Wilhelmshaven - Mila Sophia lässt sich ins Bällebad plumpsen, dann nimmt sie am Rand Platz und lächelt für den Fotografen der „Wilhelmshavener Zeitung“. Die Fünfjährige soll Bälle in die Luft werfen und dabei in die Kamera schauen. Es braucht einige Versuche, dann ist das Bild im Kasten.
Noch vor einem Jahr wäre ein solches Foto-Shooting kaum möglich gewesen. Mila Sophia konnte sich wegen einer Wahrnehmungsstörung nur wenige Sekunden konzentrieren, hetzte von Spiel zu Spiel. Manchmal entriss sie anderen Kindern das Spielzeug. „Wir wussten damals nicht mehr weiter“, erzählt ihre Mutter Kathrin Möhlmann (37). Dann sagt sie: „Ich habe jetzt ein ganz anderes Kind zu Hause.“
Die Lebenshilfe Wilhelms- haven-Friesland besteht seit 60 Jahren, das will der Ver- ein am Freitag, 10. Juni, mit einem bunten Programm am und im Kulturzentrum Pumpwerk feiern. In loser Folge stellt die „Wil- helmshavener Zeitung“ bis dahin verschiedene Angebote der Lebenshilfe vor und zeigt, wie der Verein Teilhabe für Menschen mit Behinderungen heute verwirklicht.Die Frühförderung der Lebenshilfe richtet sich an Kinder bis zur Einschulung.̈Sie ist eine Leistung der Eingliederungshilfe und kann beim zuständigen Sozialamt beantragt werden.
Ansprechpartnerin ist Wibke Quast. E-Mail: w.quast@lebenshilfe-whv-fri.de
Im Spiel wird gefördert
Die Familie hat Unterstützung bei der Lebenshilfe Wilhelmshaven-Friesland gefunden. Seit einem Jahr besucht Mila Sophia dort regelmäßig die Frühförderung. Jeden Mittwoch kommt sie in die Räume an der Bismarckstraße. Dann trifft sie ihre Frühförderpädagogin Lea-Marie Gloe. Manchmal sitzen sie einfach an einem Tisch, spielen, basteln oder malen. Ein anderes Mal geht es zum Toben ins Bällebad oder an die Sprossenwand. Es sieht aus, als würden sie sich einfach die Zeit vertreiben, aber jedes Spiel bringt Mila Sophias Entwicklung ein Stück nach vorne.
Insgesamt 50 Kinder werden auf diese Weise zurzeit bei der Lebenshilfe gefördert. Das Angebot richtet sich an Familien, deren Kinder während ihrer ersten Lebensjahre in ihrer Entwicklung Unterstützung brauchen – körperlich, geistig, sprachlich oder in der sozialen Entwicklung. Dabei ist es wichtig, mit der Förderung möglichst früh zu beginnen. „Bei Kleinkindern ist das Entwicklungsfenster am größten“, erklärt Wibke Quast. Sie leitet die Frühförderung der Lebenshilfe und ist auch Geschäftsstellenleiterin des Vereins. Gefördert werden die Kinder einzeln oder in Gruppen. Letzteres sei besonders für Kinder wichtig, die noch keinen Kindergarten besuchen und auch sonst selten mit anderen Kindern zusammenkommen.
„Kleiner Kindergarten“
Mila Sophia kommt gerne zur Frühförderung. „Sie erzählt allen, dass es ihr kleiner Kindergarten ist“, sagt ihre Mutter und berichtet stolz von den Fortschritten, die das Mädchen gemacht hat. Und das erleichtert auch den Alltag, denn hinter der Familie liegen teils anstrengende Zeiten. „Klar haben wir uns auch gefragt, ob wir etwas falsch machen“, sagt sie.
Doch bei der älteren Tochter – Mila Sophias elfjährige Schwester – sei nichts auffällig gewesen. Bei Mila Sophia indes fiel mit anderthalb Jahren das erste mal auf, dass sie Hilfe benötigt. Als das Mädchen den Schnupperkindergarten besuchte, kam der entscheidende Hinweis, es mit der Frühförderung der Lebenshilfe zu versuchen. Heute besucht sie einen regulären Kindergarten, allerdings mit kleinen Gruppen und jeweils drei Erzieherinnen. Im nächsten Jahr soll sie eingeschult werden.
„Mir ist wichtig, dass mein Kind einen guten Start in die Schule hat“, sagt Möhlmann. Durch die Beratung der Frühförderung habe sie selbst vieles an die Hand bekommen, um auch zu Hause noch besser zu unterstützen. Überhaupt spielt die Zusammenarbeit mit den Eltern eine große Rolle, betont Quast: „Wir erarbeiten Ziele, die in einem bestimmten Zeitraum erreicht werden sollen.“
Beratung für Familien
Angepackt werden die Ziele mit den Kindern im Therapieraum, aber auch in der Krippe, im Kindergarten oder zu Hause in den Familien. Denn jedes Kind sei anders und müsse individuell gefördert werden. Das zeigt sich etwa im Therapieraum mit dem Bällebad. „Für manche Kinder kann dieser Raum ein Segen sein – oder er ist eine Katastrophe“, sagt Quast.
