Herr Ganß, noch bevor die Weihnachtszeit so richtig angefangen hatte, lockte vor allem der Onlinehandel zum „Black Friday“ und „Cyber Monday“ mit verlockenden Angeboten. Kaufen dann überhaupt noch Leute vor Ort ein oder haben die schon alles online erledigt?

Christoph GanßBlack Friday und Cyber Monday sind mittlerweile ja nicht mehr nur auf den Onlinehandel beschränkt, sondern es machen auch viele stationäre Händler mit. Wir machen solche Aktionen nicht mit und haben an diesen Tagen stationär wie online keine Umsatzeinbußen. Es gibt inzwischen auch schon Gegenbewegungen zu solchen Tagen und einige Händler nutzen diese Tage, um einen Teil ihres Umsatzes für wohltätige Zwecke zu spenden statt Rabatte zu geben. Auch passen solche Tage des „achtlosen Konsums“ nicht zu Jugendbewegungen wie Fridays for Future.

Was tun die Geschäfte vor Ort, um mit den Angeboten im Internet mitzuhalten? Und: Gehen die Konzepte auf?

GanßIch denke, dass die Geschäfte vor Ort zuallererst auf Freundlichkeit, gute Beratung, Service und Wohlfühlatmosphäre setzen sollten. Wenn dann noch das Sortiment stimmig ist, sehe ich für den stationären Einzelhandel nicht schwarz. Es ist immer wieder schön zu sehen, dass man Kunden durch so einfache Sachen wie zum Beispiel eine freundliche Begrüßung schon positiv überraschen kann.

Wie stark ist der Handel vor Ort von der Konkurrenz durch den Onlinehandel bedroht, gerade was das Weihnachtsgeschäft angeht?

GanßBedroht hört sich gewaltig an. Klar ist aber auch, dass der stationäre Handel durch den Onlinehandel einen starken Mitbewerber bekommen hat. Früher gab es drei bis vier Katalog-Versandhändler, heute sind es neben den ganz großen Onlineplayern noch tausende Spezialisten-Shops, die auch alle Umsatz machen. Das ist aber auch kein Problem des Weihnachtsgeschäftes, sondern es ist zu jeder Zeit vorhanden. Wir Einzelhändler müssen, wie ich schon beschrieben habe, unseren Kunden schon etwas mehr bieten, als nur die Ware hinzustellen. Allen Verbrauchern, die bei den großen Onlineplayern bestellen, muss klar sein und werden, dass sich die Innenstädte durch ihr Kaufverhalten verändern – und die wenigsten möchten eine tote Innenstadt ohne Geschäfte und Cafés.

Seit wann ist eine Veränderung des Kaufverhaltens zu spüren?

GanßDie ersten größeren Veränderungen haben sich Anfang dieses Jahrzehntes bemerkbar gemacht, da ging es mit den großen Onlineplayern so richtig los.

Wünschen Sie sich manchmal die alten Zeiten zurück?

GanßNein, wir müssen in die Zukunft schauen, neue Ideen entwickeln und unsere Innenstädte attraktiver gestalten. Zurückblicken in Zeiten, die vermeintlich besser waren, bringt nichts und Veränderungen im Einzelhandel gab es auch schon vor dem Internet.

WZIst das Weihnachtsgeschäft für den Einzelhandel die wichtigste Zeit des Jahres?

GanßJa, für die meisten Branchen im Einzelhandel ist der Dezember der stärkste Umsatzmonat.

Online Geschenke zu shoppen, empfinden viele als bequemer, manchmal ist es auch günstiger. Was gibt es für Gründe, dennoch vor Ort einzukaufen, Stichwort Beratung oder der Aspekt Umweltschutz?

GanßIst es wirklich schön, lange Zeit alleine vor dem PC zu sitzen und auf dem Bildschirm das richtige Produkt zu suchen und dann zur Post zu laufen, um das Paket abzuholen? Ist es nicht schöner, eine gute, freundliche und kompetente Beratung zu bekommen, das Produkt auch gleich in echt zu sehen und anzufassen, sich zu freuen, dass man das schon mal in der Tasche hat und sich dann eventuell noch anschließend in einem Café oder dem Weihnachtsmarkt mit Freunden zu treffen?

Am Sonntag, 29. Dezember, findet in Wilhelmshaven ein verkaufsoffener Sonntag statt. Warum haben Sie sich dafür entschieden? Warum ist dieser für den Handel vor Ort wichtig?

GanßEs sind in der Zeit zwischen den Feiertagen einfach sehr viele Urlauber und auch Ex-Wilhelmshavener hier in der Gegend und diesen Menschen möchten wir am verkaufsoffenem Sonntag, der ja auch ein großes Rahmenprogramm hat, zeigen, dass auch Wilhelmshaven eine schöne Innenstadt hat. Zudem haben auch unsere Nachbarstädte Oldenburg und Jever an diesem Sonntag auf und es ist natürlich schön, wenn dann die Kaufkraft hier in unserer Stadt bleibt.