Wilhelmshaven - Viele Menschen im Stadtnorden vermissen „ihren“ Geniusstrand und einen Campingplatz. Beides musste einst dem Bau des JadeWeserPort weichen. Nun gibt es immerhin einen Hoffnungsschimmer in Sachen Wilhelmshavener Campingplatz. „Beim Blick auf das Gelände nördlich der Maade zwischen Segelhafen und Maadesiel haben wir eine mögliche gute Fläche identifiziert – dort ist es grün, ruhig, es liegt am Wasser und ist über die Osttangente gut erreichbar“, sagte Oberbürgermeister Carsten Feist beim Bürgerdialog auf Einladung der „Wilhelmshavener Zeitung“ in der Sporthalle der Nogatschule.
Der Anregung einiger Bürger, das alte Gelände des Campingplatzes in Voslapp zu reaktivieren, erteilte der OB aus rechtlicher Sicht eine klare Absage: Wegen der Nähe zum Containerhafen verbiete das Bundes-Immissionsschutzgesetz eine derartige Nutzung.
Gute Aussichten versprach Feist den Menschen im Stadtnorden für das Freibad Nord. Dessen Zukunft sei durch den bevorstehenden Einstieg eines privaten Investors ebenso gesichert wie die notwendige Sanierung und Attraktivitätssteigerung des Bades. Die Verträge seien ausverhandelt, die Unterschriften erfolgten zum Saisonende. Was den OB freut: „Die Menschen nehmen das Freibad in diesem Sommer gut an.“
Zum Teil heftige Vorwürfe musste sich Carsten Feist zum schlechten Zustand von Straßen und Radwegen (nicht nur) im Stadtnorden anhören. Ganze Straßenzüge, die nach Regenfällen unter Wasser stehen und Radwege, die wegen starker Baumwurzeln nicht mehr sicher zu befahren sind, wurden mehrfach genannt. Eine schnelle Abhilfe könne er nicht in Aussicht stellen, sagte Feist ehrlich. Für die Sanierung der Wilhelmshavener Straßen gebe es ein Kataster und dies werde nach und nach abgearbeitet – „das wird dauern“.
Ursächlich für die Missstände nannte der OB zum einen das alte Kanalsystem aus den 50er Jahren, zum anderen die einst gepflanzten hübschen kleinen Straßenbäume. „Die sind immer noch hübsch, aber inzwischen stattlich groß und deren Wurzeln zerstören halt Pflaster und Asphaltdecken.“ Das Fällen der Bäume könne keine sinnvolle Lösung sein; anderes koste viel Geld und nehme viel Zeit in Anspruch.
Deshalb bat der OB hier ebenso um weitere Geduld der Bürger wie bei ausstehenden Investitionen in Schulen und Kindergärten. „In den vergangenen Jahren hat die Stadt rund 60 Millionen Euro in Bildungseinrichtungen wie Schulen und Kindergärten investiert“, so Carsten Feist. Beim Zustand allein einiger Schulen im Stadtnorden sei ihm klar: „Wir haben noch einige Dinge vor uns.“
Als wichtige Investition für die Sicherheit der Bürger im Stadtnorden bezeichnete er die Bunte Wache. Am 21. Oktober ist nun die offizielle Inbetriebnahme geplant.
Diskutiert wurde zudem über die Stadthalle: Sanierung oder Neubau? Wenn ja, warum nicht im Stadtnorden? Der Ratsbeschluss sieht ja entweder eine Sanierung am alten Standort oder einen Neubau im Banter-See-Park vor. Über die Stadthalle können die Wilhelmshavener bald bei einer Einwohnerbefragung oder gar bei einem Bürgerbegehren mitreden. Mit Blick auf die wegen der Corona-Krise absehbar nicht bessere Finanzlage der Stadt verwies Oberbürgermeister Feist auf die Verabschiedung des Haushalts Ende Oktober: „Dann wollen wir mal schauen, wo die Prioritäten liegen.“
