Wilhelmshaven - Das ist gerade noch einmal gut gegangen: Die drohende Abschaltung von UKW-Frequenzen in Deutschland am morgigen Mittwoch ist vorerst abgewendet. In dem Streit verschiedener Sendernetzbetreiber-Firmen geht es um Geldfragen. Vorausgegangen war der Verkauf verschiedener Sendeanlagen. Laut Medienberichten wären zehn Millionen Hörer von der Abschaltung betroffen gewesen. Diversen öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosendern drohte gebietsweise die Abschaltung.

Der zugrundeliegende Konflikt ist allerdings nicht gelöst. Die Sendenetzbetreiber Uplink aus Düsseldorf und Divicon aus Leipzig sollen lediglich eine Übergangsregelung des Dienstleisters Media Broadcast akzeptiert haben, den Sendebetrieb bis Mitte des Jahres aufrecht zu erhalten. Bis dahin soll eine einvernehmliche Lösung gefunden werden, wie viel die Miete der Antennen kosten soll. Finanzinvestoren, die Antennen übernommen haben, wollen mehr Geld für deren Nutzung.

Parallel dazu ist bereits eine Diskussion entstanden, ob sich die UKW-Sender überhaupt in den Händen privater Firmen befinden sollten, die zur Durchsetzung ihrer finanziellen Interessen den Rundfunk einfach abschalten können.

Für Radiohörer lohnt sich unabhängig davon aber ohnehin ein Blick auf mögliche Alternativen zum Radioempfang, derer es viele gibt. Durch digitalen Empfang und zusätzliche Dienste haben diese oftmals sogar Vorteile\ gegenüber der analogen Verbreitung.

å?Audiostreaming Für Radiosender gehört es mittlerweile fast zum Standard, ihr Programm auch digital über das Internet zu verbreiten. Livestreams werden in verschiedenen Formaten verbreitet. Üblich ist vor allem das MP3-Format.


Erste Anlaufstelle sind für viele Hörer die Websites der Sender. Dort werden oftmals entsprechende Audioplayer vorgehalten. Ein Klick genügt, um sich in das laufende Programm einzuklinken. Wer weitere Informationen sucht, sitzt gleich an der Quelle.

Wer lieber durch verschiedene Programme zappen möchte, findet eher an einem Verzeichnis Gefallen. Hier gibt es verschiedene Anbieter im Netz, die Senderlisten zusammentragen, zum Teil mit direkten Links zu den Programmen und Audioplayern. Eine gute Reputation genießt hier unter anderem der Dienst TuneIn, über den sich auch nach Musikgeschmack und weiteren Vorlieben nach Radiosendern weltweit suchten lässt. Wer im Netz nach Radiosendern schaut, wird rasch feststellen, dass er die Qual der Wahl hat. Denn neben den bekannten Radioprogrammen gibt es auch unzählige reine Internetsender - ganz zu schweigen davon, dass sich dem Hörer auch die Möglichkeit bietet, am anderen Ende der Erde reinzuhören.

Als Empfangsgeräte kommen nicht nur Computer, Smartphone und Tablet in Frage. Es gibt sogar eine eigene Gattung der Internetradios, die entweder in Kombination mit anderen Empfangstechniken (UKW/DAB) oder rein für Internetempfang erhältlich sind. Da diese Geräte zumeist nur über kleine Bildschirme verfügen, erfolgt der Zugriff auf die Programme zumeist über herstellereigene Verzeichnisse und Verfahren. Das ist nicht immer vorteilhaft - es lohnt sich, vor einer möglichen Investition im Netz Erfahrungsberichte zu den Geräten einzuholen.

Wer ein Echo von Amazon besitzt, muss aber gar nicht ein eigenes Internetradio kaufen. Der Sprachassistent kann nämlich über TuneIn auch alle möglichen Sender abrufen. Das Kommando Alexa, spiele Radio Jade genügt schon, um den hiesigen Lokalsender aufzurufen. Die Audioqualität hängt vom verwendeten Gerät ab. Selbst der günstige Echo Dot hat aber einen Klinkenanschluss, um einen leistungsfähigeren Lautsprecher anzuschließen.

å?DAB+ Wer es lieber terrestrisch und ohne Internetverbindung mag, kommt über den Radiostandard DAB+ in den Genuss digitaler Qualität. Entsprechende Empfänger sind ein einer wachsenden Zahl von Autoradios und sonstigen Radiogeräten verbaut. Kleiner Wermutstropfen für Wilhelmshaven und Friesland: Laut der Empfangskarte kann DAB+ hier gebietsweise nur unterwegs und nicht in Gebäuden gut empfangen werden. Was dies in der Realität bedeutet, wissen Nutzer der digitalen Antennenfernsehens DVB-T. In unseren Tests konnten Sender in Gebäuden teilweise kaum oder gar nicht empfangen werden.

å?DVB-C Wer einen Kabelanschluss hat, kann Radioprogramme in digitaler Qualität auch darüber empfangen. Zwar nutzen viele hier eher das analoge Angebot, wenn sie den Antennenstecker direkt an ihrer Stereoanlage befestigen. Allerdings gibt es auch ein beachtliches Senderangebot in bester digitaler Qualität. Viele Fernseher bieten die Möglichkeit, diese Sender aufzurufen. Gleiches gilt für Set-Top-Boxen.

å?DVB-S Analog zum Kabel gibt es auch beim Satellitenempfang über DVB-S ein großes Radiosenderangebot. Nutzbar ist es ebenfalls per Fernseher, Set-Top-Box oder einem anderen geeigneten Empfänger.

å?Podcasts Wenn es um gute Gesprächsformate geht, gibt es noch eine weitere gute Alternative zum klassischen Radio: Podcasts. Der Name lehnt an den iPod von Apple an, der seinerzeit als eines der ersten portablen Geräte diese Art des Internetradios unterstützte. Als Onlineradio gibt es das Angebot auf Abruf aber schon länger. Podcasts gibt es zu den unterschiedlichsten Interessensgebieten. Sie sind oftmals mehr eine Alternative zum Hörbuch als zum klassischen Radio, weil sie kaum bis gar keine Musik enthalten. Allerdings tummeln sich auch die öffentlich-rechtlichen und privaten Radiosender zunehmend in der Podcast-Szene - augenscheinlich, weil sie sehen, dass immer mehr Hörer an diesen Formaten finden.

Zum Abruf von Podcasts gibt es verschiedene Möglichkeiten. Das Programm iTunes von Apple (für Windows und Mac) gilt immer noch als eine der ersten Adressen. Zum Anhören auf mobilen Geräten gibt es unzählige Podcast-Apps, mit denen die Angebote auch leicht dauerhaft bezogen werden können. Bis auf wenige Ausnahmen sind Podcasts kostenlos nutzbar. Wer hineinhören möchte, kann dies meist auch auf den Anbieterseiten im Netz.