Wilhelmshaven - Die Trennung von einem geliebten Menschen können sie kaum ertragen. Sie leben in Angst, sind impulsiv und unsicher in ihrer Identität. Oft verletzten sie sich selbst, schneiden sich mit Rasierklingen in die Arme. Border­line ist für mich wie eine Reise ohne Fahrschein - und der Kontrolleur naht. So hat eine Betroffene dieses Syndrom beschrieben.

Das Zitat hängt an einer Schautafel im Foyer der Stadtbücherei und gehört zu einer kleinen Ausstellung über die Persönlichkeitsstörung Bor­derline, an der vor allem viele Jugendliche leiden - zumeist junge Frauen. Die Wilhelmshavener Schülerinnen Nele Zunker (17), Lina Gerdes (19) und Paula Hinderer (18) vom beruflichen Gymnasium der Berufsbildenden Schulen Friedenstraße haben die Ausstellung organisiert.

Die Arbeit ist Teil eines Projektkurses im Fach Pädagogik und Psychologie. Die Schülerinnen sollten nicht einfach ein Referat vor ihrer Klasse halten, sondern die Ergebnisse öffentlich präsentieren. Sie sollen nicht nur für die Schule büffeln, sondern auch für sich selbst lernen, erklärt Lehrerin Dr. Erdmute Krohs.

Gelernt haben die Schülerinnen auf jeden Fall. Borderline wirkt sich nicht immer gleich aus. Es gibt viele verschiedene Symptome, da auch jeder Mensch in seiner Persönlichkeit und Identität einzigartig ist, erklärten sie den Gästen, die zur Eröffnung der Ausstellung gekommen sind. Nele Zunker kannte ein Mädchen, das unter Borderline litt. Die Wunden an den Armen versuchte sie immer zu verstecken.

Mit der Situation war Nele Zunker damals überfordert, weil sie nicht wusste, wie man helfen kann. Man hat sich selbst schuldig gefühlt und hatte Angst, etwas Falsches zu sagen, erinnert sich die 17-Jährige.


Aufklärung über Borderline und andere psychische Störungen sei deshalb wichtig, zumal es auch viele verschiedene Therapien gibt. Fest steht: Die Fälle von Borderline nehmen stetig zu. Das bestätigt Stadtjugendpfleger Waldemar Strauch, der die Schüler bei der Suche nach einem Ausstellungsort geholfen hat.

Beim Jugendsozialdienst der Stadt verzeichnen wir ebenfalls eine große Zunahme der Fälle. Für Strauch war deshalb klar, dass die Projektergebnisse ein möglichst großes Publikum bekommen sollen. Zu sehen sind die Schautafeln bis zum 18. März im Foyer der Stadtbücherei an der Virchowstraße.

Stephan Giesers
Stephan Giesers Lokalredaktion, Wilhelmshavener Zeitung