Wilhelmshaven - Die Banter evangelische Kirchengemeinde gedachte gestern mit einem Gottesdienst der Antoniflut vor 500 Jahren, als große Teile des alten Kirchspiels Bant in den Fluten des Jadebusens versanken. Wenige jahrzehnte später fiel auch die Kirche, die ausgedeicht worden war, in sich zusammen. An sie erinnert heute Anfang des vorigen Jahrhunderts geschaffene Banter Ruine.

Der Gottesdienst war eine der ersten Veranstaltungen im Jubiläumsjahr der neuen Kirchengemeinde Bant, die vor 125 Jahren aus der Taufe gehoben worden ist.

Zusammen mit den Banter Pastoren Frank Moritz und Rainer Ewald gestaltete Bischof Janssen die Feier in der Kirche. Die Banter Kantorei unter Leitung von Markus Nitt sang teils selten gehörte Choräle, Ursula Aljets erinnerte in einem kurzen Vortrag an die Geschichte des alten Kirchspiels Bant und trug Zeitzeugenberichte von Sturmfluten vor. Mit einem kurzen Film erinnerte man sich der Sturmflut von 1962, die ebenfalls zu Überflutungen und Schäden in dieser Region geführt hatte.

Hans-Heinrich Schrievers, 2. Vorsitzender des 3. Oldenburgischen Deichbandes, betonte die Notwendigkeit der Gemeinschaftsaufgabe Deichbau und erinnerte an das gute Zusammenwirken von Kirche, Deichband und Bevölkerung, als es um die Erhöhung des Deiches rund um den Jadebusen vor 15 Jahren ging. Damals wurde von der Kirchengemeinde Cäcilien- groden aus eine große Demonstration organisiert.

Bischof Janssen mahnte in seiner Predigt, dass der Mensch endlich nachhaltig mit seiner Umwelt haushalten müsse. Der Schutz vor Katastrophen wie Sturmfluten könne nur gemeinsam gelingen. Dazu zählt die Verständigung mit Nachbarn und mit Fremden meinte Janssen. Der Predigttext von der Sturmstillung Jesu aus der Matthäus-Evangelium bezieht die Geschichte von der Widerstandskraft gegen die Lebensstürme auf die Frage nach einer ernsthaften Nachfolge Jesu: Steigt ihr mit ihm ins Boot? Habt keine Angst! (Mt 8,18-22) Zur Nachfolge Jesu zähle heute die Verantwortung für Kirche und Welt, so Janssen.


Der Schrecken der großen Flut vor 500 Jahren spülte gestern Nachmittag auch Hunderte Besucher ins Küstenmuseum. Während auf dem neuen Banter Seedeich Böen bis Windstärke acht aus Südwest Spaziergängern ins Gesicht bliesen oder sie anschoben, erfuhren die Neugierigen Hintergründe zur Prägekraft der Fluten für die hiesige Küste. Die Antoniflut vom 16. Januar 1511 war schließlich nur der Endpunkt einer Reihe von vier schweren Stürmen, die in den beiden Vorjahren die bisherige Küstenlinie eingerissen und die Deiche aufgeweicht hatten. Bei der Januar-Flut 1511 trieb zudem viel Eis binnenlands, berichtete Tanja Kwiatkowski vom Küstenmuseum bei einer der thematischen Führungen für die vielen Besucher. Das Eis schmirgelte mit seinen scharfen Kanten die Deichlinien, fällte Bäume, deckte Höfe ab und ebnete ganze Dörfer ein.

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Hartmut Siefken
Hartmut Siefken Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung