WILHELMSHAVEN - Die Landesbühne Niedersachsen Nord in Wilhelmshaven beschließt am kommenden Sonntag, 6. Mai, die Spielzeit 2011/2012 im Jungen Theater mit der Premiere der Studio-Aufführung 'Shockheaded Peter' als Junk-Oper von Julian Crouch und Phelim McDermott mit der Musik von Martyn Jacques nach Motiven aus 'Der Struwwelpeter' von Heinrich Hoffmann – übersetzt von Andreas Marber. Vorhang auf ist im Jungen Theater an der Rheinstraße um 20 Uhr.

Zuvor, am morgigen Sonnabend, 5. Mai, gibt es im Stadttheater mit der Uraufführung 'Die Jüdin von Toledo' von Kristo Sagor nach dem Roman von Lion Feuchtwanger eine weitere Schlusspremiere. Oberspielleiter Olaf Strieb führt bei 'Shockheaded Peter' die Regie und damit sozusagen das Stück aus dem Kinderzimmer auf die Bühne für Erwachsene.

'Shockheaded Peter' war bisher als Bühnenfassung mit einer Sängerin und einem Sänger konzipiert. Die Landesbühne hat ihren 'Struwwelpeter' mit einem sechsköpfigen Ensemble und dem Akkordeonisten Florian Oberlechner besetzt. Es spielen: Marianne Curn (Struwwelpeter und sieben weitere Rollen), Sibylle Hellmann präsentiert sich in sieben Rollen, genauso wie Aom Flury, Holger Spengler, Christoph Sommer und Jarno Stiddien. Das heißt, jedes Ensemblemitglied hat eine Paraderolle. Dazu sagt Olaf Strieb: 'Wir können für das Stück unsere hervorragendsten Komödianten auf die Bühne bringen.' Die musikalische Leitung hat Erich A. Radke, Bühnenbild und Kostüme stellte Thurid Peine zusammen.


Erinnern wir uns an den verhungernden Suppenkaspar, das zündelnde Paulinchen, den Daumenlutscher oder an den Hans-Guck-in-die-Luft. Sie alle und viele mehr werden auf der Bühne glossiert und karikiert. In dem Spiel soll es kunterbunt zugehen. Auf die seinerzeit gegen den Autor kritisierend erhobenen Vorwürfe, er verderbe mit seinen fürchterlichen Fratzen und schaurigen Geschichten 'das ästhetische Empfinden der kindlichen Seele', entgegnete der Übersetzer Heinrich Hoffmann, gerade die überzeichneten und gruseligen Vorstellungen seien es, die die Kinderseelen berühren würden.

Die beiden Engländer Julian Crouch und Phelim McDermott haben das Bühnenpotenzial der Hoffmann’schen Schauergeschichten mit klirrenden Klängen zwischen Rockmusik und Jahrmarktsmelodik durchsetzt und die bitterböse Handlung noch weiter auf die Spitze getrieben. Nach der grandiosen Uraufführung 1998 folgte 2000 die Rückübersetzung mit der Erstaufführung am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg. Damit begann der Triumphzug der kleinen Horrorshow über die deutschen Bühnen. Das musikalische Arrangement von Erich A. Radke verstärkt den volksliedhaften Charme mit Akkordeon sowie dem Einsatz verschiedener Spielzeuginstrumente.

Der Begriff Junk-Oper bedeutet hier vor allem, dass die Zuschauer nicht mit Pomp und großen Arien zu rechnen haben, sondern mit einer ganz anderen Art von Musiktheater. Die Aufführung im Jungen Theater wird ohne Pause durchgespielt und dauert etwa eine Stunde und 20 Minuten. Die weiteren Aufführungen an der Rheinstraße sind am 11., 16., 25. und 30. Mai sowie am 14. Juni, beginnend jeweils um 20 Uhr. Weitere Vorstellungen sind für August geplant.