Wilhelmshaven - Nun ist es in trockenen Tüchern: Zum 1. April übernimmt der Deutsche Marinebund (DMB) das Heimschiff „Arcona“ von der Marinekameradschaft Wilhelmshaven (MK). Zu letzten Abstimmungsgesprächen mit dem geschäftsführenden Vorstand um MK-Schatzmeister Lutz-Peter Unger war DMB-Präsident Heinz Maurus jetzt in Wilhelmshaven.
„Wir wollen die ,Arcona‘ weiterhin an ihrem bekannten Liegeplatz nutzen. Und zwar als Begegnungsstätte für aktive und ehemalige Angehörige der Marine, Marine-Traditionsverbände, des Marinebundes und selbstverständlich der hiesigen Marinekameradschaft“, so Maurus. „Die ,Arcona‘ kann dabei als maritimer Anlaufpunkt für verschiedene Interessengruppen dienen, um im Austausch mit der interssierten Bevölkerung das maritime Bewusstsein weiter zu entwickeln.“
Der DMB-Präsident hatte im November 2020 bei einem Besuch der Redaktion angkündigt, dass der Marinebund, der seinen Hauptsitz vor Jahren von Wilhelmshaven nach Laboe verlegt hat, am größten Marinestandort wieder stärker Präsenz zeigen möchte. Nun sollen erste Taten folgen. „Uns liegt ein professioneller Vorschlag zur Konzeptoptimierung für das Heimschiff ,Arcona‘ vor“, sagt Maurus. „Diese Potenzialanalyse ist uns wichtig, weil das Schiff auch künftig ohne öffentliche Förderung eigenwirtschaftlich betrieben werden soll.“
„Von diesem Konzept wollen wir einige Ideen aufgreifen und umsetzen. Zu diesem Zweck werden wir rund 150 000 Euro investieren um sowohl die Unterkünfte als auch Gemeinschaftsräume zu renovieren und etwas zeitgemäßer zu gestalten, ohne den besonderen Charakter verändern zu wollen. Außerdem soll die ,Arcona‘ außen einen neuen Anstrich erhalten.“
Oberdeck ein idealer Ort für Begegnungen
An Bord biete man bereits heute maritimes Flair, Veranstaltnungsräume und Unterkünfte. „Im Sommerhalbjahr ist außerdem das Oberdeck ein idealer Ort für Begegnungen. Mit ein paar Standkörben zum Beispiel lädt die ,Arcona‘ zum Verweilen ein.“ Ausdrücklich wolle der DMB jedoch keine öffentliche Gastronomie einrichten. „Wie bisher soll es Frühstück für Übernachtungsgäste geben“, so Heinz Maurus. „Wenn bei Veranstaltungen Gastronomie erwünscht ist, soll das gerne ein örtlicher Caterer übernehmen.“
Um das Heimschiff wird sich künftig eine noch zu gründende „Arcona Verwaltungs- und Betriebs GmbH“ in Wilhelmshaven kümmern. „Neben einem Geschäftsführer wird es zwei weitere Arbeitsplätze geben. Der Geschäftsführung soll ein Beirat zur Seite stehen, der in Sachen Bewirtschaftung und Veranstaltungen berät. Im ehrenamtlichen Beirat wären neben Vertretern des DMB-Präsidiums und des MK Wilhelmshaven-Vorstands auch Vertreter der Marine und der Stadt Wilhelmshaven wünschenswert.“ Während der Kommandeur der Einsatzflottille 2 bereits seine Unterstützung zugesagt habe, liege ihm vonseiten der Stadt noch keine Antwort vor. Auch ein aktualisierter Nutzungsvertrag sei noch nicht unterzeichnet.
Für die Marinekameradschaft, die im vergangenen Jahr ihr 125-jähriges Bestehen gefeiert hat, ist dieser Schritt eine große Entlastung. Regelmäßig notwendige Wartungs- und Pflegearbeiten an Bord sind der Handvoll aktiver Mitglieder mit zunehmendem Alter nicht leichter gefallen. „Froh sind wir deshalb über die tolle Unterstützung vom Freundeskreis der ,Fregatte Braunschweig‘ in jüngster Zeit“, betont Lutz-Peter Unger. Aber auch finanziell sorgt die Übernahme der „Arcona“ für eine große Entlastung der MK; zuletzt mussten 2017 wegen aufwendiger Reparaturen gut 80.000 Euro in das Heimschiff gesteckt werden. Dabei halfen Marinebund und weitere Förderer bereits.
Seit 1984 hatte die MK das Heimschiff„Arcona“ an seinem Liegeplatz am Bontekai betrieben und gepflegt. Gebaut wurde das 66,4 Meter lange Schiff 1943 in Mainz-Kastel. Als Kriegsbeute nutzten dann die Briten das Schiff – zunächst in Krefeld, später in Wilhelmshaven für die Prince Rupert School. Im Jahr 1958 übernahm die noch junge Bundesmarine das Wohnschiff und stellte es als „Y 809“ beim hiesigen Marinestützpunktkommando in Dienst. 1982 wurde die „Arcona“ außer Dienst gestellt.
Die Marinekameradschaft Wilhelmshaven plant laut Unger für den 12. März eine Mitgliederversammlung mit Neuwahl eines Vorstands. Dabei werde sich auch ein Kandidat um den Posten des 1. Vorsitzenden bewerben. Unter den aktuell gut 190 Mitgliedern ist übrigens auch Konteradmiral Kay-Achim Schönbach, designierter Inspekteur der Marine.
