Wilhelmshaven - Vormittags im Erdgeschoss des Rathauses - Ostflügel. Geradeaus geht es zum Jugendamt: Adoptions- und Pflegedienst, Familienhilfe. Bitte nicht berühren, danke!, mahnt ein Schild. Es hängt an einer Kordel und soll Besucher davon abhalten, der Norfolk-Jungfrau im Rathausfoyer zu dicht auf die Pelle zu rücken.
Bitte nicht berühren - diesen Tipp würde Hermann Niehuis-Schwiertz von Pro Familia gewiss nicht geben, wenn er junge Menschen bei Fragen über Sexualität berät. Er führte gestern erneut durch die Ausstellung zum Thema Jugendschwangerschaften, die seit einer Woche im Rathaus zu sehen ist und von Pro Familia veranstaltet wird. Zudem beteiligen sich das Pro-Aktiv-Center, die GAQ, Familienhebammen und die Gleichstellungsbeauftragte der Stadt. Wer wird schwanger? steht auf einen der Banner.
Präsentiert werden Ergebnisse einer Erhebung des Pro-Familia-Bundesverbands - durchgeführt vom Institut für Sexualwissenschaft der Universität Hamburg. Zudem soll die Ausstellung zeigen, dass betroffenen Minderjährige bei vielen Institutionen Hilfe erhalten können.
Gestern schauten sich unter anderem Schüler der Berufsbildenden Schulen Friedenstraße die Ausstellung an - angehende Sozialpädagogen.
Statistisch betrachtet sind Jugendschwangerschaften ein Randthema, erklärt ihnen Niehuis-Schwiertz und räumt mit dem Vorurteil vom dramatischen Anstieg auf, das reißerische Medien vermittelten. Die Zahl nehme eher ab. In Deutschland werden gegenwärtig sieben bis acht von 1000 Frauen im Alter von 15 bis 17 Jahren schwanger. Drei von ihnen bekommen ein Kind, vier bis fünf entscheiden sich für einen Abbruch. Vor allem sind es ältere Jugendliche, die schwanger werden - 75 Prozent sind 16 oder 17 Jahre alt.
Ein Prozent ist 13 Jahre oder jünger, so Niehuis-Schwiertz. Zwischen 2001 und 2004 hätte es indes tatsächlich einen Anstieg gegeben - auch in Wilhelmshaven. 2002 zählte die Beratungsstelle rund 80 Schwangere aus Wilhelmshaven und Friesland im Alter von 14 bis 17 Jahren. 2010 wurden 44 minderjährige Schwangere beraten. Deshalb dürfe das Thema nicht dramatisiert werden.
Und: Jugendliche lassen sich offenbar mehr Zeit bis zum ersten Mal, als gedacht. Das geht aus der Studie Jugendsexualität hervor.
Trotzdem müsse man den Ursachen auf den Grund gehen: Zum Beispiel erhöhen geringe Bildungschancen, Arbeitslosigkeit und Armut die Wahrscheinlichkeit bei Minderjährigen, ungewollt schwanger zu werden. Oft spielten auch Verhütungspannen eine Rolle.
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