Als freier Journalist lebt Florian Sturm seinen Traum. Er ist für nationale und internationale Zeitungen und Magazine auf der ganzen Welt unterwegs. Auf den Spuren von Menschen und Themen unter anderem aus Wissenschaft, Kultur und Sport. Wenn ihn seine Recherche in die Unterwasserwelt führt, schlägt sein Herz besonders hoch. Über diesen Naturraum und seinen Schutz hat er gemeinsam mit Christian Weigand ein Buch geschrieben: „Ein Leben für den Ozean – 10 Geschichten über die Helden der Meere“. Mit diesen Geschichten, die ihren Schauplatz in Nord- und Ostsee, im Nordatlantik und an der Lahn haben, kommt Florian Sturm am 15. Februar ins Pumpwerk. Auf dem Rückweg von seinem Winterquartier an der Algarve haben wir ihn für ein Interview in seinem „Wohnmobil-Büro“ erreicht.

Herr Sturm, ein großer Teil Ihrer journalistischen Arbeit widmet sich dem Ozean und Meeresschutz. Woher kommt Ihre besondere Beziehung zu diesem Naturraum?

Florian SturmMit Schnorchel und Taucherbrille eintauchen in die Unterwasserwelt – das habe ich schon in den Urlauben meiner Kindheit geliebt. Mit Anfang 20 habe ich dann einen Tauchschein gemacht und inzwischen das Apnoetauchen für mich entdeckt. Beim Freitauchen lässt sich die Unterwasserwelt besonders intensiv erleben. Als freier Journalist haben mich die Themen rund um die Ozeane dann magisch angezogen. Und mit der wachsenden Liebe rückten auch wissenschaftliche Aspekte und der Schutz der Meere immer mehr in den Fokus.

Der Autor

Florian Sturm ist 37 Jahre alt und lebt mit seiner Familie in Leipzig. Nach seinem Studium der Anglistik, Amerikanistik und Kommunikationswissenschaft in Jena und Wales volontierte er beim Hamburger Fotomagazin „camera”. Seit 2016 arbeitet er als freier Journalist.

„Ein Leben für den Ozean - 10 Geschichten über die Helden der Meere“ erschien im Juni 2023 im Eigenverlag und ist vom Selfpublisher Verband nominiert als bestes Selfpublishing-Sachbuch des Jahres. Das Buch ist im Buchhandel oder unter www.ein-leben-fuer-den-ozean.de erhältlich.

Im Pumpwerk ist Florian Sturm im Rahmen der Reihe „Weltenbummler“ zu Gast. Inhaber der AboCard Nordwest Treuewelt erhalten zwei Euro Rabatt auf den regulären Ticketpreis.

Wie sind die Reportagen, Porträts und Interviews im Buch entstanden?

SturmWir wollten möglichst nah dran sein an der Arbeit unserer Protagonisten. Also habe ich mit den Lahntauchern nach Müll getaucht, war dabei, als der WWF Geisternetze geborgen hat oder bin mit einem Forscher über seine Seegraswiesen gefahren. Wo das nicht möglich war, haben wir andere Wege gesucht. Zum Beispiel für das Porträt von Uli Kunz. Er ist einer der besten Meeresbiologen und Unterwasserfotografen Deutschlands. Ich kenne ihn schon lange und er hat mir mal erzählt, dass er gerne nachts über die Alster paddeln möchte. Also haben wir vor gut einem Jahr - es war bitterkalt - das alte Kanu seines Vaters aufgepustet, sind in der Dämmerung raus auf die Alster und waren kurz vor Mitternacht wieder zurück. Hamburg auf diese Weise zu erleben und gleichzeitig mit einem so sympathischen Menschen über seine faszinierende Arbeit zu sprechen, das war toll.

Gibt es unter den zehn Geschichten welche, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

SturmGrundsätzlich alle, bei denen ich persönlich dabei war. Im Besonderen aber die Geschichte mit den Lahntauchern. Das ist so ein außergewöhnliches Projekt. Studierende und junge Absolventen, die ehrenamtlich Woche für Woche, Sonntag für Sonntag tonnenweise Müll aus der Lahn holen. Bei der Geschichte war auch der Kontrast für mich enorm: Im August 2022 bin ich auf den Azoren bei 40 Metern Sicht mit Pottwalen, Delfinen und Haien getaucht und dann vier Wochen später in der Lahn bei 3 Metern Wassertiefe, null Sicht und im Schlamm. Aber auch das war super – ein bisschen wie Schatzsuche unter Wasser.

Im Pumpwerk sitzen die Zuschauer nächste Woche im Trockenen. Wie lassen Sie sie trotzdem in ihre Unterwasserwelt abtauchen?

SturmNeben den Passagen, die ich vorlese, lebt die Lesung wie das Buch auch von den Bildern zu den Geschichten. Zusätzlich wird es Videobeiträge geben und ich verrate natürlich auch einiges von meinen Recherchen rund um den Globus. Wer das Feeling noch etwas authentischer haben möchte, bringt einfach Schnorchel und Taucherbrille mit. Dafür gibt es dann auch eine kleine Überraschung von mir.

Sie waren schon in unzähligen Ländern auf fast allen Kontinenten. Ist Ihre Arbeit gefährlich?

SturmNein, in der Regel nicht. Am gefährlichsten war tatsächlich ein Auftrag für den Playboy (lacht). Da ging es um einen jungen deutschen Bergsteiger. Er lebt am Mont Blanc und schlug vor, zusammen eine Skitour zu machen. Da habe ich sofort ja gesagt, obwohl ich das letzte Mal vor ungefähr 20 Jahren auf Skiern gestanden hatte. Ungelogen – ich hatte nach 100 Metern Abfahrt den Muskelkater meines Lebens. Vier Stunden Skitour auf steilen Pisten am Mont Blanc – da hätte ich an einigen Stellen wirklich nicht stürzen wollen. Aber es war fantastisch. Und Muskelkater hin oder her: Fürs Skifahren am Mont Blanc bezahlt zu werden ist doch super. Für mich ist das der beste Job der Welt!