Wilhelmshaven - Kein Geld für eine Winterjacke, sprachliche Hürden bei Migrationsfamilien, ungleiche Bildungschancen, zu wenig Kita-Plätze: „Wenn es um mangelnde Chancengleichheit und Kinderrechte geht, sollte die Politik endlich Taten folgen lassen und Probleme anpacken.“ Das fordert Brigitte Tabbach, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Wilhelmshaven.
Anlass für ihren Appell war der Weltkindertag am Mittwoch, der „nachträglich“ am Sonntag mit einem Familienfest am Pumpwerk begangen wird. Für Tabbach ist der Tag aber kein Grund zum Feiern: „Wir kämpfen seit Jahrzehnten darum, dass die in der UN-Kinderrechtskonvention festgeschriebenen Kinderrechte im Grundgesetz verankert und mit Leben gefüllt werden.“ Die Konvention enthält Punkte wie das Recht auf Gleichheit, auf Gesundheit, auf Zugang zu Medien und Bildung.
Wie schlecht es um die Umsetzung steht, sei längst nicht nur in fernen Ländern zu spüren, sondern direkt vor der Haustür. „Viele Kinder bleiben mit ihren Rechten auf der Strecke – auch in Wilhelmshaven“, sagt Tabbach. So merkt das Team des Kinderschutzbundes in ihrer alltäglichen Arbeit, wie die Schere zwischen Arm und Reich immer mehr auseinanderklafft und Kinder darunter leiden.
ie neue Kindergrundsicherung sieht Tabbach dennoch kritisch. „Es reicht nicht aus, den Eltern mehr Geld zu geben und sich dann aus der Verantwortung zu ziehen“, sagt sie. Vielmehr müsse der Staat investieren – in Bildung, den Ausbau von Kita-Plätzen, kostenlose Mittagessen und Lehrmittel an Schulen und in Teilhabe an Sport- und Freizeitangeboten. Es dürfe nicht sein, dass Kinder ohne Pausenbrot in die Schule kommen und den Lehrkräften sagen, dass sie eh keinen Hunger hätten; sich die Schuhe für den Sportverein nicht leisten könnten oder das nötige Geodreieck für die Schule erst im nächsten Monat gekauft werde, weil dann wieder das Kindergeld auf dem Konto ist.
Aus der Luft gegriffen sind diese Beispiele nicht. Das Team des Kinderschutzbundes erlebt solche Fälle immer wieder. „Die Nachfrage nach Unterstützung ist groß“, sagt Tabbach und nennt die Hausaufgabenhilfe des Kinderschutzbundes als weiteres Beispiel. Diese entwickle sich immer mehr zum Förderunterricht. Hinzu komme die Sprachförderung, die einen großen Teil in der Hausaufgabenhilfe einnimmt. „Viele Kinder benötigen bereits eine Eins-zu-Eins-Betreuung.“
Die Politik schenke diesen Themen viel zu wenig Beachtung, sagt Tabbach und kritisiert Sätze wie „Kinder sind unsere Zukunft“ als abgedroschene Lippenbekenntnisse. „Es sollte doch nicht um unsere, sondern um die Zukunft der Kinder gehen.“
