommen“, erzählt Hoiten. Abends sollte es zurück gehen ins Hotel, doch die Straßen waren bereits 20 Kilometer vor ihrer Bleibe weiträumig abgesperrt. „Auf dem Weg haben wir dann die dicke Rauchwolke gesehen“, sagt der 33-Jährige. Den beiden Wilhelmshavenern blieb nichts anderes übrig, als sich selbst und auf eigene Kosten eine Bleibe für die Nacht zu suchen.
Der Wilhelmshavener Tobias Hoiten ist zurzeit mit seiner Frau auf Rhodos.
Fündig wurden sie im Ort Kolymbia, wo gerade noch drei Zimmer frei waren. „Inzwischen ist kaum noch etwas zu bekommen und die ganze Situation ist sehr unübersichtlich“, schildert Hoiten die Lage vor Ort.
Am nächsten Tag holten die Wilhelmshavener ihr Gepäck im anderen Hotel ab und erfuhren, dass die anderen Hotelgäste gleich mehrfach evakuiert worden waren. Und die Lage spitzte sich zu. „Die Brände waren direkt hinter dem nächsten Hügel und die Löschhubschrauber flogen alle fünf Minuten über unser Hotel.“ Im Nachbarort seien einige Hotels abgebrannt. Das Paar brachte sich deshalb endgültig auf eigene Faust in Sicherheit, fuhr erneut zum Hotel in Kolymbia. Glück im Unglück: Durch den Mietwagen sind die Wilhelmshavener mobil, konnten sich frei bewegen, während viele andere Urlauber zunächst im Hotel festsaßen.
Bis zur Abreise in Rhodos-Stadt eingecheckt
Auch dem Paar war alternativ eine Notunterkunft in einer Turnhalle oder Konferenzzentrum angeboten worden. Nach einer weiteren Nacht in Kolymbia sind Rebecca und Tobias Hoiten inzwischen in einem Hotel in Rhodos-Stadt untergekommen – in sicherer Entfernung zu den Bränden. Bis zur Abreise am Mittwoch wollen sie in der Stadt bleiben. „Wir haben über eine vorzeitige Abreise nachgedacht, aber das hätte sich nicht gelohnt“, sagt Hoiten, der zugleich die aktuellen Bilder vom überlaufenen Flughafen vor Augen hat. Fest steht: Das Paar freut sich schon jetzt auf zuhause.
