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Einkaufen in Wilhelmshaven 120 Jahre Modehaus Leffers – Inhaberin sieht viele Chancen für Innenstadt-Belebung

Wilhelmshaven - Gegründet im Namen des Kaisers, Marinestandort, Wirtschaftskrisen, Kriegsschäden, Wiederaufbau: Die Stadt Wilhelmshaven blickt auf eine bewegte Geschichte zurück.

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts ist das Modehaus Leffers in der Marktstraße ein fester Teil dieser Stadtgeschichte. Generationen von Jadestädtern ließen sich dort einkleiden.

Das Modehaus Leffers in Wilhelmshaven kann in diesem Jahr sein 120-jähriges Bestehen feiern. Am 1. März 1902 legten die Brüder Georg und August Leffers gemeinsam mit ihrem Vater Heinrich Leffers den Grundstein für ihr Unternehmen in Wilhelmshaven. Seit jeher sind Mode für Damen, Herren, Kinder, Unterwäsche, Accessoires und Heimtextilien das Kerngeschäft des Modehauses – und dennoch wurde das Sortiment über die Jahrzehnte hinweg an die wechselnden Bedingungen und Trends angepasst und ausgeweitet.

„Nicht den Kopf in den Sand stecken und sich beschweren. Die Herausforderungen annehmen und sich anpassen, darauf kommt es an“, sagt Inhaberin Daniela Leffers. Sie führt das Handelshaus in vierter Generation. Das Unternehmen verfügt heute über 160 Mitarbeiter. 2018 wurde ein Onlineshop eingeführt.

Begleitet wird das Jahr des 120-jährigen Bestehens von vielen Aktionen, wobei die diesjährige Nacht der Mode Ende September wieder den Höhepunkt bildete.


Energiekrise sorgt für große Fragezeichen

Seit seiner Gründung hat das Modehaus viele Krisen kommen und gehen gesehen. Zuletzt hat der Handel in deutschen Innenstädten die Auswirkungen der Corona-Pandemie wegstecken müssen. Kaum hat sich das Konsumverhalten etwas erholt, steht nun die nächste Herausforderung am Horizont: Die Belastungen durch Inflation und Energiekrise in Folge des Ukraine-Konflikts treffen sowohl Privatleute als auch Unternehmen schwer.

Nach Einschätzung von Daniela Leffers steht die jetzige Krise erst am Anfang – das tatsächliche Ausmaß der Folgen wird erst 2023 wirklich spürbar werden. „Wir wissen alle noch nicht, was auf uns zu kommt“, sagt die Inhaberin. Auch, wenn der Betrieb eines Modehauses nicht so energieintensiv ist wie die Arbeit in anderen Branchen, rechnet Leffers mit deutlichen Kostensteigerungen. Doch das Modehaus habe auch aus vergangenen Lagen wichtige Erfahrungen mitgenommen: „Wenn man eine Krise hinter sich hat, ist man gestärkt. Man muss einfallsreich bleiben.“ Leffers erinnerte an den Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg oder dem Brand des Modehauses im Jahr 1990.

120 Jahre Modehaus Leffers – Die Chronik

 1902: Heinrich Leffers und die Brüder August und Georg Leffers gründen das erste Geschäft.

 1928: Ein Jahr nach dem 25-jährigen Jubiläum gründet Georg Leffers eine Niederlassung in Oldenburg.

1934: Nach geschäftlicher Trennung der Brüder führt August Leffers mit seinen Söhnen Eduard und Georg die Niederlassung in Wilhelmshaven.

 1942: In der Nacht zum 15. Dezember wird das Kaufhaus durch Bomben zerstört. Bis zum fertigen Neubau im Jahr 1950 wird der Betrieb in Ausweichquartieren weitergeführt. 1956 übernimmt Eduard Leffers die Geschäftsführung.

 1974 Nach dem Zukauf zweier Grundstücke wird das Gebäude auf eine Verkaufsfläche von 3500 Quadratmetern erweitert. Ein Restaurant entsteht.

1980: Durch Abriss und Neubau mehrerer Gebäudeteile wächst die Verkaufsfläche auf insgesamt 5100 Quadratmeter.

 1990/1991: Nach einem Brand im Dezember 1990 wird das Geschäft umgebaut. 1991 gab Eduard Leffers die Geschäftsführung an seinen Sohn Kurt ab.

 2004: Einstieg von Daniela Leffers als vierte Generation ins Familiengeschäft.Sie führt gemeinsam mit Guido Schöttler-Leffers bis heute das Unternehmen.

 2008: Übernahme des Modehauses Petzold in Münster.

 2012: Erweiterung des Gebäudes auf rund 12 000 Quadratmeter, Eröffnung des Schuhgeschäfts Zumnorde.

 2014: Eröffnung von Intersport Leffers an der Bahnhofstraße.

 2018/2019: Einführung eines Onlineshops und einer Kunden-App.

2020: Neueröffnung von Havenschön curvy Love! mit neuem Konzept

Sie befürchtet dennoch, dass viele Privathaushalte mit ohnehin geringem Einkommen schwer unter den stark steigenden Energiepreisen leiden werden und vielen mittelständischen Firmen die Insolvenz droht. Hier hofft sie auf eine Reaktion seitens der Bundesregierung.

Jadestadt hat viel Potenzial

Aber: Daniela Leffers sieht viele Chancen für Wilhelmshaven, den drohenden Kaufkraftverlust abzufedern.

Die Mittel aus dem Kohlefonds, die Initiativen der Wirtschaftsförderung und viele angekündigte Neuansiedlungen, darunter ein Zweitstandort für die Vareler Papier- und Kartonfabrik, trügen dazu bei, dass sich die Stadt insgesamt im Aufwind befindet.

Aus ihrer Sicht gibt es viele Möglichkeiten, den Handel in der Marktstraße zu beleben. „Die Wilhelmshavener Händler haben bereits viele Punkte mit der Wirtschaftsförderung besprochen. Uns ist ein Leerstandsmanagement wichtig“, sagt Daniela Leffers.

Eine mögliche Idee, leerstehende Flächen attraktiver zu machen, wäre etwa die Umwandlung freier Schaufenster zu Galerien und Ausstellungsflächen. Sie fügt hinzu: „Die Innenstadt muss vielfältiger und auch für andere Bevölkerungsgruppen, etwa Studenten, attraktiver werden.“ Daniela Leffers kann sich vorstellen, dass die Einrichtung von Büros oder sogenannter Co-Working-Spaces dazu beitragen könnte und es hilfreich wäre, etwa die Jade Hochschule und Kreativschaffende an solchen Projekten zu beteiligen.

Arbeitsgruppe entwickelt Wochenmarkt-Konzept

Das größte Potenzial für eine Belebung der Innenstadt sieht sie in den Wochenmärkten. „Wilhelmshaven ist eine der wenigen deutschen Städte ihrer Größe, die Samstags keinen Wochenmarkt in der Innenstadt hat“, erklärt Daniela Leffers.

Wo funktionierende Wochenmärkte seien, gäbe es auch weniger Leerstände. Die Märkte würden für eine höhere Aufenthaltsqualität sorgen und seien ein beliebter Treffpunkt für Bürger.

Eine Arbeitsgruppe unter Beteiligung von Wirtschaftsförderung, City-Interessenverein, Verwaltung und Ratsmitgliedern würde verschiedene Ansätze erarbeiten, mit dem Ziel, die Wochenmärkte in der Stadt neu zu organisieren und somit auch den Wochenmarkthändlern zu helfen. Am Ende werde man entsprechende Konzepte dem Rat vorstellen.

Wilhelmshaven braucht eine Stadthalle

Die aktuelle Diskussion, ob Wilhelmshaven überhaupt eine Stadthalle bräuchte, kann Daniela Leffers nicht nachvollziehen. „Großveranstaltungen sorgen für eine Belebung der Innenstadt. Und eine gute Stadthalle sorgt dafür, dass mehr Veranstaltungen in Wilhelmshaven stattfinden können“, sagt sie.

Wenn, dann sollte eine neue Stadthalle auch an Stelle des Jadezentrums entstehen: „Das ist innenstadtnah und bietet bereits genügend Platz für Parkflächen.“ Ihrer Meinung nach wäre eine Mehrzweckhalle, die auch für Sportveranstaltungen nutzbar wäre, ideal.

Hendrik Suntken
Hendrik Suntken Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung
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