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Erfolg in der Ausbildung Bei ihm ist wirklich jeder Kunde ein König

Juliane Minow

Wilhelmshaven - Die Wünsche der Kunden erfüllen. Für sie da zu sein, sie zu beraten, für jeden den richtigen Schnitt und den richtigen Stoff aussuchen. Das alles sind Sachen, die Jihad Hjair an seinem Beruf am meisten liebt. Und diese Liebe beruht auf Gegenseitigkeit.

Der 22-Jährige hat in den vergangenen zwei Jahren bei der Deutschen-Angestellten-Akademie (DAA) und dem Modehaus Leffers eine Ausbildung zum Verkäufer absolviert. Aber nicht nur das: Er hat sie im Oldenburgischen Land mit 95 Prozent auch als Prüfungsbester abgeschlossen und wurde dafür jetzt von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer ausgezeichnet.

Das besondere: Der syrische Geflüchtete ist erst seit knapp fünf Jahren in Deutschland. Herausforderungen in der Sprache und anderen Schwierigkeiten trotzte er – und zog an vielen deutschen Auszubildenden vorbei.

Für ihn kam die DAA genau richtig

Vor dieser stolzen Leistung zogen die Verantwortlichen der DAA, des Modehauses Leffers und der IHK den Hut. 2015 mit seiner Familie aus seiner Heimatstadt Aleppo geflüchtet, lebte Jihad Hjair zunächst drei Monate in einem Flüchtlingsheim in Hannover und anschließend ein knappes Jahr im Emsland, bevor er im Oktober 2016 mit seinen Eltern und seinen drei Geschwistern nach Wilhelmshaven zog.

„Zuerst war ich in einer Sprachklasse in den Berufsbildenden Schulen, aber das hat mir nicht so gut gefallen“, berichtet er heute. Stattdessen belegte er einen anderen Sprachkurs, legte 2017 die Prüfung im B1-Niveau ab.


Seit September 2017 ist er in einer Maßnahme des DAA, die den Teilnehmern die Aufnahme einer Berufsausbildung ermöglichen möchte. Sie läuft nun im achten Jahr, die Verantwortlichen haben gute Erfahrungen damit gemacht. Und für Hjair kam sie genau richtig. „Am Anfang war ich nicht so motiviert, weil alles sehr schwierig war“, gesteht er. „Aber ich habe mich zusammengerissen und trotzdem jeden Tag mein Bestes gegeben.“ In seiner Heimat in Syrien hätte er nach seinem Schulabschluss eigentlich studieren wollen. Das ging hier nicht so ohne Weiteres, was ihn zunächst enttäuschte.

Die Enttäuschung hielt aber nicht lange an. Anfang 2018 macht er über die DAA ein Praktikum beim Modehaus Leffers in Wilhelmshaven. „Das hat mir sehr viel Spaß gemacht.“ Tatsächlich konnte ihm in dem Praxisbetrieb eine Ausbildung ermöglicht werden. Bis zum Start ein halbes Jahr später arbeite er einfach weiter dort.

Bei der Abschlussprüfung war kein Wörterbuch erlaubt

Die Ausbildung beim DAA und bei Leffers bestand für den 22-Jährigen zu einem Teil aus der praktischen Arbeit in seinem Betrieb und zum anderen aus dem Lernen der Theorie – Rechnungswesen und Marketing kamen da zum Beispiel zur Sprache.

Die deutsche Sprache, die Jihad Hjair noch nicht allzu lange lernte, bereitete ihm im Umgang mit den Kunden manchmal ein bisschen Schwierigkeiten. „Aber ich habe abends nach der Arbeit noch oft mit Kollegen Vokabeln gelernt, das hat mir geholfen.“ Die hohe Eigeninitiative des Auszubildenden, auch in seiner Freizeit tätig zu werden, lobten auch die Verantwortlichen bei der Auszeichnung.

Für die Abschlussprüfung zu lernen, habe ihn einiges an Stress gekostet. Denn ein Wörterbuch durfte er nicht benutzen, er bekam genau die gleichen Aufgaben wie seine deutschsprachigen Mitbewerber. Und trotz allem glänzte er mit herausragenden Leistungen, die unter diesen Bedingungen noch einmal mehr besonders sind, wie seine Dozenten betonen.

Das alles hätte er aber ohne deren Hilfe nicht geschafft, machte der gebürtige Syrer zum Dank deutlich. Nun ist die Anstrengung aber erst einmal vorbei und Jihad Hjair freut sich, nach seiner Übernahme bei Leffers ohne Lernstress arbeiten zu können. Und wenn die Arbeit doch einmal stressig ist, kommt er in seiner Freizeit mit Sport und Zeichnen wieder zur Ruhe.

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