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Marinemuseum erzählt bewegendes Schicksal Als Nazi-Offiziere eine Halbjüdin retteten

Wilhelmshaven - Der Nazi-Terror tobte bereits seit sechs Jahren, als Marlene Maertens Deutschland verließ. Auch als Ehefrau des hochrangigen Marineoffiziers Erhard Maertens war sie als Halbjüdin nicht mehr sicher. „Marlene Maertens ist im Sommer 1939 mit Hilfe von Crewkameraden ihres Mannes geflohen. Sie ist über Schweden in die USA ausgereist – und wurde am 5. Mai 1945 kurz vor Kriegsende zwangsweise geschieden“, berichtet die Historikerin Suzanne Foxley. Ein Foto von Marlene Maertens liege dem Marinemuseum leider nicht vor.

„Erstaunlich ist aus heutiger Sicht, dass Maertens nach dem Krieg von den Vereinigten Staaten aus umfangreiche Hilfslieferungen für Deutschland organisiert hat“, erzählt sie. Die Historikerin hat die laufende Sonderausstellung „1910  Crew.Macht.Karriere“ im Deutschen Marinemuseum kuratiert und ist mit vielen der Schicksale dieser besonderen Marineoffizier-Crew vertraut.

Ihr Mann machte Karriere

Bekannte Namen wie Karl Dönitz, der Nachfolger Adolf Hitlers, und der später in der Friedensbewegung aktive Pastor Martin Niemöller gehören zu dieser Crew. „Ihr Crewkamerad Erhard Maertens setzte seine Karriere in der Kriegsmarine auch nach der Flucht seiner Frau fort und wurde im Februar 1945 als Vizeadmiral in den Ruhestand versetzt“, erzählt Foxley. „Dennoch fiel er noch in der Schlacht um Berlin.“

Seit Mitte Juni – da wurde die Sonderausstellung eröffnet – wurden im Marinemuseum fast 63 000 Besucher gezählt. Wie viele von ihnen das Schicksal von Marlene Maertens wahrgenommen haben, weiß niemand. Ihre Karteikarten fanden sich im Archiv der Marine-Offizier-Vereinigung (MOV), die sie neben weiteren Exponaten als Leihgabe für die Sonderausstellung zur Verfügung gestellt hat. Die MOV war zum Ende des Ersten Weltkriegs für die „kameradschaftliche Selbsthilfe“ gegründet worden.

„Auf der ersten Karteikarte wurde der Vorname des gefallenen Erhard Maertens durchgestrichen und die Karte um die Daten der Witwe ergänzt“, so die Historikerin. „Darunter ist in der Ausstellung die spätere Karteikarte zu sehen, die Marlene Maertens als Mitglied der Crew 1910 ausweist – mit Anschrift in den USA.“ Es sei in einigen Marineoffizier-Jahrgängen durchaus üblich gewesen, dass die Witwen der verstorbenen Crewkameraden als Mitglieder der Crew geführt wurden.


Witwenrente und Rede

„Wohl auch, um sich für die Hilfslieferungen nach dem Krieg erkenntlich zu zeigen, haben sich dann Mitglieder der Crew 1910 dafür eingesetzt, dass Marlene Maertens eine Witwenrente erhält“, erzählt Suzanne Foxley. „Und im Jahr 1980 wurde sie sogar eingeladen und hat die ,Herrenrede‘ zum 70. Crew-Jubiläum in Kiel gehalten.“ Der Inhalt dieser Rede wurde nicht überliefert. Marlene Maertens starb am 31. Mai 1987 – kurz vor ihrem 82. Geburtstag.

Michael Halama
Michael Halama Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung
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