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Tag der Logopädie Warum Schluckbeschwerden schnell lebensbedrohlich werden können

Wer länger als 48 Stunden intubiert wird läuft zu 50 Prozent Gefahr, an Schluckbeschwerden zu erkranken. Um Folgeprobleme zu verhindern und zu lindern, müssen Logopäden in solchen Fällen früh tätig werden.

Wer länger als 48 Stunden intubiert wird läuft zu 50 Prozent Gefahr, an Schluckbeschwerden zu erkranken. Um Folgeprobleme zu verhindern und zu lindern, müssen Logopäden in solchen Fällen früh tätig werden.

Matthias Balk/dpa

Wilhelmshaven - Regina Gabriel betreibt als niedergelassene Logopädin zwei Praxen in Wilhelmshaven. Doch das ist nur ein Aspekt ihrer Arbeit. Gabriel und ihr neunköpfiges Team betreuen seit acht Jahren auch Patienten auf der Intensivstation des Klinikums sowie seit sieben Jahren auch die Patienten der Geriatrie (Altersmedizin). Vier Mal die Woche ist mindestens eine Logopädin der Praxis vor Ort und arbeitet in engem Austausch mit Patienten, Intensivpflegekräften, Physiotherapeuten und Ärzten.

Lungenentzündung muss verhindert werden

Dabei geht es in erster Linie um das sichere Schlucken von Nahrung und Flüssigkeiten. Denn eine Dysphagie (eine Schluckstörung) kann bei Nichtbeachtung schnell lebensbedrohlich werden. Rund 50 Prozent aller Patienten, welche länger als 48 Stunden intubiert sind, also deren Atemweg geschützt werden muss, entwickeln Schluckbeschwerden.

„Unser erstes Ziel ist die Vermeidung einer Aspirationspneumonie, also einer Lungenentzündung, welche durch fehlerhaftes Schlucken von Flüssigkeiten oder Nahrung in die Luftröhre entsteht“, erklärt Gabriel. Denn eine solche Lungenentzündung sei unter anderem eine der häufigsten Todesursache bei Intensivpatienten.

Ebenfalls wichtiges Thema ist der Umgang mit Trachealkanülen, welche Patienten nach einem Luftröhrenschnitt eingesetzt werden müssen. Hier geht es zum Einen um den Schutz der Atemwege vor dem Verschlucken, zum Anderen um den Einsatz von Sprechventilen zur Kommunikationsfähigkeit der Patienten. Logopäden helfen den Patienten, Strategien des Schluckens zu entwickeln und den Kraftgrad der am Schlucken beteiligten Muskulatur zu erhöhen um somit den Übergang von künstlicher zurück zu selbstständiger Ernährung zu schaffen und einer Mangelernährung vorzubeugen. „Es geht immer darum, dass die Patienten ideal versorgt sind“, sagt Gabriel.

Gute interdisziplinäre Zusammenarbeit

Entsprechend früh werden Logopäden zu den Patienten hinzugezogen. „Heilmittelerbringer arbeiten immer auf ärztliche Anordnung. Unsere Arbeit beginnt, sobald die Patienten relativ stabil sind. Wir beginnen mit der Klinischen-Schluck -Diagnostik also mit der Überprüfung die Schluckfähigkeit der Patienten“, sagt Gabriel. Neben der klinischen Beobachtung, der Bewertung der Therapiefähigkeit von schwer betroffenen Patienten sowie der manuellen Schlucktherapie gehört das Ess- und Trinktraining zur täglichen Arbeit der Logopäden.


Regina Gabriel betont, wie wichtig die interdisziplinäre Zusammenarbeit im multiprofessionellen Team ist - und wie gut diese am Klinikum in Wilhelmshaven funktioniert: „Am Ende sind es die Pflegekräfte, welche die meiste Zeit mit den Patienten verbringen und einen Großteil der logopädisch angeordneten Maßnahmen umsetzen müssen. Wir arbeiten dabei immer auf Augenhöhe“.

Hendrik Suntken
Hendrik Suntken Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung
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